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F.A.Z.-Leser helfen : Ein paar Atemzüge Leben

Ausnahmesituation für alle Beteiligten

Nur wenige Paare entschlössen sich nach einer schweren Diagnose, die Schwangerschaft fortzuführen, sagt die Medizinerin. Aber genau diese Eltern gelte es zu unterstützen und durch die folgenden Monate zu begleiten. Im Klinikalltag fehlten dafür aber manchmal die nötigen Strukturen. Bedei meint: „Das, was diese Eltern leisten, ist bewundernswert.“

Das Kinder-Palliativ-Team Südhessen knüpft genau da an. Es fängt diese Eltern auf, klärt mit ihnen, wie sie sich das kurze Leben, aber auch das Sterben ihres Kindes vorstellen. Dabei kämen nur wenige Eltern tatsächlich in die Situation, ihr Baby nicht nur ins Leben, sondern auch in den Tod zu begleiten, sagt Palliativmedizinerin Becker. Oft seien die Ungeborenen so schwer krank, dass sie noch im Mutterleib stürben.

Belastung für Ärzte und Pfleger

Wenn allerdings die Geburt eines Babys bevorsteht, dessen Lebenserwartung nur ein paar Atemzüge umfasst, ist das auch für die beteiligten Ärzte, Hebammen und Pfleger eine Ausnahmesituation, wie Bedei berichtet. Auch deshalb sei die Zusammenarbeit mit dem Palliativ-Team so wichtig. Bedei spricht respektvoll von „Kollegen“ – und die seien in der Klinik gerne gesehen. Man kenne sich meist schon aus vielen Vorgesprächen. Die offenen Worte, der sichere Umgang mit dem Thema Tod, all das sei auch eine Entlastung für das Klinikpersonal.

Ein anderer Ort, eine andere Ärztin. Auch sie kommt direkt aus dem Dienst, sieht aber erschöpft aus an diesem Tag, der eigentlich schon viel zu lange dauert. „Es waren emotionale Gespräche heute“, sagt sie zur Entschuldigung. Silke Ehlers ist Kinderärztin im Bürgerhospital. Wird bei einer Untersuchung festgestellt, dass ein Ungeborenes sich nicht gesund entwickelt, wird sie hinzugezogen. Die Fragen der Eltern prasseln dann auf sie herein. Ist das Kind lebensfähig? Mit welchen Einschränkungen ist zu rechnen? Die 52 Jahre alte Kinderärztin versucht die Eltern aufzuklären, ihnen alle Optionen offenzulassen. Auch die, das Kind auszutragen.

Das Leben soll nicht unnötig verlängert werden

Die Zusammenarbeit mit dem Kinder-Palliativ-Team Südhessen und dem Bürgerhospital steht noch ganz am Anfang. Ehlers, Oberärztin der Neonatologie, setzt sich dafür ein, dass der Austausch intensiver wird. „Es ist ein zusätzlicher Baustein, den wir im Klinikalltag nicht anbieten können“, sagt sie. Erst durch diese neue Form der Zusammenarbeit könne den Eltern ermöglicht werden, ihr Neugeborenes mit nach Hause zu nehmen. Noch vor wenigen Monaten mussten Babys mit einer kurzen Lebenserwartung bis zu ihrem Tod in der Klinik bleiben. Dort, wo nur wenige Zimmer weiter stolze Eltern ihren gesunden Nachwuchs umhertragen, dort, wo das Leben eigentlich beginnen, nicht aber gleich wieder enden sollte.

Das Wissen, dass Mitarbeiter des Kinder-Palliativ-Teams die Eltern betreuen, hilft auch den Ärzten, ein Stück Verantwortung abzugeben. Denn Palliativmedizinerin Becker und ihre Kollegen bleiben an der Seite der Eltern, wenn die Arbeit der Klinikärzte endet. Sie begleiten die Familien ins eigene Zuhause, unterstützen sie medizinisch, aber auch emotional. Für Ehlers eine beruhigende Vorstellung: Sie habe nicht den Auftrag, zu heilen, sondern zu lindern. „Ich denke, dass viele Eltern es besser verarbeiten, wenn sie ihr Kind auf natürlichem Weg gehen lassen können. Es muss sichergestellt sein, dass das Leben nicht unnötig verlängert wird.“

Hier können Sie spenden

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für das Kinder-Palliativ-Team Südhessen, um Eltern zu unterstützen, die ein Kind mit lebensverkürzender Behinderung erwarten, und ein Projekt der Christoffel-Blindenmission in Paraguay, mit dem verhindert werden soll, dass Frühgeborene erblinden.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.– Leser helfen“ bitte auf die Konten:

- Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00)

IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11 - Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01)

IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden.

Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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