https://www.faz.net/-gzg-8sncl

Kommentar zum Flughafen Kassel : Alternative Fakten aus Wiesbaden

Zuschussbetrieb: Kassel Airport Bild: Swen Pfödpa

Die Subventionierung von Kassel-Calden ist nicht selbstverständlich. Denn die wirtschaftliche Schlacht für Hessen wird im Rhein-Main-Gebiet und in Frankfurt geschlagen.

          1 Min.

          Das sind teure Sätze, sehr teure Sätze, die der hessische Steuerzahler da von seinem Finanzminister zu hören bekommt. Thomas Schäfer sagt, er stehe hinter dem Flughafen in Kassel. Und wenn der starke Mann im Kabinett, der eines Tages Ministerpräsident werden möchte, das im Januar sagt, dann wird er seine Meinung im September nicht geändert haben.

          Vielmehr steht das Ergebnis der für die zweite Jahreshälfte angekündigten Überprüfung jetzt schon fest: An Kassel-Calden wird festgehalten, koste es, was es wolle. Wie sollte es anders sein, wenn Schäfer schon zufrieden ist, sofern ein läppischer Flieger einer unbedeutenden Ferien-Fluglinie im Sommer vom Pleite-Airport startet?

          „So gut war es noch nie“

          Schäfer sagt: „Die Buchungslage ist ausgezeichnet.“ Tatsächlich? Ein wenig fühlt man sich bei diesem nordhessischem Populismus schon an die alternativen Fakten erinnert, mit denen Donald Trump regiert.

          Die finanzielle Lage im Lande ist so komfortabel, dass der Minister mit seiner Haltung durchkommen wird. Zumindest bis auf weiteres. Der von ihm erst noch zu beerbende Landesvater hat es beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Frankfurt mit Blick auf die wirtschaftliche Lage auf den Punkt gebracht: „So gut war es noch nie.“

          Sicher. Interessanter war da schon Volker Bouffiers Mahnung, die Zuversicht in unruhigen Zeiten zu bewahren. Kluge Manager werden lieber vorbauen. Und da gibt es einigen Anlass zur Sorge. Der Frankfurter Flughafen ist auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell, die Bankenwelt ist in der schwierigsten Transformationsphase seit dem Zweiten Weltkrieg, und die chemischen und pharmazeutischen Unternehmen werden mit ihren Investitionen zurückhaltender. Der Wohlstand von heute ist auf Dauer keineswegs selbstverständlich.

          Und somit auch nicht die Subventionierung von Kassel-Calden. Denn, bei allem Respekt vor den Leistungen der Nordhessen gerade in den vergangenen Jahren, die wirtschaftliche Schlacht wird im Rhein-Main-Gebiet und in Frankfurt geschlagen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien.

          Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

          Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.