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Ökologische Verkehrswende : Akasol baut neuen Hauptsitz in Darmstadt

Alle Hände voll zu tun: Die Auftragsbücher der Akasol AG sind gut gefüllt. Bild: Alexander Heimann

Akasol baut Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge, Busse oder Schiffe. Innerhalb kurzer Zeit ist die Firma zum führenden Hersteller in Europa geworden. Den Bau des neuen Hauptsitzes in Darmstadt mussten sie sich aber mühsam erkämpfen.

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          Jochen Partsch gelingt an diesem Mittwoch so etwas wie ein rhetorisches Kunststück. „Herzlich willkommen zu Hause“, sagt der Darmstädter Oberbürgermeister aus Anlass des symbolischen Spatenstichs für die neue Zentrale der Akasol AG zu ihrem Vorstandschef Sven Schulz. In diesem Satz steckt gewissermaßen die Unternehmensgeschichte dieser Firma, die in kurzer Zeit zum führenden europäischen Hersteller von leistungsstarken Lithium-Ionen-Batteriesystemen aufgestiegen ist und nun im Südwesten der Stadt bauen lässt.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Akasol stellt die Abkürzung der 1990 an der Technischen Hochschule gegründete „Akademischen Solartechnikgruppe“ dar, die einst Rennsolarmobile entwickelte und baute. 2008 gründeten Mitglieder des Vereins die Akasol GmbH, die als AG 2018 erfolgreich an die Börse ging. Zum Produktportfolio gehören Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge, Busse, Schienenfahrzeuge, Schiffe oder Boote.

          Als „Leitunternehmen der ökologischen Verkehrswende“ (Partsch) steht das Unternehmen heute vor der Herausforderung, die durch die E-Mobilität ständig steigende Nachfrage internationaler Großkunden zu bedienen, nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch in Übersee. Wenige Tage vor dem Spatenstich in Darmstadt hat Schulz angekündigt, nahe Detroit im amerikanischen Bundesstaat Michigan eine Produktionsstätte zu eröffnen. Das Unternehmen investiert in diese Anlage einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

          Die Auftragsbücher sind voll

          In der Batteriefabrik, die nicht nur für den amerikanischen Markt der Nutzfahrzeuge produzieren wird, sollen mehr als 200 Arbeitsplätze entstehen. Die Kapazität soll schon im nächsten Jahr eine Größe erreichen, die der des derzeitigen Serienfertigungsstandorts von Akasol in Langen entspricht. Dort können derzeit je nach Batteriegröße im Jahr Systeme für bis zu 1500 vollelektrische Busse oder für bis zu 3000 mittelgroße Nutzfahrzeuge hergestellt werden.

          Weil die Auftragsbücher voll sind, stellt Zeit auch in Darmstadt einen wichtigen Erfolgsfaktor dar. Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal der ehemaligen Kelley-Barracks in Darmstadt, in dessen Nachbarschaft vor einigen Monaten der Lebensmittelhändler Alnatura seine Firmenzentrale eröffnet hat, sollen schon bis Mitte nächsten Jahres die vierstöckige Akasol-Hauptverwaltung mit 7000 Quadratmeter Nutzfläche sowie ein hochmodernes und umweltfreundliches Test- und Prüfzentrum entstehen.

          Darüber hinaus wird eine 15.000 Quadratmeter große, doppelstöckige Produktions-, Montage- und Logistikhalle errichtet. Das Unternehmen beziffert auch in diesem Fall das Investitionsvolumen auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Die neue Firmenzentrale, die laut Schulz nicht nur als Arbeitsstätte, sondern auch als architektonisch anspruchsvoller Begegnungs- und Ausstellungsort konzipiert sei, wird die bisherige Niederlassung im Darmstädter Schenck Technologie- und Industriepark ablösen.

          Zahl der Mitarbeiter erhöht sich auf 500

          Das extrem dynamische Wachstum der Akasol erfordere eine „massive Erweiterung der Büro- und Produktionskapazitäten“, sagt der Vorstandsvorsitzende. So werde die neue Halle in Darmstadt viermal so groß sein wie der Produktionsstandort in Langen, der erhalten bleibe und ausgebaut werde. Akasol will dort die Serienproduktion und die Fertigung von Kleinserien erweitern, zudem wird in der Halle Platz sein für Service-Werkstätten und ein Test- und Prüfzentrum von der Zelle bis zum Batteriesystem. Vorgesehen sind zum Beispiel Dauerbelastungstests mit speziellen Rütteltechniken und in Klimakammern. Mit der Inbetriebnahme des neuen Standorts wird sich die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 250 auf rund 500 erhöhen.

          Schulz sagt, Akasol habe im ganzen Rhein-Main-Gebiet nach einem geeigneten Standort für den Hauptsitz gesucht und Darmstadt habe zunächst „nicht vorne gelegen“. Das habe sich aber durch den Einsatz des Oberbürgermeisters von den Grünen geändert. Da die Konversionsfläche der Kelley-Barracks sich im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) befinde, habe es dennoch „viel Engagement“ bis zum Grundstückserwerb gebraucht. Das Geschäft sei „finanziell“ anspruchsvoll und stehe für die Schwierigkeit, als Unternehmen in Deutschland wachsen zu können. Gleichwohl kündigt Schulz an, Akasol wolle weitere Flächen am neuen Standort erwerben.

          Grundsätzlich steht dem auf der Konversionsfläche, die im Südwesten von Darmstadt liegt, auch nichts im Wege. Vier Baufelder können von der Bima noch vergeben werden, die Nachfrage nach diesen Flächen ist groß, wie die Stadt versichert.

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