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Im Gespräch: Tarek Al-Wazir : „Eine klare Mehrheit auch für Windräder“

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Guten Mutes: Minister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) ist zuversichtlich, dass die Windenergie in Hessen weiter wachsen wird. Bild: Frank Röth

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir verliert die Energiewende nicht an Schwung. Er hofft, dass bis 2018 in Hessen 500 weitere Windkraftanlagen in Betrieb gehen. Die umstrittene Stromtrasse Suedlink hält er für unabdingbar.

          In diesen Tagen jährte sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum vierten Mal. Hätten Sie gedacht, dass sich die damals lautstark und von allen Seiten geforderte Energiewende so schwierig gestalten könnte?

          Es ist wie so oft: Nach einer gewissen Zeit gewinnen die Skeptiker in der öffentlichen Wahrnehmung die Oberhand. Aber die Energiewende findet jeden Tag statt, sie wird weiterhin von den meisten Menschen für richtig gehalten, es gibt eine klare Mehrheit auch für Windräder, und Umfragen ergeben, dass die Akzeptanz für Windräder gerade dort steigt, wo schon welche stehen. Offensichtlich macht die reale Erfahrung deutlich, dass es die behaupteten Probleme tatsächlich nur in den seltensten Fällen gibt.

          Die aktuellen Debatten über die Windkraft sind für Sie kein Zeichen für sinkende Zustimmung?

          Nein. Leider wird vor allem über Gemeinden berichtet, in denen sich Widerstand regt. Mein Paradebeispiel ist der Rheingau-Taunus-Kreis: Da gibt es einerseits eine erregte Debatte in Eltville, wo es um höchstens sechs Windräder geht, und dann ist da die Gemeinde Heidenrod, wo sich schon im Jahr 2011 fast 90 Prozent der Bürger für Windräder ausgesprochen haben. Die sind jetzt zum größten Teil am Netz, die Gemeinde möchte weitere Windräder bauen, hat wieder die Bevölkerung gefragt und wieder mehrheitlich Zustimmung erhalten. Darüber wird kaum berichtet – und das ist ein Teil des Problems in der öffentlichen Wahrnehmung.

          Sie haben nicht den Eindruck, dass die Zahl der Proteste überwiegt oder zumindest stetig zunimmt?

          Definitiv nicht. Bisher gab es in Hessen gerade mal sechs Bürgerentscheide oder Bürgerbefragungen. Und von diesen sechs Abstimmungen gingen im Ergebnis fünf pro Windkraft aus. Wenn das die Quote bleibt, kann ich nur sagen: alles in Ordnung. Im vergangenen Jahr sind in Hessen fast 90 neue Windräder in Betrieb genommen worden, meist ohne Protest, sondern mit Bürgerfesten und Hüpfburgen.

          Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Florian Rentsch, warnt davor, dass die Energiewende mit einer drohenden Verfünffachung der Zahl der Windkraftanlagen in Hessen von derzeit 800 auf bis zu 4000 „völlig aus den Fugen“ geraten könnte.

          Die Zahl 4000 ist völlig aus der Luft gegriffen. Wir haben jetzt etwas mehr als 800 Anlagen, von denen etliche noch „repowert“, also durch leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden. Die neuen Anlagen leisten nicht nur mehr, sondern liefern verlässlichen Strom, weil sie weniger Wind benötigen, um anzulaufen. Wenn ich von den Vereinbarungen des hessischen Energiegipfels ausgehe – zwei Prozent des Landes als Vorrangfläche für Windkraft und 28 Terawattstunden Strom aus Windenergie im Jahr 2050 –, dann wird bis dahin nach jetzigem Stand mit einer Gesamtzahl zwischen 2000 und 2300 Windrädern zu rechnen sein. Wohlgemerkt, im Jahr 2050 und in ganz Hessen.

          Die schwarz-grüne Landesregierung hat vor einem Jahr die Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf 25Prozent bis Ende 2018 als Ziel ausgegeben. Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

          Wir sind bei 12,5 Prozent gestartet und nach einem Jahr schon bei zwischen 14 und 15Prozent, auch deshalb, weil der Stromverbrauch trotz Wirtschaftswachstums gesunken ist. Das ist eine völlig neue Entwicklung.

          Ende vergangenen Jahres drehten sich in Hessen etwa 830 Windräder. Wenn die Koalition ihre Vorgabe erfüllen will, heißt das, dass allein bis Ende 2018 mindestens 500 weitere in Betrieb genommen werden müssten.

          Das hängt davon ab, welche Leistungsklasse hinzugebaut wird, deshalb lässt sich das nicht genau abschätzen. Aber die Zahl könnte hinkommen. Wir dürfen dabei aber eins nicht vergessen: Im Gegenzug sind wir das AKW Biblis los. Ich finde, das ist ein guter Tausch.

          Wie sollen Erneuerbare die Grundlast gewährleisten, wenn es noch keine Speichermöglichkeiten für wind- und sonnenarme Tage gibt?

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