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Affäre um Sponsor Saudia : Bornheimer Bruchlandung

  • -Aktualisiert am

Kritisch: Vor dem Spiel gegen Bielefeld sorgt der FSV Frankfurt mit Trainer Möhlmann unfreiwillig wegen einer Sponsor-Affäre unter Beobachtung Bild: dpa

Der FSV Frankfurt kann auf eine Million Zuschauer hoffen, wenn sein Zweitligaspiel gegen Bielefeld läuft. Für viel Aufmerksamkeit sorgt zudem die Sponsor-Affäre.

          An diesem Montag, zur besten Sendezeit (20.15 Uhr), empfängt der FSV Frankfurt Arminia Bielefeld zum sogenannten Topspiel (live auch im Liveticker bei FAZ.NET) der zweiten Fußball-Bundesliga. Bei Sport1, das die Begegnung als Livespiel im Fernsehen zeigt, schalten in dieser Saison im Schnitt 960.000 Zuschauer ein. Sich an exponierter Stelle einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können, das war der besondere Wunsch der Bornheimer. Denn in ihren sechs Zweitliga-Jahren werden sie erst zum dritten Mal am Montagabend am Ball sein.

          Doch Beachtung hat der Traditionsverein, der mit einem Personaletat in Höhe von etwas mehr als fünf Millionen Euro zu den Klubs mit dem niedrigsten Zweitliga-Budget zählt, schon vor der Partie gefunden - durch sein Geschäftsgebaren, das auf massive Kritik in Politik, Wirtschaft und Sport gestoßen ist. Mit der saudi-arabischen Fluggesellschaft Saudia hatten die Frankfurter vor kurzem einen Partner an ihre Seite geholt, der keine israelischen Staatsbürger befördert.

          Stellungnahme von Saudia erwartet

          Auf diese diskriminierende Regelung war Klub-Geschäftsführer Clemens Krüger vor einer Woche von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angesprochen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er „von diesen Hinweisen noch nie gehört. Ich konnte es auch nicht glauben“, sagte der Zweiundvierzigjährige fünf Tage später. Nach seinen Worten hat er die Fluggesellschaft noch am zurückliegenden Montag um eine Stellungnahme gebeten. „Wenn diese Hinweise zutreffend sein sollten und sich unser Partner nicht von ihnen distanziert, werden wir vom Vertrag zurücktreten, weil der FSV tolerant, weltoffen und überhaupt nicht in irgendeiner Form antisemitisch ist“, sagte er. Am Sonntag hatte Krüger telefonischen Kontakt mit dem Unternehmen. An diesem Montag erwartet er eine schriftliche Stellungnahme.

          Am Samstag hatte Ligapräsident Reinhard Rauball den FSV aufgefordert, die Partnerschaft mit Saudia zu beenden. Er sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Es darf kein Zweifel aufkommen, dass der deutsche Fußball keine Form der Diskriminierung duldet. Vor diesem Hintergrund wäre es ein klares Signal, wenn der Klub, wie bereits angekündigt, das Engagement von Saudia noch einmal überprüft und die Partnerschaft beendet.“ Und weiter: „Es handelt sich offensichtlich nicht um Trikotwerbung. In diesem Fall hätte die Deutsche Fußball Liga von ihrem Recht Gebrauch gemacht, das Vertragsverhältnis nicht zu genehmigen, da laut Statuten Trikot-Werbung nicht gegen die allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral verstoßen darf.“ Die Auffassung von Rauball teilt Krüger, „das ist absolut richtig“, sagte er.

          Der Geschäftsführer Finanzen räumte „ein Versäumnis in der Erstprüfung“ ein. „Mit dieser Erfahrung werden wir künftig bei potentiellen Partnern nach Kontaktaufnahme prüfen, wie deren Integrität ist.“ Großer Recherche hätte es in diesem Fall nicht bedurft. Bei Wikipedia heißt es zum Beispiel: „Personen, die ausschließlich einen israelischen Pass haben, können bei Saudia keine Flüge buchen.“

          „Wollten niemanden verletzen“

          Der Vermarkter des FSV, die Agentur IMG, kündigte ebenfalls an, „alles dafür zu tun, den Schaden zu begrenzen. Ich gehe davon aus, dass der Vertrag aufgelöst werden kann, wenn sich die Vorwürfe gegen Saudia bestätigen sollten“, sagte der Deutschland-Chef von IMG, Matthias Pietza, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Es gibt ja in allen Vermarktungsverträgen bestimmte Klauseln bei Verstößen wegen rassistischen oder diskriminierenden Verhaltens. Bei einem so wichtigen Grund kann man kündigen.“ Bei der Partnerschaft mit der Fluggesellschaft soll es um ein Vertragsvolumen im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr gehen.

          Auch von prominenten jüdischen Bürgern und Vertretern der Stadt wie vom wichtigsten Vereinssponsor, der Frankfurter Volksbank, wurde die Partnerschaft des FSV mit Saudia heftig kritisiert. „Wir wollten damit niemanden verletzen oder diskreditieren. Wenn wir irgendjemanden verärgert haben, dann tut uns das sehr leid“, sagte Krüger.

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