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Partner fehlen : Schule für Altenpflege schließt

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Leerer Klassenraum: Zum Ende des Schuljahres 2016/2017 wird es an der Altenpflegeschule Bilhildis in Mainz keinen Unterricht mehr geben. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Bundesregierung plant eine „generalisierte Ausbildung“ für Pflegeberufe. Doch weil die Altenpflegeschule Bilhildis aus Mainz keinen Partner finden konnte, muss sie schließen.

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          In ihrer mehr als vierzigjährigen Geschichte hat die St.-Bilhildis-Fachschule in Mainz zwischen 800 und 1000 Altenpfleger ausgebildet, die große Mehrheit davon Frauen. Doch Mitte 2017 wird die Einrichtung zum letzten Mal Absolventen in den Beruf entlassen. Zum Ende des Schuljahrs 2016/2017 schließt die Schule in Trägerschaft der katholischen Franziska-Schervier-Altenhilfe in Aachen ihre Tore für immer, aber nicht aus freien Stücken.

          Als Opfer des Strukturwandels bezeichnete der Geschäftsführer der Trägergesellschaft, Klaus Herzberg, die Bilhildis-Fachschule in Mainz. Mit deren Schließung ziehen die Aachener die Konsequenz aus einer von der Bundesregierung geplanten Regelung, die bislang getrennten Ausbildungsgänge für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einer „generalisierten Ausbildung“ zu bündeln. Die Befürworter hoffen, mit Blick auf den Nachwuchsmangel die Ausbildung attraktiver zu machen. Es gibt aber auch Kritiker, zu denen die Gewerkschaft Verdi zählt. Sie befürchten, dass die Zusammenlegung zu Qualitätsmängeln führen könnte. Als Beginn für die gemeinsame Pflegeausbildung ist 2019 im Gespräch.

          Ausbildung an anderer Schule beenden

          Für die Bilhildis-Schule bedeutete die Vereinheitlichung der Ausbildungsgänge, dass sie einen Partner brauchte, der Kranken- und Kinderkrankenpflege abdeckt. „Ohne einen Partner haben wir keine Chance.“ Denn man wolle das machen, was man gut könne, nämlich Altenpflege. Laut Herzberg wollte man die Schulträgerschaft abgeben und die Altenpflege in eine neue gesamtpflegerische Schule einbringen. Doch die Suche nach einem Partner, für den nur eine katholische Krankenpflegeschule aus Mainz in Frage kam, sei gescheitert. Daher folge nun ein „geordnetes Ende“.

          Die rund 15 Altenpflegeschüler des dritten Ausbildungsjahrs können laut Herzberg ihre Ausbildung im Schuljahr 2016/2017 noch zu Ende führen. Die 30 bis 40 Schüler des ersten und zweiten Ausbildungsjahrs können nach der Schließung an die Mainzer Sophie-Scholl-Schule wechseln oder sich eine andere Ausbildungsstätte suchen. Nicht betroffen ist, wer sich im nächsten Schuljahr noch zum Altenpflegehelfer ausbilden lassen will, denn diese Ausbildung dauert nur ein Jahr.

          Uniklinik will Kooperationen ausweiten

          „Die Erfolgsgeschichte unfreiwillig beenden zu müssen schmerzt uns.“ Zumal es Nachfrage gebe. Die Zusammenlegung der Ausbildung in der Pflege kritisiert Herzberg nicht an sich. Sie biete Chancen. Ein Problem gebe es aber für „Kleinstrukturen“ wie die Bilhildisschule. Der spezifisch altenpflegerische Aspekt drohe verlorenzugehen, wenn zu viele Altenpflegeschulträger aufgäben.

          Von der Schließung betroffen ist laut Herzberg nur die Bilhildisschule, nicht aber das gleichnamige Alten- und Pflegeheim, unter dessen Dach die Lehreinrichtung untergebracht ist. Die Schule hat 14 Dozenten, darunter vier Festangestellte. Die übrigen Mitarbeiter sind auf Honorarbasis beschäftigt.

          Wie reagieren andere Ausbildungsstätten für Alten- beziehungsweise Krankenpflege auf die geplante Neuregelung? Die Mainzer Universitätsmedizin teilte mit, in der Krankenpflege künftig nach den gesetzlichen Vorgaben die generalisierte Ausbildung anzubieten. Die Altenpflege wolle man über die Geriatrie der Klinik mit 40 Planbetten abdecken; auch werde man Kooperationen ausweiten.

          Gefahr für die Altenpflege

          Noch sei auf Bundesebene nichts entschieden, doch stehe man in den Startlöchern, hieß es in der Abteilung Hauswirtschaft und Altenpflege der Mainzer Sophie-Scholl-Schule, die als berufsbildende Schule Altenpfleger ausbildet. Es werde eine Kooperation mit einer Krankenpflegeschule angestrebt, noch gebe es aber nichts Konkretes.

          In der Reform der Ausbildung sieht man in der zuständigen Abteilung der Scholl-Schule durchaus eine Gefahr für die Altenpflege. Die Generalisierung könnte dazu führen, dass die Fachlichkeit der einzelnen Felder etwas auf der Strecke bleibe, zumal „alles in drei Jahre hineingepackt wird“.

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