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Tarek Al-Wazir und Start-ups : Hektik auf der Zielgeraden

Engagiert im Vorwahlkampf: Tarek Al-Wazir Bild: dpa

Initiative folgt auf Initiative: Tarek Al-Wazir tut viel für Gründer, aber sein Hyperaktionismus im Vorwahlkampf ist problematisch.

          Eigentlich gibt es kaum einen Grund, warum Tarek Al-Wazir sein Büro noch in der Landeshauptstadt hat und nicht im Tech-Quartier in Frankfurt. Kaum ein Tag vergeht derzeit, an dem der Wirtschaftsminister nicht in dem Gründerzentrum im Pollux-Hochhaus auftaucht. Vor wenigen Tagen verkündete Al-Wazir, dass Hessen einen neuen Gründerfonds auflegt, nachdem er nur Tage zuvor mitgeteilt hatte, Hessen werde sich an einem Start-up-Fonds Baden-Württembergs beteiligen. Und gerade erst kündigte er per Regierungserklärung im Landtag eine Start-up-Initiative für Hessen an, die das Tech-Quartier zum Vorbild habe. Sie wiederum darf nicht verwechselt werden mit dem „Masterplan Start-up-Region Frankfurt-Rhein-Main“, den er schon im Februar im Tech-Quartier präsentiert hatte.

          Fast möchte man meinen, die ökonomische Zukunft Hessens hängt hauptsächlich davon ab, wie gut dreißigjährige Jungunternehmer hier gepampert werden. Übrigens mittelmäßig, wenn man aktuelle Studien liest: Nicht nur Berlin und Hamburg sind attraktiver, selbst in München und Nordrhein-Westfalen wird mehr gegründet und in Start-ups investiert.

          Eine Hilfe nach der anderen

          Diese Studien dürften den Grünen-Politiker gleich dreifach ärgern. Erstens, weil er tatsächlich eine Menge für Jungunternehmer getan hat, sichtbarstes Zeichen dafür ist eben das Tech-Quartier. Zweitens, weil kritische Studien im Landtagswahlkampf nur der Opposition nutzen. Und drittens, weil er bei anderen Themen weniger Griffiges vorweisen kann: Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht langsamer voran als von ihm erhofft, beim Fluglärm plagen ihn zu spät landende Ryanair-Maschinen, das Fachkräfteproblem kann er selbst kaum lösen, und für den anhaltenden Aufschwung kann er als Landesminister nichts. Also macht er sich für den Nachwuchs stark und verspricht Entwicklern von Finanz-Apps und Bio-Drinks seit Tagen eine Hilfe nach der anderen.

          Al-Wazir hatte schon zuvor viel für Gründer getan, aber dieser Hyperaktionismus im Vorwahlkampf ist problematisch: Mehr als ein Dutzend Fördertöpfe gibt es für Start-ups bereits. Das ist gut. Gründer klagen auch kaum noch, dass sie vom Staat keine Starthilfe bekommen können.

          Doch sie monieren, dass die Finanzierungsprogramme mittlerweile viel zu unübersichtlich seien, es viel zu viele Ansprechpartner gebe und die Zusagen viel zu lange dauerten. Jungunternehmer wünschen sich eine schnellere und schlankere Bürokratie – und nicht nur sie. Dies anzugehen ist aber natürlich langwieriger, als 130 Tage vor der Wahl eine weitere Gründerinitiative anzukündigen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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