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AfD in Rhein-Main : Zwischen Niedergang und Aufbruch

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Schwierige Zeiten: Seit Parteigründer Bernd Lucke die AfD verließ, hat sich in manchen Kreisverbänden die Mitgliederzahl halbiert. Andere melden Zulauf. Bild: dpa

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich seit dem Parteitag von Essen verändert. Der Austritt von Bernd Lucke hat in der Region viele Nachahmer gefunden - und mancherorts auch eine Gegenbewegung ausgelöst.

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          „Under construction - wir befinden uns im Umbau“, das war eine Weile auf der Internetseite der Mainzer „Alternative für Deutschland“ (AfD) zu lesen. Der Hinweis könnte auch für die Situation im Kreisverband stehen. Denn nach dem Essener Parteitag Anfang Juli, bei dem sich das national-konservative Lager um die neue AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry durchsetzte, haben viele Mainzer Anhänger der Partei den Rücken gekehrt. Man habe nahezu die Hälfte der etwa 70 Mitglieder verloren, sagt Schatzmeister Axel Jungk. Er hält die Abgänge für einen „sehr schmerzhaften Verlust“.

          Allein fünf der sieben Vorstandsmitglieder gaben ihr Amt auf - und das Parteibuch zurück. Mit dem Zweiten Vorsitzenden Sebastian Münzenmaier, der die Partei in Mainz derzeit kommissarisch führt, bildet Jungk deshalb eine Art Rumpfvorstand. Am 13. September soll der Vorstand ergänzt beziehungsweise neu gewählt werden. Jungk meint: „Wir stellen uns neu auf.“

          Keine AfD-Mitglieder im Mainzer Stadtrat mehr

          Zu der vom ehemaligen AfD-Bundessprecher Bernd Lucke gegründeten neuen Partei Alfa sagt Jungk, dass die AfD doch die gleichen Ideen und das gleiche Programm vertrete. „Wir unterscheiden uns nur in Nuancen.“ Zum Eklat hätten vielmehr Eitelkeiten und Machtstreben geführt. Auf einen parteiinternen Rechtsruck angesprochen, sagt Jungk, die Partei liege auf einer klassischen, einst von CDU und FDP vertretenen Linie: Die AfD-Politik sei wirtschaftsliberal und wertkonservativ.

          Im Mainzer Stadtrat sitzen jedenfalls keine AfD-Mitglieder mehr: Jürgen von Stuhr hatte die Fraktionsgemeinschaft AfD/Freie Wähler (FW) schon 2014 verlassen; im April schloss er sich mit Heinz-Werner Stumpf (Pro Mainz) zur Mainzer Bürgerfraktion zusammen. Er sei parteilos, sagt Stuhr. Ein Alfa-Beitritt sei für ihn derzeit kein Thema. Der zweite AfD-Stadtrat Claus Bendroth kündigte im Juli seinen Austritt aus der Partei an.

          Frankfurter AfD hat Art Notvorstand gebildet

          Auch in Frankfurt ist seit Essen vieles anders. Der frühere Sprecher Ralf Dedermann ist ausgetreten und hat fünf Führungsfiguren mitgenommen. Als Gründe nannten sie „das rüpelhafte Verhalten weniger“, das viele gemäßigte Mitglieder vertrieben habe. Außerdem die Konzentration auf die Themen Zuwanderung, Integration und Islam. Dedermann ist mittlerweile Alfa beigetreten. Dort werde nun, anders als früher in der AfD, jeder Aufnahmeantrag genau geprüft, um zu entscheiden, wen die neue Partei haben wolle und wen nicht.

          Eine größere Rolle im AfD-Kreisverband spielt nunmehr Rainer Rahn, früher Flughafenausbaugegner, kurz FDP-Fraktionsmitglied im Frankfurter Rathaus und derzeit dort in der kleinen „Römer“-Fraktion aktiv. Mit zwei anderen hat er nach dem Abgang Dedermanns und der anderen eine Art Notvorstand gebildet, in dem er als stellvertretender Sprecher fungiert. „Es hat Austritte gegeben, das ist richtig“, gibt Rahn zu. Der Kreisverband habe noch annähernd 200 Mitglieder; zu Hochzeiten waren es einmal 330. Trotzdem schaut Rahn nach vorne. Demnächst sollen die Mitglieder das Programm zur Kommunalwahl 2016 beschließen.

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