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Al-Wazir zur Energiewende : „Ohne neue Netze wird es nicht funktionieren“

Lichtblick: LED-Leuchten halten länger und verbrauchen weniger Strom. Bild: Hannes Jung

Neue Netze, neue Lampen, neue Studie: Mit 15 Millionen Euro will Wirtschaftsminister Al-Wazir die Energiewende innerhalb von vier Jahren beschleunigen. Was Al-Wazir mit dem Geld genau vorhat.

          „Wenn Kabel unterirdisch verlegt werden, sind die Widerstände vor Ort geringer.“ Diese Schlussfolgerung zieht der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) aus der Debatte über die geplante Hochspannungsleitung Südlink. Darum will er zusammen mit einer Hochschule und einem Unternehmen einen Feldtest zum Bau von kompakten Erdkabeln mit geringen Auswirkungen auf die Umwelt organisieren.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dies ist einer von zwölf Impulsen, mit denen der Minister das Prestigeprojekt der Grünen voranbringen will. „Die Energiewende findet statt, und sie hat auch Fahrt aufgenommen“, sagte Al-Wazir in Wiesbaden. Aber sie bedeute „ganz viel mehr, als nur Windräder zu bauen“. Das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch zu verdoppeln, erreiche man nämlich schneller, wenn man den Verbrauch senke. Darum komme es auch darauf an, Strom zu sparen und möglichst effizient zu nutzen. Dafür will das Wirtschaftsministerium nach seinen Worten in den nächsten vier Jahren zusätzlich insgesamt 15 Millionen Euro ausgeben.

          Förderung für LED-Leuchten am Straßenrand

          „Ohne neue Netze wird die Energiewende nicht funktionieren“, sagte Al-Wazir. Nicht mehr wenige Großerzeuger beherrschten dann den Markt, sondern zahlreiche kleine Stromproduzenten. Dies bedeute aber auch größere Schwankungen, wodurch die Netze besonders beansprucht würden.

          Wo Engpässe drohen und wie die Netze ertüchtigt werden müssen, soll eine Studie klären, die das Wirtschaftsministerium zusammen mit den hessischen Verteilnetzbetreibern in Auftrag geben will. Bis zu 4,8 Millionen Euro stehen für „innovative Forschungsideen“ zur Verfügung. Die Erzeugung und der Verbrauch von Strom müssten enger verknüpft werden, erklärte Al-Wazir. Als Beispiel nannte er die Kühlungen in Lebensmittelgeschäften und die Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Läden.

          Fördern will er auch Kommunen, die ihre Straßenlaternen auf LED-Technik umstellen. Pilotprojekte in Marburg und Gießen hätten gezeigt, dass die Investitionen sich relativ rasch amortisierten. Die Beleuchtung müsse nachts nicht mehr abgeschaltet werden und sei trotzdem günstiger.

          Kritik der SPD: Gesamtkonzept fehlt

          Mit LED-Lampen lassen sich nach den Angaben des Wirtschaftsministers auf Straßen und Sportplätzen sowie in Schwimmbädern zwischen 60 und 80 Prozent des Stromverbrauchs einsparen. Weil die Investitionen beachtlich seien, übernehme das Land zwanzig Prozent. Außerdem unterstütze es Städte und Gemeinden bei der Ausschreibung und der Vergabe der Aufträge. Zusätzliche Anreize für einen energieeffizienten Mietwohnungsbau will das Landesministerium geben, indem es sich Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu eigen macht. Angesichts der niedrigen Zinsen seien billige Kredite nicht besonders attraktiv. Darum werde es direkte Zuschüsse für die Tilgung geben.

          Die „durchaus guten“ Einzelmaßnahmen ergäben noch lange kein Gesamtkonzept, hieß es dazu in der SPD-Landtagsfraktion. Deren energiepolitischer Sprecher Timon Gremmels vermisste vor allem eine Antwort auf die Frage nach dem Ausbau der Windkraft. Gerade erst habe der Bürgermeister der 4000-Einwohner-Stadt Ulrichstein, Edwin Schneider (parteilos), festgestellt, dass die vorgegebenen Ausbauziele in Mittelhessen nicht erreicht würden.

          Viele bestehende Windkraftanlagen im Vogelsberg dürften nicht erneuert werden. Zudem spiele beispielsweise die Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Die Grünen) in Südhessen auf Zeit, indem sie erst nach der Kommunalwahl mit der zweiten Offenlage der Windvorrangflächen beginne.

          Niedrige Energiekosten für kleine Betriebe gefordert

          Mit Innenminister Peter Beuth und Staatssekretär Ingmar Jung arbeiteten zwei Kabinettskollegen der CDU in der Region aktiv gegen den Ausbau der Windkraft. Die Landesregierung trage hier einen schweren internen Konflikt aus. „Die Energiewende in Hessen ist ohne die Windkraft nicht erfolgreich“, sagte Gremmels. „Dass Minister Al-Wazir hierzu weitestgehend geschwiegen hat, ist ein Offenbarungseid für einen grünen Energieminister.“

          Die FDP bemängelte die von Al-Wazir vorgestellten Fördermaßnahmen zur Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Betriebe optimierten ihren Stromverbrauch schon seit langem, sagte der energiepolitische Sprecher der Freien Demokraten, René Rock. Sie müssten aber endlich durch niedrigere und bezahlbare Energiekosten entlastet werden, sonst drohten immer mehr Arbeitsplätze verlorenzugehen. Dabei blende Al-Wazir die Kosten der Windenergie völlig aus. Sie reichten vom Bau der Anlagen über den Landschaftsverbrauch bis zum Rückbau.

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