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Alternative für Deutschland : Partei für bessere Haltungsnoten

Den Wandel auf der Brust: Unterstützer der Alternative für Deutschland. Bild: Getty Images

Die Alternative für Deutschland (AfD) stellt in Frankfurt zwei Bewerber für die Landtags- und Bundestagswahl. Vieles dreht sich um Werte.

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          Rainer Rahn und Erich Heidkamp sind in derselben Partei, aber der Grund für den Beitritt ist unterschiedlich. Rahn, 61Jahre alter Stadtverordneter und langjähriger Kämpfer gegen den Flughafenausbau, sagt: „Meine Motivation war ganz klar die Euro-Krise.“ Heidkamp, 65Jahre alt, ehemaliger Manager der HoechstAG und Bundestagskandidat im Südosten der Stadt, sagt: „Ich bin nicht in die Partei eingetreten, weil ich den Euro abschaffen will.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Euro abschaffen - mit diesem Ziel bringen die meisten politisch Interessierten die neu gegründete Alternative für Deutschland (AfD) in Verbindung. Darüber hinaus scheint vieles im Programm noch diffus. Für Heidkamp ist das kein Wunder: „Wir sind ein Sammelbecken und müssen uns erst finden“, meint der eloquente, gut gekleidete Mann. Einerseits komme der Wahlkampf deshalb zu früh: „Für den Findungsprozess hätte uns etwas mehr Zeit gut getan.“ Nicht überall in Hessen gibt es zum Beispiel einfach zu ermittelnde Ansprechpartner für die Bürger, nur wenige AfD-Mitglieder haben Ahnung von Presse- und Parteiarbeit. Doch andererseits wirkt der Wahlkampf nach Heidkamps Meinung „wie ein Brandbeschleuniger nach innen wie nach außen“. Die Partei ist gezwungen, sich rasend schnell zu professionalisieren. „Und wir sind im Wahlkampf überall dabei.“

          Der Gesellschaft fehlten die Leitplanken

          Wer länger mit Heidkamp spricht, bekommt eine Ahnung davon, warum Leute wie er sich auf einmal politisch engagieren. Seit Jahren schon trafen seine Frau und er sich sonntags mit Freunden und stellten in langen Gesprächen immer wieder fest, dass ihnen in der Politik etwas fehlt, wie er erläutert. „Unser Grundgefühl war: So geht es nicht weiter. Es muss sich etwas ändern.“ Heidkamp nennt das „Haltung“, später spricht er von „Werten“ und „Leitplanken“, die der Gesellschaft seiner Ansicht nach fehlen. Letzter Anstoß für ihn sei der zunehmende Fluglärm nach der Öffnung der neuen Landebahn gewesen. Erst habe er sich in Bürgerinitiativen engagiert, aber bald festgestellt, „dass ich da keinen Weg finde, mein Anliegen in die Gesellschaft einzubringen“. Heidkamp sagt, er habe das als „Demokratiedefizit“ empfunden.

          „Dann kam die AfD mit demselben Ansatz - nur auf den Euro bezogen.“ Und zum ersten Mal wurde Heidkamp bewusst, dass es auch an anderen Sonntagnachmittagstischen Menschen geben musste, die der Meinung waren, dass dieser Gesellschaft die Leitplanken fehlen. Die es wie er unerträglich fanden, dass rechtsverbindliche Verträge in der Eurokrise einfach gebrochen wurden; die Regeln nicht für irgendetwas Abstraktes hielten; die sich darüber aufregten, wenn Oberstufenschüler ein halbes Jahr keinen Englischunterricht bekamen, weil die Lehrerin dauernd krank war; die fanden, dass man Einwanderer keinen Gefallen tut, wenn man sie nicht deutlich auffordert, sich an die hiesigen Regeln und Gesetze zu halten.

          „Deutschland ist eines der besten Länder der Welt“

          Heidkamp, der viele Jahre im Ausland, zum Beispiel in Pakistan und Brasilien gelebt hat, fasst all das unter einer Frage zusammen: „Was ist noch das Richtige?“ Darum gehe es ihm. Die Diskussion über diese Frage müsse in Deutschland endlich wieder geführt werden. „Früher hatten die Menschen zumindest noch den Eindruck, zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können“, sagt Heidkamp, und Parteifreund Rahn, der auf AfD-Listenplatz vier für den Landtag kandidiert, nickt. Nichts sei „alternativlos“, wie es Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einst behauptet habe.

          Dass die AfD meistens als negativ und pessimistisch wahrgenommen werde, sieht Heidkamp nicht. „Ich glaube, Deutschland ist eines der besten Länder der Welt.“ Weil es die Werte, die Leitplanken, die richtige Haltung lange Zeit gegeben habe, die heutzutage aber als konservativ bezeichnet und eher abgelehnt würden. „Unsere Haltung ist: Wir haben etwas Tolles zu verteidigen, lasst uns das nicht aufs Spiel setzen.“

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