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Albrecht-Wild-Ausstellung : Auf ein Bier mit Frank Stella

Inspiriert vom Bierdeckel: Albrecht Wild Bild: Kultur Albrecht Wild Kunstverein Familie Montez

Im Kunstverein Familie Montez zeigt Valeria Heisenberg pittoreske Spiegelungen und Albrecht Wild. Was der Künstler vor 20 Jahren auf Bierdeckeln begann.

          Die Wege zur Kunst sind unergründlich. Vielfältig vor allem auch, gelenkt vom Zufall manches Mal, von Traumata und Obsessionen und, so ist man nun im Frankfurter Kunstverein Familie Montez beinahe geneigt zu glauben, auch von ein, zwei Bier zu rechten Zeit. Nicht dass es hier vornehmlich ums Saufen ginge. Doch ohne das eine oder andere kühle Blonde sähen die Bilder Albrecht Wilds womöglich anders aus. So wie manche Arbeiten Frank Stellas oder Leon Polk Smiths vielleicht, von deren Idee der „Shaped Canvases“ seine Leinwände augenscheinlich beeinflusst sind.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hat doch Wild seine ersten Schritte weg vom klassischen Bildgeviert, anders als die beiden großen Amerikaner, auf einem Bierdeckel begonnen. Und zwar buchstäblich. Dem jungen Städelabsolventen dienten Anfang der neunziger Jahre vor allem Bierfilze als Modell für seine zunächst nichts als abstrakte Form vorstellenden, ähnlich einem Kleeblatt aufgebauten Bilder. Seither nehmen im Kern konkret zu nennende, Prinzipien wie Teilung, Spiegelung und Verschiebung variierende Gemälde und aus Bierdeckeln aus aller Welt gefertigte Collagen etwa gleich großen Raum ein im Schaffen des Frankfurter Künstlers, wobei eine Werkgruppe formal stets auf die andere verweist. Mit durchaus verblüffendem Ergebnis.

          Mineralwasser, Sake oder Gerstensaft

          Denn während die im Grunde gegenständlichen Motive der Werbung für Mineralwasser, Sake oder Gerstensaft sich in den Collagen in ornamentale Strukturen aufzulösen scheinen, ist der Effekt in der Malerei ein gänzlich anderer. Was den großformatigen Bildern nicht in jedem Fall wirklich bekommt. Denn es mag ja sein, dass vorgefundene Motive etwa aus der Reklame für Wild nur in formaler Hinsicht von Belang sind, wie der Künstler sagt. Anders als in den Bierfilzen aber, anders auch als in den abstrakten, nichts als Form und Farbe und Komposition vorstellenden Bildern etwa der „Pan Am“Folge aber auch, dominieren die poppigen Inhalte in den aktuellen Arbeiten die von der Dialektik aus Konstruktion und Dekonstruktion bestimmte Form.

          Derlei Schwierigkeiten, so zeigt die „Green Horse“ überschriebene Ausstellung Valeria Heisenbergs, die parallel dazu zu sehen ist, stellen sich in einer wesentlich gegenständlichen, in einer erzählerischen Tradition stehenden Malerei naturgemäß ein wenig anders dar. Und doch kommt es auch der 1969 geborenen Künstlerin, die bei Raimer Jochims und Thomas Bayrle an der Städelschule studiert hat, entscheidend auf das Bild um Bild neu austarierte Verhältnis von Form und Inhalt an. Spiegelungen sind seit Jahren schon Heisenbergs bevorzugtes Thema, gebrochene Blicke durchs Fenster, aus dem Zug vielleicht oder in einer Bar. So weit, so pittoresk, vor allem aber wortwörtlich ziemlich malerisch.

          Acryl und Öl

          Freilich, indem sie ihre auf Aluminium angelegten Bilder geduldig Schicht um Schicht aufbaut aus Acryl und Öl und mal farblosem, mal metallisch glänzendem Autolack, gelingt es Heisenberg, hier das Bildgeschehen mit formalen Mitteln und dort umgekehrt das künstlerische Vorgehen ganz selbstverständlich in dem Alltag abgeschauten Szenen zu reflektieren. Tag und Nacht und Hell und Dunkel, Natur und Technik, Stadtlandschaft und Lack und Farbe finden sich mit nichts als malerischen Mitteln in einem Augenblick gespiegelt. Mal glasklar und mal gebrochen und dann wieder beinahe abstrakt. Nur das grüne Pferd des Titels ist auch nach dem dritten Bier nicht zu entdecken.

          Die Ausstellung im Kunstverein Familie Montez unter der Frankfurter Honsellbrücke ist bis 2. Dezember mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende von 13 bis 19 Uhr geöffnet.

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