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Aktionstag von Juden und Muslimen : „Jeder religiöse Extremismus ist eine Gefahr“

  • Aktualisiert am

Solidarisch: Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime (Mitte), und Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden (rechts). Bild: Helmut Fricke

Auf einem Aktionstag warnen Muslime und Juden vor Gewalt, Ausgrenzung und Rassismus. Bei der Kundgebung in einer Frankfurter Moschee betonten Vertreter der beiden Religionen die gemeinsamen Wurzeln.

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          Muslime und Juden haben in Frankfurt gemeinsam ihre Ablehnung von Gewalt, Ausgrenzung und Rassismus bekundet. Zwei wichtige Vertreter beider Religionen in Deutschland, Aiman Mazyek und Dieter Graumann, hoben gemeinsame Werte und Wurzeln hervor. „Dieses Zeichen sollte man im ganzen Land hören. Es ist ein Zeichen, das aus dem Herzen kommt“, sagte Graumann im Hof der Abu-Bakr-Moschee in Frankfurt-Hausen. Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, war Ehrengast einer Mahnwache, die Teil eines bundesweiten Aktionstages islamischer Verbände war.

          Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime (ZMD), betonte die Gemeinsamkeiten über Glaubensgrenzen hinweg. „Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, so verbindet uns doch ein herzliches Verhältnis“, sagte er zu Graumann und sprach von „in vielen Bereichen einheitlichen religiösen Grundüberzeugungen“.

          „Islamischer Staat“ verurteilt

          Der hessische Staatssekretär für Integration, Jo Dreiseitel, lobte die Kundgebung als „unübersehbares Zeichen“ gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung. „Jeder religiöse Extremismus – wie der Salafismus – ist eine Gefahr für unsere Gesellschaft“, warnte der Grünen-Politiker. Dreiseitel vertrat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der ebenfalls von den Muslimen eingeladen, wegen einer Bundesratssitzung aber nach Berlin gereist war. Zu den Gästen zählte auch der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel.

          Ohne die Terrormiliz „Islamischer Staat“ beim Namen zu nennen, distanzierte sich Mazyek von Tätern, die im Namen Allahs mordeten. „Sie handeln unter dem Banner des Propheten, zeigen mit ihren Verbrechen aber, dass sie kein Wort davon verstanden haben, was Allah uns offenbart hat und wie unser Prophet nach diesen Geboten gelebt hat“, sagte er vor rund 150 Zuhörern. Unter Hinweis auf 80 Anschläge auf Moscheen in Deutschland, die es allein seit 2012 gegeben habe, sprach der ZMD-Vorsitzende von Sorgen innerhalb der islamischen Gemeinden wegen zunehmender Ausgrenzung und Anfeindungen in der Gesellschaft.

          Auch in anderen Städten

          Graumann sicherte den Muslimen in Deutschland die Solidarität der jüdischen Gemeinden zu. „Wenn Moscheen angegriffen werden, dann trifft und betrifft uns das alle. Es tut uns weh“, sagte er. „Wir Juden hier haben uns immer für muslimische Menschen eingesetzt, wenn sie ausgegrenzt werden.“ Graumann erinnerte an den Kampf beider Gemeinden „Seite an Seite“ in der Debatte um die Beschneidung, in deren Verlauf es vor zwei Jahren auch „eine ganze Menge an antisemitischen und muslimfeindlichen Untertönen gab“. Am Ende sei eine Lösung erreicht worden, mit der alle leben könnten.

          Der Terror im Namen des Islams war auch ein Thema der Freitagspredigt, die der Kundgebung im Hof der Moschee voranging. Imam Ibrahim Hamad bezog sich auf einen Vers im Koran, in dem es heißt: „Wenn einer jemanden tötet, jedoch nicht wegen eines Mordes oder weil er auf der Erde Unheil stiftet, so ist es, als hätte er die Menschen alle getötet.“ Trotz dieses Gebotes „erleben wir heutzutage in vielen Teilen der Erde viele Kriege und schlimme Bilder des Tötens, Blutvergießens und Angriffe auf Frauen, Kinder und Männer“. Der islamische Geistliche verurteilte diese Taten und rief zum Frieden auf – dies tat er auch am Ende der Kundgebung im Hof der Moschee in einem Gebet mit der Gemeinde und den Gästen.

          Frankfurt war neben Berlin, Hamburg und München eine von neun Städten, in denen Friedenskundgebungen mit Politikern und Vertretern jüdischer und christlicher Glaubensgemeinschaften stattfanden. Der Koordinierungsrat der Muslime hatte diesen Aktionstag ausgerufen, um „die Stimme gegen Rassismus zu erheben“, „dem Extremismus jeglicher Couleur eine Absage zu erteilen“ und gemeinsam für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustehen. Bundesweit beteiligten sich an diesem Aktionstag nach Angaben des Koordinierungsrats mehrere hundert Moscheen.

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