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Bad Homburger Krankenhaus : Aufrütteln durch Spottpreis

„Wohnraum für die breite Bevölkerungsschicht“: Wie viel soll das alte Krankenhaus kosten? Bild: Michael Kretzer

Das kirchliche Siedlungswerk GSW bietet für das Grundstück des alten Bad Homburger Krankenhauses absichtlich sehr wenig Geld. Günstige Wohnungen gebe es nur bei niedrigem Grundstückspreis.

          3 Min.

          Das Immobilienmanagement des Hochtaunuskreises ist derzeit beschäftigt. Im Landratsamt werden die Angebote für das Gelände des alten Krankenhauses an der Urseler Straße in Bad Homburg gesichtet. Zum Verkauf stehen knapp drei Hektar Grundstücksfläche, auf denen zunächst die mehrstöckigen Klinikbauten abgerissen werden müssen. Dann soll ein Investor dort 270 Wohnungen errichten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Erwartungsgemäß ist das Interesse groß. Angesichts der Lage auf dem angespannten Wohnungsmarkt kann der Kreis mit hohen Einnahmen rechnen. Es sei denn, er ließe sich auf das Angebot der Gemeinnützigen Siedlungswerk GmbH (GSW) ein. Was die bezahlen möchte, würden Projektentwickler als Spottpreis bezeichnen.

          Das unverbindliche Angebot des Unternehmens, das von den vier katholischen Bistümern Limburg, Mainz, Fulda und Erfurt sowie den jeweiligen Caritasverbänden getragen wird, beläuft sich auf sechs Millionen Euro für die 28.661 Quadratmeter in Bad Homburger Innenstadtlage. Den auf 4,5 Millionen Euro veranschlagten Abriss des alten Krankenhauses würde das Siedlungswerk übernehmen. Auf diese Weise könne man für Eigentumswohnungen einen Quadratmeterpreis von 5125 Euro anbieten, heißt es in dem Schreiben an Landrat Ulrich Krebs (CDU) und die Bad Homburger Stadtverordnetenfraktionen, mit dem das GSW sein Interesse indirekt öffentlich gemacht hat. Die Quadratmeter-Miete der frei finanzierten Wohnungen beliefe sich auf 13,10 Euro, die der preisgebundenen auf 9,70 Euro.

          Ein Zeichen setzen

          Es gibt auch eine Berechnung, die sich nach Angaben des Siedlungswerks an einem Marktpreis von 5945 Euro für den Quadratmeter Eigentumswohnung und einer Miethöhe von 18,35 Euro orientiere. Dann könne man auch 34 Millionen Euro für das Grundstück bieten. Aber selbst wenn man damit den vom Kreis geforderten Anteil an Sozialwohnungen finanzieren könne, schließe man die überwiegende Mehrheit der Menschen bis weit in besserverdienende Milieus der Gesellschaft aus. Wobei auch den Verantwortlichen des GSW klar ist, dass die 34 Millionen Euro am Ende übertroffen werden dürften. „Gerade weil wir in Bad Homburg eine echte Preisralley erwarten, wollen wir beim Klinikareal ein Zeichen setzen“, sagt Filip John, einer der beiden GWS-Geschäftsführer.

          Das Siedlungswerk hat insgesamt 9000 Wohnungen in seinem Bestand, davon liegen 165 in Bad Homburg und ebenso viele in Oberursel, wo 120 weitere entstehen sollen. Als Bauträger hat das Unternehmen zudem 122 Wohnungen in Bad Homburg und 348 in Oberursel errichtet. Den Geschäftsführer lässt jedes Höchstpreisverfahren der öffentlichen Hand daran zweifeln, ob es die Politiker mit der Forderung nach bezahlbaren Wohnraum ernst meinten. Das Ergebnis seien nicht nur hohe Mieten. Auch Wohneigentum könne sich nur noch der leisten, der vermögend sei oder geerbt habe. „Wir glauben, wir sprechen für die schweigende Mehrheit, die außen vor bleibt.“

          Lediglich die Grünen und die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) haben nach Johns Worten auf das Schreiben reagiert und das Unternehmen zu Gesprächen eingeladen. Der BLB-Fraktionsvorsitzende Armin Johnert sagte, mit dem alten Klinikgelände sei eine „einmalige Gelegenheit ausgelassen worden, Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen“. Normalverdiener könnten sich in Bad Homburg nur noch Wohnungen in Altbeständen leisten –und auch die würden immer teurer.

          Während die Stadt mit dem Bebauungsplan den städtebaulichen Rahmen vorgibt und sich für Preisverhandlungen nicht zuständig sieht, werden über den Verkauf des Grundstücks am Ende die Kreistagsabgeordneten entscheiden. An die jedoch ging das Schreiben der GSW nicht. In Person des Landrats hat das Siedlungswerk allerdings den Hochtaunuskreis angesprochen. Der will sich im laufenden Verfahren zu einzelnen Angeboten nicht äußern. Eine Sprecherin verweist aber auf die Selbstverpflichtung, bei großen Grundstücksverkäufen einen Anteil an bezahlbarem Wohnraum von 20 Prozent zu schaffen. Der entstehe im Fall der Klinik auf dem benachbarten Grundstück der ehemaligen Georg-Kerschensteiner-Schule und werde von der Gemeinnützigen Wohnungsbau Hochtaunus errichtet.

          Außerdem sei der Kreis im Finanzhaushalt auf die Einnahmen des Verkaufs angewiesen, um mehrere Schulen in Bad Homburg zu bauen, sagte die Sprecherin. Die kämen allen Bevölkerungsschichten zugute. Gerade sozial schwache Familien seien auf ein leistungsfähiges öffentliches Schulsystem angewiesen. Gleiches gelte für ein Krankenhaus in öffentlicher Trägerschaft, das mit dem Neubau der Hochtaunuskliniken errichtet worden sei. Dort würden Standards der Pflege eingehalten, die bei anderen Trägern nicht üblich seien.

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