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AfD-Hessen-Chef gegen Höcke : Was Lambrou nicht stört

  • -Aktualisiert am

AfD-Hessen-Chef Lambrou toleriert rechtsextreme Mitglieder in der AfD. Bild: dpa

Robert Lambrou hat sich von Björn Höcke distanziert. Doch allzu ernst kann man die Abgrenzung nicht nehmen. Höckes menschenverachtenden Parolen setzt er nichts entgegen.

          Dass die Führung der hessischen AfD sich von ihrem Thüringer Parteifreund Björn Höcke distanziert, erscheint auf den ersten Blick als Indiz für eine eher gemäßigte Haltung. Robert Lambrou, Ko-Vorsitzender der Partei und Chef der Landtagsfraktion, sieht sich als „Sozialdemokrat alter Schule“ und nimmt das Attribut „bürgerlich-konservativ“ in Anspruch.

          Aber man muss die Erklärung genauer anschauen, mit der Lambrou seine Kritik an Höcke begründet. Es sind dessen massive Angriffe gegen den Bundesvorstand der AfD. Sonst nichts. Mit keinem Wort moniert Lambrou etwa die Forderung nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ oder die Titulierung des Holocaust-Mahnmals als „Denkmal der Schande“.

          Lambrou stören nicht die Inhalte, die den Verfassungsschutz veranlasst haben, den „Flügel“ als Verdachtsfall einzustufen und zu beobachten. Was er nicht mag, ist Höckes scharfe öffentliche Kritik am Bundesvorstand. Damit bewegt Lambrou sich auf derselben Linie wie die Fraktion der AfD im Wiesbadener Rathaus, als sie vor zwei Jahren aufgefordert wurde, sich von Höcke zu distanzieren. Sie weigerte sich mit der Begründung, dass man Parteifreunde nicht in der Öffentlichkeit kritisiere.

          Kritik an Höcke nicht aus eigenem Antrieb

          Weil der Thüringer Landesvorsitzende in einem besonders schweren Fall gegen diesen Grundsatz verstoßen hat, zieht er sich jetzt Lambrous offene Kritik zu. Dies aber auch nur, nachdem ihm ein „Appell“ gleichsam mundgerecht serviert wurde, den er nur noch unterschreiben musste. Von sich aus ergriff Lambrou nicht die Initiative. Er hätte sich mit Höckes Gebaren wohl abgefunden.

          Selbst wenn man dem hessischen AfD-Politiker persönlich eine moderate Gesinnung abnehmen würde, gäbe es für ihn doch nur zwei Möglichkeiten, um glaubwürdig zu bleiben. Er müsste die Partei, in der Leute wie Höcke agieren, entweder sofort verlassen oder diese Kräfte mit aller Macht und Entschiedenheit bekämpfen. Weder das eine noch das andere geschieht. Lambrou will die äußerste Rechte in der Partei halten und verschont sie, um mit der entsprechenden Klientel der Wählerschaft im Geschäft zu bleiben. Wenn er über die Vielfalt der „Strömungen“ in der Partei redet, meint er damit stets auch die ausdrückliche Anerkennung des rechtsextremistischen Randes. Damit ist auch über Lambrou alles gesagt.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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