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Früherer Eintracht-Star Meier : Der Kreis schließt sich

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung nach St. Pauli: der ehemalige Eintracht-Stürmer Alex Meier Bild: dpa

Alex Meier traut sich auf seine alten Tage noch was zu: Er ist auf dem Sprung zurück nach St. Pauli. Dort begann einst die Profikarriere des ehemaligen Eintracht-Stürmers.

          Alexander Meier hätte sich jetzt auch ein „Abenteuer irgendwo weit weg“ vorstellen können. Ein Engagement in der Major League Soccer in den Vereinigten Staaten oder womöglich noch etwas Exotischeres auf der großen Fußball-Landkarte zum Abschied aus dem Profigeschäft. Doch daraus wird aller Voraussicht nach nichts, denn sein neues Betätigungsfeld liegt praktisch vor der Haustür. Der 35 Jahre alte Stürmer und bodenständige Fußballprofi, der im Sommer 2018 bei seinem langjährigen Klub Eintracht Frankfurt keinen Vertrag mehr erhalten hatte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit den FC St. Pauli an den verbleibenden 16 Rückrundenspieltagen der zweiten Liga verstärken. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Lücke, die leider durch die Verletzung von Henk Veerman entstanden ist, zu füllen. Wir hoffen, dieses gegebenenfalls schon bis zum Trainingsstart am 6. Januar realisieren zu können“, sagte Uwe Stöver am Dienstag dieser Zeitung. Zu etwaigen Spielernamen wollte der Hamburger Sportdirektor keine Stellungnahme abgeben. Nach Informationen dieser Zeitung ist aber davon auszugehen, dass Meier den Niederländer Veerman ersetzen wird.

          In der zweiten Liga wären für Meier als Arbeitgeber nur der HSV oder dessen Stadtrivale in Frage gekommen. Der Bundesliga-Torschützenkönig (19 Treffer) der Saison 2014/2015 ist in Buchholz in der Nordheide knapp 40 Kilometer von Hamburg entfernt geboren. In den vergangenen Wochen war der 1,96 Meter große Schlaks bereits zu Besuch bei seinen Eltern.

          Nun schließt sich offenbar der Kreis für Meier mit seiner Rückkehr ans Millerntor: Dort hatte er erst in der A-Jugend gespielt, bevor der Angreifer im April 2002 sein Profidebüt im Trikot von St. Pauli gab – beim 0:4 gegen den HSV in der Bundesliga. Mehr als 16 Jahre später reagiert der Kiezklub auf die schwere Verletzung von Veerman (sechs Tore und fünf Vorlagen in 16 Spielen). Der Offensivspieler erlitt im Duell mit Magdeburg einen Kreuzbandriss und fällt für den Rest der Runde aus. In einer Spielzeit, in der St. Pauli als aktueller Tabellendritter noch ambitionierte Ziele verfolgt. Stünde zum Schluss der Aufstieg in die Bundesliga, hätte das auch für Meier eine besondere Bedeutung. Zu seiner Zeit waren die Hamburger als Tabellenletzter aus der ersten Liga abgestiegen.

          Ohne Spielpraxis, aber „voll im Saft“

          In den zurückliegenden Monaten brauchte Meier Geduld. Die Angebote, die ihm gemacht wurden, entsprachen nicht seinen Anforderungen an eine neue Herausforderung. Auch aus der dritten Liga und der Regionalliga erreichten ihn Anfragen. Aber selbst beste Kontakte halfen bei Meier nichts. Das Eintracht-Urgestein Karl-Heinz Körbel, der Vizepräsident beim viertklassigen Verein SC Hessen Dreieich ist, konnte dem einstigen Bundesliga-Torjäger einen Wechsel zum Aufsteiger und jetzigen Abstiegskandidaten nicht schmackhaft machen. Meier, der in diesem Monat 36 Jahre alt wird, traut sich auf seine alten Fußballertage noch was zu, auch die erste Liga hätte ihn bei einer entsprechenden Offerte nicht abgeschreckt. Wenn ihm momentan etwas fehlt, ist es die Spielpraxis. Ansonsten sieht er sich „voll im Saft stehen“. Meier, der in der Vorsaison lange verletzt war und nur am vorletzten Bundesliga-Spieltag beim 3:0 gegen den HSV zum Einsatz kam und gleich wieder traf, fühlt sich fit und schmerzfrei.

          Auch ohne Festanstellung hat er immer so gearbeitet, als würde es morgen weitergehen. Bis November trainierte er in Österreich bei Admira Wacker Mödling vor den Toren Wiens mit. Der Tabellenletzte der dortigen ersten Liga hätte Meier gerne in seine Reihen aufgenommen, doch selbst der neue Cheftrainer Reiner Geyer, der einst Assistenztrainer unter Armin Veh in Frankfurt war, schaffte es nicht, den Stürmer zu einem Comeback im Profifußball zu überreden. Zurück in seiner norddeutschen Heimat, beteiligte sich Meier am Übungsbetrieb der Oberligavereine FC Süderelbe und Buchholz. An seinen Läufen und Sonderschichten hielt er in der zweiten Jahreshälfte immer fest. Sein konditioneller Fixpunkt waren die Trainingspläne des ehemaligen Eintracht-Fitnesstrainers Klaus Luisser.

          Nach 14 Jahren in Frankfurt, in denen Meier mit seiner Vereinstreue und seinem herausragenden Trefferaufkommen (137 Tore in 379 Pflichtspielen) Kultstatus bei den Anhängern erlangt hatte, war aus Sicht der Klubverantwortlichen dessen Zeit bei der Eintracht sportlich abgelaufen. Daran änderten auch eine Fandemonstration und eine Online-Petition für dessen Verbleib nichts. Sportvorstand Fredi Bobic betonte damals vielmehr, den „Realismus“ zu wahren und nicht „die Phantasie oder Herzgeschichten“ in den Vordergrund zu stellen. Eine Rückkehr von Meier zur Eintracht ist jedoch nicht ausgeschlossen. Nach seinem Karriereende besitzt der Stürmer einen Anschlussvertrag in Frankfurt. Eine neue Beschäftigung müsste für ihn dann noch gefunden werden. Seine neue sportliche Aufgabe heißt jetzt FC St. Pauli. Sein erstes Pflichtspiel mit den Hamburgern wird dann am 29. Januar in Darmstadt sein.

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