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Alan Turing : Die Einsamkeit des Langstreckenläufers

Kein Dank des Vaterlands: Turing wurde wegen seiner Homsexualität vor Gericht gestellt. Bild: Archiv

Das Land, das er schützte, verurteilte ihn wegen seiner Homosexualität: Jetzt zeigt das English Theatre Frankfurt zeigt ein Stück über den britischen Mathematiker Alan Turing.

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          Was die Polizisten, die ihn verhörten, sich wohl denken würden, wenn sie wüssten, das im Parlament des Vereinigten Königreichs ein Gesetzentwurf eingebracht worden ist, um ihn zu rehabilitieren? Was die Staatsanwaltschaft, die ihn seiner Verurteilung zuführte, wohl davon hielte, dass der Entwurf von Abgeordneten der Konservativen, der Liberaldemokraten und der Labour Party unterstützt wird? Was sein Richter sich dabei dächte, dass Mitglieder des Oberhauses und des Unterhauses hinter dem Gesetz stehen?

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit das, was britische Wissenschaftler und Tausende Helfer während des Zweiten Weltkriegs im Herrenhaus Bletchley Park taten, nicht mehr der Geheimhaltung unterliegt, ist Alan Turing in Großbritannien immer bekannter geworden. Inzwischen gehört der 1954 gestorbene Mathematiker und Computerwissenschaftler, der die Dechiffrierung verschlüsselter deutscher Funksprüche entscheidend voranbrachte, zum Kanon des Erinnerns an einen Konflikt, der dem krisengeplagten Land seit geraumer Zeit als seine größte Stunde vor Augen steht. Nach dem Ende des Kriegs jedoch nahm Turings Heimat sich die Zeit, den Mann, der für den alliierten Triumph über die Enigma-Chiffriermaschinen der Wehrmacht verantwortlich war, wegen seiner Homosexualität chemisch kastrieren zu lassen. Das Wissen um diese grausame Pointe des britischen Abwehrkampfes gegen die deutsche Diktatur gehört seit der Veröffentlichung von Andrew Hodges Biographie „Alan Turing - The Enigma“ im Jahr 1983 zum Bild seiner Person.

          Ein Stück über Gespür und Gefühle

          Wenn das English Theatre Frankfurt nach der Produktion von Arthur Millers „The Crucible“ durch seinen Drama Club als erste Premiere der neuen Spielzeit nun Hugh Whitemores Stück „Breaking the Code“ inszeniert, zeigt es ein Stück, das mehr ist als eine Geschichte vom Sieg im Krieg oder der Demütigung eines Einzelnen durch gesellschaftliche Enge und staatliche Macht. Das 1986, drei Jahre nach dem Erscheinen der Lebensbeschreibung von Hodges, in London uraufgeführte Stück versucht, Turings kreativem und freimütigem Geist auf die einzig angemessene Weise gerecht zu werden.

          Es erzählt sowohl von seinem Gespür für brillante und unkonventionelle Lösungen mathematischer, kryptologischer und computertechnischer Probleme als auch von seinen offen eingestandenen Gefühlen für andere Männer - gewissermaßen als Geschichte eines Mannes, der neben den Funksprüchen der Wehrmacht auch sein eigenes Begehren entschlüsseln konnte und in Reinschrift las, während andere ihre Energie unter gesellschaftlichem Druck darauf verschwendeten, es geheimzuhalten und in einen unlesbaren oder höchstens für Eingeweihte zu entziffernden Code zu verwandeln.

          „Für uns ist es eine große Produktion“

          Daniel Nicolai, den Intendanten des English Theatre, reizt an Whitemores Stück die überzeugende Form, die es für Turings spannendes Schicksal gefunden habe. „Es ist ein wahnsinnig interessantes Leben, das auf der Bühne in kurzen Szenen erzählt wird.“ Schon lange hat Nicolai das einst mit Derec Jacobi in der Rolle Turings uraufgeführte Stück bringen wollen, jetzt, kurz nach dem hundertsten Geburtstag des Mathematikers im Juni dieses Jahres, sah er die Chance, seinen Plan zu verwirklichen.

          Das Produktionsteam um den britischen Regisseur Michael Howcroft und den für Bühne und Kostüme zuständigen Bob Bailey habe den Auftrag, das Stück sehr hochwertig zu produzieren. „Für uns ist es eine große Produktion.“ Neun Schauspieler stehen auf der Bühne, angeführt von Stephen Fewell als Turing. Hugh Whitemores Stück beginnt nach der Verhaftung des Mathematikers im Polizeiverhör und springt danach in die Vergangenheit zurück. Daniel Nicolai ist sich sicher, dass das Stück seinen Zweck nicht verfehlen wird: „Es soll die Zuschauer auf eine emotionale Reise mitnehmen.“

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