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Handwerk : Als Chemie-Ingenieur im Möbel-Geschäft

Durchblick: Erich Alemany, ehemaliger Manager aus der Autozuliefererbranche, hat Schlapp-Möbel in Neu-Anspach zu neuem Wachstum verholfen Bild: Michael Kretzer

Ein Manager aus der Autozuliefererbranche kauft einen Möbelhersteller. Binnen fünf Jahren will er den Umsatz verdoppeln. Kann das gutgehen? Im Falle Schlapp-Möbel aus dem Taunus hat es geklappt - aus mehreren Gründen.

          Im Grunde könnte er sich an seinem Schreibtisch entspannt zurücklehnen. Zumindest beim Blick auf die Erfolgszahlen. Mitte 2012 kündigte Erich Alemany als neuer Eigentümer von Schlapp-Möbel an, bis 2017 den Umsatz des Mittelständlers aus Neu-Anspach verdoppeln zu wollen. Dieses Ziel hat Alemany nicht nur längst erreicht, er hat es sogar schon hinter sich gelassen. Im Vergleich zu 2012 setzt der Hersteller von Massiv-Möbeln nun dreimal so viel um - er hat die Marke zehn Millionen Euro vor Augen. Zudem fußt das Geschäft jetzt auf einer viel breiteren Basis. „Das Unternehmen kann man nicht mehr mit dem von vor drei Jahren vergleichen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Zumal er einen insolventen thüringischen Betrieb gekauft und am Stammsitz im Usinger Land kräftig eingestellt hat. Aus 25 Mitarbeitern sind 40 geworden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Zwischenbilanz ist so erfreulich wie bemerkenswert. Ist Erich Alemany doch in doppelter Hinsicht als Branchenfremder in das Möbel-Geschäft eingestiegen. Von Beruf ist er Chemie-Ingenieur. Und vor dem Erwerb von Schlapp-Möbel arbeitete Alemany als Manager des Autozulieferers Mann & Hummel. Nicht zuletzt bekannte er schon vor drei Jahren, die Übernahme des traditionsreichen Mittelständlers sei ein bisschen dem Zufall geschuldet gewesen. Immerhin zählte der Schwabe Möbel zu seinen Hobbys. Doch Leidenschaft garantiert keinen Erfolg. Ein Businessplan wiederum ist nötig, um Banken vom Geschäftsmodell zu überzeugen und einen Kredit zu bekommen. „Aber das reicht nicht aus“, sagt Alemany. Weshalb es mit diesem Plan längst nicht getan ist, kann erahnen, wer sich mit ihm über den Umbau der Firma unterhält.

          Schnörkellos, zeitlos, hochwertig

          Zum Zeitpunkt der Übernahme hatte sich der Betrieb vor allem als Lieferant von Massivholzmöbeln für heimische Jugendherbergen einen Namen gemacht. Das Jugendherbergswerk bescheinigte dem Mittelständler, der Markt gebe keine gleichwertigen Produkte her. Außerdem belieferte die Firma große Bibliotheken in Frankreich etwa mit Regalen. Darauf konnte Alemany aufbauen. Ebenso auf dem Firmenmotto „Die klare Linie“.

          Der Leitspruch spiegelt den Charakter der Produkte des Hauses wider: schnörkellos, zeitlos, hochwertig. Dass er nun auf den Visitenkarten größer als der Firmenname gedruckt und folglich aufgewertet worden ist, mag für Außenstehende der plakativste Teil des Wandels seit 2012 sein. „Die klare Linie“ in den Vordergrund gezogen zu haben, spart Alemany auch bares Geld, wie er sagt. Das wiederum hat mit der Übernahme eines insolventen thüringischen Konkurrenten 2013 zu tun. Er will „nur auf eine Marke einzahlen“. Die zugekaufte ostdeutsche Firma auch unter dem eigenen Motto laufen zu lassen, senkt Marketingkosten.

          Chefsessel: Erich Alemany mit einigen der Produkte seiner Firma Schlapp-Möbel

          Als er die Vermögenswerte des pleitegegangenen Konkurrenten erwarb, war der Umbau von Schlapp-Möbel längst im Gange. Ein Blick auf eine Tafel mit allerlei Papieren legt nahe, dass Alemany die Firma von Grund auf modernisiert hat. So hat er die Liefer- und Wertschöpfungskette dahin gehend überprüft, was sein Betrieb lieber selbst fertigt und was nicht. Er hat systematische Vorgaben zu Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz eingeführt. Er verfolgt, wie er weiter berichtet, einen Ansatz, der Fehler verzeiht. „Wichtig ist, dass Fehler erkannt und abgestellt werden.“ Schließlich fuße der Erfolg auf dem Engagement der Belegschaft. Alemany nickt auf die Frage hin, ob er bei der Art, wie er die Firma umbaut, von den Erfahrungen an seinen ehemaligen Arbeitsplätzen profitiert.

          Frankreichs Hotelmarkt im Blick

          Und natürlich hat er auch Geld investiert. Der Maschinenpark am Stammsitz ist demnach für eine Millionensumme auf den Stand der Technik gebracht worden. Eine ähnliche Summe musste er für den Kauf der Fabrik in Thüringen und nachlaufend für neue Maschinen und Prozesse dort lockermachen. Dieser Zukauf hat für ihn den Vorteil, nun auch Möbel aus Holzverbund-Werkstoffen anbieten, neue Märkte erschließen zu können und zusätzlichen Umsatz zu erzielen.

          Mittlerweile beliefert „Die klare Linie“ auch Haftanstalten mit Tischen, Betten, Regalen und Schränken. Der Betrieb hat Komplett-Einrichtungen für Studentenwohnheime im Programm und ist damit schon auf dem Frankfurter Riedberg zum Zuge gekommen. Bibliotheken bietet er nun auch ein vollständiges Programm an - und hat schon die Sorbonne in Paris mit entsprechenden Möbeln beliefert. Nun will Alemany den Hotelmarkt in Frankreich „massiv angehen“. Die Broschüren seien gedruckt. Da fügt es sich, dass sich mit dem Firmenmotto frankophil spielen lässt: Jenseits des Rheins tritt Schlapp-Möbel unter „La ligne claire“ auf. Alemany lehnt sich mithin nicht entspannt zurück, auch wenn er sich drei Jahre nach der Übernahme sehr zufrieden zeigt.

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