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Aktion mit Liebesschlössern : Geld oder Liebe?

Zum Dahinschmelzen: Liebesschlösser, für die die Künstlergruppe „Frankfurter Hauptschule“ ein Euro pro Stück zahlte. Die Kunststudenten wollen die Schlösser einschmelzen lassen. Bild: Lukas Kreibig

Kunststudenten haben dazu aufgerufen, die Liebesschlösser vom Eisernen Steg gegen eine Prämie bei ihnen einzutauschen. Doch leider fehlt von der Künstlergruppe jede Spur.

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          Das kann man doch nicht machen: einfach mit dem Bolzenschneider auf dem Eisernen Steg auftauchen und wahllos Schlösser aufknacken. Wer weiß schon, ob uns nicht noch jemand sieht und mit seinem Handy einen Film dreht und ins Netz stellt. Oder ob das am Ende nicht noch strafbar ist, und man uns womöglich gar für Fahrraddiebe hält. In Köln, heißt es, habe man einen Tippelbruder dafür schon verknackt.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor allem aber: Dafür, dass sich Claudia und Uwe, Marion und Marco, Julius und Benedikt und wie sie alle heißen, dafür also, dass sich auch nur eines dieser vielen Paare, die sich am Brückengeländer mit einem Schloss verewigt haben, am Ende trennt, weil das Zeichen ihrer Liebe nicht mehr hängt, dafür will man die Verantwortung dann lieber doch nicht übernehmen. Nicht für die paar Kröten.

          Belohnung gegen Quittung

          Denn nur einen Euro hat die Künstlergruppe „Frankfurter Hauptschule“ für jedes abgebaute Schloss vom Eisernen Steg versprochen, um auf die „modernen Keuschheitsgürtel“ hinzuweisen, die nichts seien als ein Ausdruck von „Zwangsliebe und Liebeszwang“. Nicht eben üppig, wenn man es nicht so macht wie die beiden Jungs, die am Nachmittag vor dem „conSpace“-Ausstellungsraum im „Atelierfrankfurt“ ihre Belohnung haben wollen – und gegen Quittung auch bekommen: Sie haben mit der Eisensäge einfach einen ganzen Liebesschlösser-Zopf abgesägt. Nur fehlt von den Studenten, die die „Frankfurter Hauptschule“ in wechselnder Klassenstärke betreiben, leider jede Spur.

          Sicher ist sicher: Die Prämie für die Schlösser wird mit einer Quittung bestätigt.

          Man wolle lieber anonym bleiben, heißt es. Immerhin sind mit Raul Gschrey und Michaela Filla Raquin die beiden zahlungsfähigen Kuratoren da, welche die Künstler neben einigen Kollegen wie Agata Piertrzik, Christian Engels und dem rumänischen Videokünstler Daniel Djamo zu den „Passagen“ eingeladen haben, jener vom Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main geförderten Ausstellung, die den „Hauptschülern“ Anlass war, zum Schlösserknacken aufzurufen. Aus dem Material wollen sie eine Skulptur gießen, die zur Vernissage am nächsten Donnerstag präsentiert werden soll.

          Doch Keuschheitsgürtel hin, Liebeszwang her, besonders eindrucksvoll wird die Plastik wohl nicht werden. Nicht nur, weil die Metalle – Eisen, Stahl und Messing und verschiedene Legierungen – sich für den Guss nicht unbedingt vertragen, sondern vor allem, weil die kaum 200 Vorhängeschlösser, die bis zum Nachmittag im „conSpace“ abgegeben wurden, einfach nicht genug Rohstoff hergeben. Und vielleicht lösen Marion und Marco, Stefanie und Johann und die anderen verliebten Paare ihre Liebesschlösser am Ende sogar wieder ein. Das wäre dann wirklich eine Pointe fast wie im richtigen Leben: Es triumphiert der Kitsch über die Kunst.

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