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Kinder für Klimaschutz : AfD kritisiert Schüler-Demos

  • Aktualisiert am

Während der Unterrichtszeit: Schüler protestieren für ein besseres Klima. Bild: dpa

In Hessen demonstrieren Schüler für den Klimaschutz. Die AfD kritisiert die Proteste und warnt vor gebrochenen Bildungskarrieren.

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          Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat das politische Engagement von Hessens Schüler für mehr Klimaschutz ausdrücklich gelobt. Das zeige, dass die Generation junger Leute politisch aktiv und sehr an der Gestaltung der Zukunft interessiert sei, sagte der Minister am Donnerstag im Hessischen Landtag in Wiesbaden. Allerdings dürften Demonstrationen während der Schulzeit nicht zu einem Gewohnheitsrecht werden. Stattdessen sollte das Engagement künftig wieder im Unterricht oder danach stattfinden.

          Hintergrund der Debatte ist die weltweite Initiative „Fridays for Future“ (deutsch: „Freitags für die Zukunft“), der sich auch hessische Schüler angeschlossen haben. Das Spiel mit dem Regelbruch gehöre zum Erwachsenwerden und um Aufmerksamkeit zu erregen dazu, betonte der Minister. Daher setze er nun auf die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer sowie Schulleitungen und sei nicht gleich für Sanktionen für die Schüler.

          AfD kritisiert „Blaumachen während der Unterrichtszeit“

          Abgeordnete von Grünen, SPD und Linken unterstützen ausdrücklich das Engagement der Schüler als tolles Signal und Zeichen für gelebtes politisches Handeln. Es dürften nur nicht zu viele Fehltage angehäuft werden. Auch die CDU warnte davor, dass durch regelmäßige Demonstrationen am Freitag Lehr- und Klausurpläne negativ beeinflusst werden. Deshalb sollte politische und demokratische Bildung grundsätzlich im Unterricht oder danach in der Freizeit stattfinden.

          Die AfD-Fraktion hatte gemahnt, „blaumachen während der Unterrichtszeit“ dürfe es nicht geben. Das führe zu gebrochenen Bildungskarrieren. Die FDP-Fraktion sprach sich trotz der Unterstützung für das politische Engagement der Schüler für den Klimaschutz auch dafür aus, dass nicht während des Unterrichts protestiert wird.

          Gegen Indoktrination an Schulen

          Es sei bei dem Antrag der Rechtspopulisten aber fraglich, ob es der AfD um das Recht aller Kinder und Jugendlichen auf Bildung gehe oder ob die Inhalte der Demos abgelehnt werden.

          Wie Heiko Scholz, schulpolitischer Sprecher der AfD, gegenüber FAZ.NET mitteilte, sei die Partei nicht gegen das politische Engagement von Schülern. Scholz erklärte: „Die Einschränkung der Demonstration ist überhaupt nicht in unserem Sinne.“

          Jedoch kritisierte der AfD-Politiker, dass wertvolle Unterrichtszeit geopfert werden würde für „politische Zwecke.“ Scholz schließe zudem nicht aus, dass einige Lehrer ihre Schüler zu den Protesten ermuntert hätten. „Lehrer obliegen der Neutralitätspflicht. Zu Demonstration sollen sie sich weder positiv noch negativ äußern,“ erklärte Scholz, der eine Indoktrination an Schulen ablehne. 

          Kein Streikrecht für Schüler

          Die hessische Landesschülervertretung wehrt sich gegen die Kritik  „Wir Schüler haben kein Streikrecht“, sagte die stellvertretende Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn am Donnerstag nach einer Landtagsdebatte über die Demos. Viele seien noch nicht wahlberechtigt und hätten weniger Möglichkeiten, sich zu äußern. Daher seien die Demos legitim.

          „Generell kam wenig Anerkennung und es wurde den Schülern viel böser Wille unterstellt“, sagte Appuhn. Dass es auch Demos nach Schulschluss gegeben habe, zeige, dass es den Schülern wirklich ein Anliegen sei. Anmaßend seien Unterstellungen der AfD, man sei von der „Klimalobby“ instrumentalisiert. „Dass Jugendliche auf die Straße gehen zeigt doch gerade selbstständiges Denken“, sagte Appuhn.

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