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26.000 aktive Corona-Fälle : Alle Kreise und Großstädte wieder auf der höchsten Warnstufe

Dringlich: ein Rat, der nicht nur in Offenbach gilt, wo diese Aufnahme entstand. Die Stadt ist nach einem Anstieg der Inzidenz wieder unter die Top15 der Städte und Kreise in Deutschland mit einer hohen Corona-Kennziffer gerutscht Bild: dpa

Das Corona-Infektionsgeschehen in Hessen bleibt rege. Auch gibt es wieder zweistellige Todesfälle. Im Wochenvergleich zeigt sich aber ein Abschwung bei neuen Fällen und der Zahl der Covid-19-Opfer. Dennoch ist die Hessen-Karte rot.

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          Lediglich dreistellige Neuinfektionen am Tag bleiben in Hessen nach wie vor die absolute Ausnahme. Auch wenn bei den neuen Corona-Fällen das von Ärzten und Medizinern ersehnte Plateau angesichts der Daten der vergangenen Tage erreicht ist, ist das Infektionsgeschehen in Deutschland und auch in Hessen weiter rege. Allerdings fällt der Wochenvergleich günstig aus: Nach 2067 neuen Fällen vor einer Woche meldet das Robert-Koch-Institut zum Donnerstag 1520 bestätigte positive Tests. Das ist ein Rückgang um gut ein Viertel. Ähnlich stellt sich die Lage bei den Todesfällen im Zusammenhang mit der Pandemie dar. 34 hat das für die Seuchenbekämpfung federführende Bundesinstitut zusätzlich verzeichnet, am vergangenen Donnerstag hatte es noch 52 gemeldet. Das ist ein Minus von einem Drittel. Doch befinden sich nach einem Anstieg neuer Fälle in ländlichen Landkreisen in Nordhessen nun alle hessischen Kreise und Großstädte wieder auf der höchsten, rot gekennzeichneten Warnstufe. Das bedeutet einen Rückschritt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit Beginn der Pandemie haben die Gesundheitsämter in Hessen alles in allem 90.066 positive Tests gemeldet. 1372 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung gibt es bisher offiziell. Wie hoch die Dynamik der Pandemie im Spätherbst ist, zeigt folgender Vergleich: Bis 1. Oktober waren gut 19.000 Fälle und 551 Todesopfer bekannt. Zuletzt hatten sich wieder vermehrt Ältere angesteckt. „Da ältere Personen häufiger von schweren Erkrankungsverläufen von Covid-19 betroffen sind, steigt die Anzahl an schweren Fällen und Todesfällen weiter an“, lässt das kurz RKI genannte Bundesinstitut zur grundsätzlichen Tendenz in Deutschland wissen. Rund 63.400 Menschen in dem zentral gelegenen Bundesland haben nach Schätzung des RKI ihre Infektion überstanden und gelten als genesen. Aus diesen Daten folgt: Derzeit sind knapp 26.200 Fälle noch aktiv, Corona-Infektionen also nicht ausgestanden.

          Offenbach wieder unter den Top 15

          Nach Angaben des RKI ist die Stadt Offenbach wieder unter die 15 Städte mit der höchsten Inzidenz in Deutschland gerutscht. Diese Kennziffer spiegelt die binnen Wochenfrist gemeldeten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern. Die Stadt kommt auf einen Wert von 317 nach 291 am Vortag. Für das benachbarte Frankfurt steht eine Kennziffer von 141 zu Buche nach 169. Wiesbaden kommt auf 195 nach 182 und Mainz auf 155. Für Darmstadt meldet das RKI eine Inzidenz von 108.

          Der Landkreis Offenbach ist wieder knapp über die Marke von 200 gerutscht. Am Vortag hatte der Kennwert wie im Kreis Groß-Gerau bei 197 gelegen. Der südlich gelegene Kreis mit Rüsselsheim hat sich dagegen auf 177 verbessert. Kein einziger Landkreis liegt derzeit unter der Marke von 100. Das heißt: Außer den Großstädten befinden sich auch die ländlichen Landkreise in Nordhessen auf der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Das war in den vergangenen Tagen nicht so. Insofern hat sich Lage im Land wieder leicht verschärft.

          Auch in den zurückliegenden Tagen haben hessische Krankenhäuser mehr Covid-Kranke aufgenommen, als sie nach Hause schicken konnten. Derzeit betreuen sie acht Mal so viele beatmungspflichtige Corona-Patienten wie vor etwa zwei Monaten. Dies folgt aus Zahlen, die das Sozialministerium am Mittwoch auf Anfrage der F.A.Z. zur Verfügung gestellt hat; sie werden wöchentlich aktualisiert Demnach liegen 1833 Covid-Patienten auf Normal- und Intensivstationen, das sind 111 mehr als vor einer Woche. 400 von ihnen müssen nach Angaben des Ministeriums intensivmedizinisch betreut und beatmet werden, ein Zuwachs um 29. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin werden in Hessen aktuell 343 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt. 218 Patienten mussten beatmet werden, wie es heißt. Der Unterschied bei den Zahlen folgt aus dem Umstand, dass nicht jeder Patient, der zusätzlich Sauerstoff bekommt, invasiv beatmet wird.

          Obwohl mehr Patienten zusätzlich Sauerstoff brauchen, stagniert die Zahl der freien sogenannten Beatmungsbetten. Das Land spricht von 278 nach 281 vor einer Woche. Dies spricht dafür, dass die Kliniken nach wie vor Betten entsprechend umrüsten und ausstatten, um mehr Kranke beatmen zu können. Auf einem anderen Blatt steht, ob sie zu diesem Zweck auch stets geschultes Personal haben.

          Seit diesem Dienstag gelten in Hessen einige neue Corona-Verhaltensregeln des Landes. Sie betreffen das Privatleben ebenso wie den Handel und Dienstleister. Das Land reagiert mit diesen Vorgaben auf das anhaltend rege Infektionsgeschehen und die weiter rote Corona-Landkarte: Die Großstädte und die Mehrzahl der 21 Landkreise liegen auf der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik).

          Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

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