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Hilfe für zwei Projekte : F.A.Z.-Leser spenden Hoffnung in der Krisenzeit

Die F.A.Z.-Leser haben unter anderem für ein Projekt der Christoffel-Blindenmission gespendet. Das hilft dem fünf Jahre alte Malik Njema Dagoder, der im Kwale Eye Centre nahe Mombasa behandelt wird. Bild: Helmut Fricke

612.865,22 Euro – diese beeindruckende Summe haben die F.A.Z.-Leser für die Integrationseinrichtung Milena und ein Projekt der Christoffel-Blindenmission in Kenia gespendet.

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          Ruhe. Einfach mal durchatmen können. Wie oft hat sich Manesorn Koldehofe, Mitgründerin von „Milena“, das in der Vergangenheit gewünscht. Es liegt ein ereignisreiches Jahr hinter der Integrationseinrichtung. Im Januar 2019 war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier  auf eine Portion Hühnerfrikassee zu Besuch, wenige Monate später kam die Zusage für das F.A.Z.-Spendenprojekt. Auf Tränen der Rührung folgte der Beginn der Umbauarbeiten. Denn durch die Zusicherung der finanziellen Unterstützung konnte die Integrationseinrichtung einen Mietvertrag für größere Räumlichkeiten in Bockenheim unterzeichnen. Renoviert wurde im Eiltempo, der Umzug im November wurde in Eigenregie gestemmt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Integrationseinrichtung versteht sich als Anlaufstelle für Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund. Vormittags können die Frauen Sprachkurse besuchen, während ihre Kleinkinder betreut werden. Nachmittags warten auf die Jugendlichen Hausaufgabenbetreuung und ein warmes Mittagessen. Milena ist für viele Schutz- und Entfaltungsraum zugleich. Dank „F.A.Z.-Leser helfen“ konnten die neuen Räume umgebaut, Möbel gekauft und weitere Sprachkurse angeboten werden.

          Der Umzug hat die 70 Frauen und Mädchen aus 19 Nationen noch enger zusammengeschweißt. Umso schwerer sei es allen gefallen, die Tür für die Zeit der Corona-Krise zu schließen, sagt Koldehofe. Kontakt halten die Mitarbeiterinnen seitdem zu den Mädchen und Frauen per Whatsapp. Sie verschicken Hausaufgaben, helfen beim Lernen. Jeden Abend gibt es eine Gute-Nacht-Geschichte für die Kleinen. „Die Verbindung darf nicht abreißen“, sagt Koldehofe.

          Kreislauf aus Armut und Isolation durchbrechen

          Auf die Gründerin warten beim wöchentlichen Kontrollbesuch in der Einrichtung „360 Quadratmeter unerträgliche Stille“. Das habe sie definitiv nicht gemeint, als sie sich Ruhe gewünscht habe, sagt Koldehofe. „An dem Tag, an dem wir uns wieder begegnen dürfen, machen wir eine große Party. Kommen Sie uns besuchen.“ Ihrer Stimme ist anzuhören, dass sie diese offene Einladung ernst meint. Denn Koldehofe hätte sich gerne bei den Spendern persönlich bedankt, die die Hilfsaktion unterstützt haben. Aber auch die Abschlussfeier von „F.A.Z.-Leser helfen“, bei der normalerweise Spender und Projektvertreter zusammenkommen, muss wegen der Coronakrise abgesagt werden. Per Video-Botschaft melden sich darum die Milena-Mädchen zu Wort. Auf den Zetteln, die sie in die Kamera halten, steht ein einziges Wort geschrieben: „Danke“.

          Rund 10.000 Kilometer Luftlinie entfernt wird auch die kenianische Hauptstadt Nairobi von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beherrscht. Seit März dürfen Kenianer ihre Häuser zwischen 19 und 5 Uhr nicht verlassen, gesellschaftliche Zusammenkünfte sind verboten. Trotzdem drohe in dem Land eine ungeahnte Katastrophe, berichtet Martin Kollmann. Er ist Augenarzt und für die Christoffel-Blindenmission in Nairobi tätig. Die Hilfsorganisation mit Sitz in Bensheim will, auch mithilfe der F.A.Z.-Spendenaktion, die augenmedizinische Versorgung der kenianischen Bevölkerung sicherstellen. Denn Blindheit ist in Ostafrika ein weit verbreitetes Leiden und häufig Ausgangspunkt für einen Kreislauf aus Armut und Isolation.

          Augenheilkunde auch stark eingeschränkt

          Kollmann sagt, dass die fehlenden Sozialsysteme in Kenia die ärmeren Menschen dazu zwingen, trotz des sich ausbreitenden Coronavirus weiterhin ihrer Arbeit nachzugehen, um die Familien ernähren zu können. Wenn sich dadurch das Virus schnell ausbreite, könnten laut Kollmann die schwachen Gesundheitssysteme einer Patientenflut nicht standhalten.

          Auch die von der Blindenmission unterstützte Augenheilkunde unter anderem in Kikuyu nahe Nairobi und in Kwale nahe Mombasa ist derzeit stark eingeschränkt. Das Landesbüro der Hilfsorganisation im Herzen Nairobis berichtet, dass den Krankenhäusern die Vorräte ausgehen, weil es Engpässe bei der Lieferung von Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung gebe.

          Auch nach der Krise helfen

          Deshalb kann vielen Betroffenen dort derzeit nicht geholfen werden. Dabei sind es oft Routine-Eingriffe, die in Kenia das Leben von Menschen völlig verändern. 85 Prozent der sehbehinderten Kinder bleibt der Schulbesuch verwehrt, 70 Prozent der betroffenen Erwachsenen sind arbeits- und perspektivlos. Mit dem Geld der Spendenaktion können in Kenia Menschen aufgespürt werden, die gar nicht wissen, dass man ihre Blindheit behandeln kann. Kinder, die weggesperrt wurden, weil sie nichts sahen, können durch die Arbeit der Blindenmission und der Kliniken zu fröhlichen Jugendlichen heranwachsen.

          Auch nach der Corona-Krise gibt es noch Hunderttausende Kenianer, denen geholfen werden muss und kann. Die Freude in den zuvor kalten Augen eines Menschen, der plötzlich wieder sehen kann, ist der schönste vorstellbare Dank für die Spenden der F.A.Z.-Leser.

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