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Alexander Meier : Fußballgott mit Realitätssinn

  • -Aktualisiert am

„Alex macht die Kirsche rein“: Gegen Dortmund zum achten Mal in der Saison. Bild: Imago

Die Eintracht Frankfurt-Fans verehren Alexander Meier, doch Nationalspieler wird er trotz aller Tore wohl nicht mehr. Und das weiß dieser auch.

          2 Min.

          Alex Meier selbst ging mit dem Thema immer sehr zurückhaltend um. Eigentlich geht er mit allen Themen, die sich um sein Leben als Fußballprofi der Frankfurter Eintracht drehen, zurückhaltend um. Und allein das ist schon ein Grund dafür, dass Meier, der in Frankfurt zum „Fußballgott“ aufstieg, nie ein ernsthafter Kandidat für eine Nationalspielerkarriere war. Ein bisschen mehr Glamour, ein bisschen mehr Ausstrahlung, ein bisschen mehr Werbung in eigener Sache hätte es schon sein dürfen, um sich ins Gespräch zu bringen. Ein paar Mal brachten andere seinen Namen in den Zusammenhang mit dem DFB-Trikot. Abweisender hätte seine Antwort kaum ausfallen können: „Dafür bin ich zu alt.“ Das war 2012, da war er erst 29.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Was Alexander Meier vor allem auszeichnet ist sein Realitätssinn. Er weiß genau, dass er einen guten rechten Fuß hat, vor allem mit der Innenseite in der Lage ist, den Ball zentimetergenau zu platzieren. Er weiß, dass er ein recht gutes Kopfballspiel besitzt, dass er das Spiel verstanden hat, jederzeit den Überblick behält und sich auf seinen Torriecher verlassen kann. Eintracht-Trainer Thomas Schaaf, noch so ein Lakoniker, drückte es mal so aus: „Alex macht die Kirsche rein.“ Aber Meier weiß auch, dass er nicht über das komplette Repertoire verfügt, das ein Nationalspieler benötigt.

          Mangelnde Dynamik und Spritzigkeit

          Auch Schaaf war in den ersten Tagen seines Frankfurter Engagements von dem Fußball-Gesamtkunstwerk Meier nicht vollends überzeugt. Denn dazu gehört auch ein Mangel an Dynamik und Spritzigkeit, dazu gehört die Tendenz, manchmal sehr diskret über das Spielfeld zu wandeln, und ein linker Fuß, dessen Fertigkeiten doch recht begrenzt sind. In den ersten drei Bundesliga-Begegnungen dieser Saison stand Meier jedenfalls nicht in der Startelf. Was eingefleischte Meier-Fans dem Trainer heute noch als Gotteslästerung, zumindest aber als Zeichen von Ahnungslosigkeit auslegen. Dabei hatte Schaaf nur auf die mangelnde körperliche Verfassung Meiers reagiert. Der Profi muss 100 Prozent fit sein, um seine Stärken ausspielen zu können. Am vierten Spieltag, gegen Schalke, war es dann so weit. Meier durfte ran und Meier lieferte mit dem Tor zum 1:0. Seitdem folgten sieben weitere Treffer, was ihn an die Spitze der Bundesliga-Torjägerliste brachte.

          An der Spitze der Eintracht-Torjägerliste steht Alex Meier seit Jahren, aber nicht so lange wie die meisten Fans glauben. Seinen Ruf, der Lebensversicherer der Eintracht zu sein, erwarb er sich erst spät. In der Saison 2009/10 drang er erstmals in den zweistelligen Torbereich vor. Bei 34 Einsätzen traf Meier zehnmal. Nach einer matten Spielzeit 2010/11 mit zwei Treffern in 24 Bundesligabegegnungen, legte er richtig los. Mit 17 Toren in der zweiten Liga schoss er die Eintracht in die Erstklassigkeit zurück, danach mit 16 Toren in die Europa League. Auch international setzte sich der Stürmer im Jahr darauf durch: mit sieben Toren in sechs Europapokalpartien. Dass es in der Bundesliga nur zu acht Treffern reichte, war einer Verletzungspause geschuldet. Meier konnte nur an 22 Bundesligaspielen mitwirken.

          Meiers Aufstieg zum von den Fans gehuldigten „Fußballgott“ erfolgte spät. Erst mit der Erfahrung wurde der Instinktfußballer besser, aber vor allem durch seine körperliche Entwicklung. Bis in die Mitte seiner zwanziger Jahre wirkte der 1,96 Meter große Profi sehr schlaksig. Dann erwarb er sich im Kraftraum die Muskeln, die ihm zur Durchsetzungsfähigkeit in und um den Strafraum verhalfen. Wenn Meier heute Fußball spielt, dann wirkt er alleine durch seinen Körper wie eine Bedrohung für die gegnerische Mannschaft.

          Das soll noch lange so bleiben. Im Januar wird er 32. „Ich denke, ich beende in Frankfurt meine Karriere“, sagte er kürzlich. Noch drei Jahre läuft sein Vertrag. Seit 2004 ist der in Buchholz bei Hamburg geborene Profi bei der Eintracht. Der Reiz des Wechsels war bei ihm nie sehr groß: „Ich habe der Eintracht viel zu verdanken, woher soll ich denn wissen, dass es anderswo noch besser wird?“

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