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Alnatura-Gründer Götz Rehn : „Es gibt einen Bio-Markt. Und es gibt uns“

Lebt nach den Grundsätzen der Anthroposophie: Götz Rehn in der Alnatura-Zentrale in Bickenbach Bild: Rainer Wohlfahrt

Schmeckt eine Bio-Kartoffel nur im Kopf besser als eine andere? Alnatura-Gründer Götz Rehn über den Geschmack von Kartoffel und Kohl, frühe Berufswünsche und die Angebote der Discounter.

          7 Min.

          Herr Rehn, wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen, das kein Bio-Produkt war?

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heute Mittag war ich vegetarisch essen, da habe ich nicht gefragt, ob alles Bio war. Aber gerade habe ich noch einen Lebkuchen gegessen, von der Bio-Bäckerei Back Bord, ein Produkt, das wir bei Alnatura verkaufen: mit Mandelsplittern, dick mit Schokolade überzogen, köstlichst. Und hundert Prozent Bio.

          Im Großen und Ganzen sind Sie aber undogmatisch in Ihrem Konsumverhalten oder besser: Essverhalten?

          Ich denke, wir Menschen sollten undogmatisch sein, in jeglicher Hinsicht. Aber natürlich mag ich Bio-Produkte und esse sie besonders gerne.

          Harald Wohlfahrt, der Drei-Sterne-Koch aus der Traube Tonbach im Schwarzwald, hat einmal gesagt, eine Bio-Kartoffel schmecke im Kopf besser als eine andere.

          Etwas provokant, diese Äußerung, finde ich. Es kommt darauf an: Ich habe in Ägypten Demeter-Kartoffeln gegessen, die exzellent waren. Ich habe auch schöne Sandkartoffeln auf der Insel Föhr gegessen, Bioland-Produkte. Grundsätzlich ist bei Kartoffeln ja erst einmal die Sorte wichtig . . .

          . . . da wird kein Koch Ihnen widersprechen . . .

          . . . und es ist darüber hinaus bei Kartoffeln ziemlich schwer, einen Unterschied zwischen konventioneller und Bioware zu schmecken. Es gibt andere Produkte wie zum Beispiel Blumenkohl oder Karotten: Ich finde, da kann man den Unterschied im Geschmack feststellen.

          Hätten Sie vor 30 Jahren gedacht, dass der Bio-Markt einmal so groß werden würde, wie er heute ist?

          Ich hatte gehofft, dass er noch viel größer würde. Kunden in Deutschland kaufen im Jahr Lebensmittel im Wert von 180 Milliarden Euro. Wenn man sieht, dass Bio-Produkte einen Anteil von nur ungefähr 7,6 Milliarden ausmachen, dann wissen Sie, was wir noch vor uns haben. Und gerade vor dem Hintergrund der Klimasituation weltweit und dem, was der biologische Landbau auf diesem Gebiet leisten kann, durch seine im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft emissionsärmere Arbeitsweise: Da ist das Ergebnis doch traurig.

          Nur rund acht Prozent der Landwirte in Deutschland arbeiten nach Bio-Richtlinien. Warum sind es nicht mehr, was glauben Sie?

          Der wesentliche Grund ist, dass Unklarheit herrscht über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Es gibt ja nicht eine in allen Bundesländern einheitliche Förderung des biologischen Landbaus. Gerade war zu lesen, dass selbst der Bauernverband seinen Mitgliedern empfohlen hat, auf Bio-Landbau umzustellen. Weil Biolandwirte ein etwas höheres Einkommen haben im Vergleich zu denen, die agrar-industriell wirtschaften und in den letzten zwei Jahren Verluste von bis zu 30 Prozent hinnehmen mussten. Aber es ist natürlich nicht damit getan zu schauen, was ein Bio-Bauer erwirtschaftet. Wichtig ist, die Umstellungsphase von konventionellem auf biologischen Landbau zu organisieren: Wie schaffen wir es, dass den Bauern, die zwei oder drei Jahre in der Umstellung sind und ihre Produkte noch nicht als Bio verkaufen dürfen, die Mehraufwendungen, die sie in dieser Zeit haben, finanziert werden? Dafür brauchen wir ein Konzept, das national funktioniert. Und das würde die Zahl der Bio-Betriebe mit Sicherheit steigern.

          Sie sind der Sohn einer Arztfamilie. Ursprünglich wollten Sie Medizin studieren, haben sich dann aber für Volkswirtschaft entschieden. Warum?

          Ich bin in Freiburg geboren, 1950. Die Stadt ist heute noch schön, in meiner Kindheit war sie ein echtes Paradies. Sie war sehr gemütlich, alles war heil, ich hatte einen Garten von meiner Großmutter, in dem konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Ich habe Forellen gefangen, Hütten gebaut. Ich war ein schlechter Schüler, die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium habe ich nicht geschafft, deshalb kam ich auf die Waldorfschule. Da ging es dann genauso weiter, nachmittags habe ich mich meinen Hobbys gewidmet, es war wunderbar.

          Und konnte nicht ewig so weitergehen, richtig?

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