https://www.faz.net/-gzg-8vprp

Wenn die Helfer zu spät kommen : Ärger über fehlende Rettungsgassen

  • Aktualisiert am

Leider immer wieder nötig: Mahnung, eine Rettungsgasse zu bilden Bild: dpa

Die Fälle häufen sich: Einsatzkräfte, die den Unfallort auf der Autobahn nur zu Fuß erreichen, weil ihnen kein Platz frei gehalten wurde. Dabei gibt es eine einfache Regel, die im Notfall Leben rettet.

          2 Min.

          Neulich auf der A7 bei Kassel: Ein Autofahrer streift beim Auffahren auf die Autobahn einen Sattelzug, kollidiert mit einem weiteren Fahrzeug. Es kommt zu einem langen Rückstau. Dass bei dem Crash niemand verletzt wurde, wissen die Helfer zu diesem Zeitpunkt noch nicht - sie müssen loslaufen, zwei Kilometer lang zwischen den stehenden Autos hindurch, Stress pur. Der Grund: Die übrigen Verkehrsteilnehmer hatten keine Rettungsgasse gebildet.

          Solche Szenen kommen immer häufiger vor. Dabei entscheiden im Ernstfall Minuten über Leben und Tod: „Vor allem schwer und schwerst verletzte Unfallopfer müssen möglichst schnell versorgt werden - hier zählt jede Minute“, erklärt Oliver Reidegeld, Sprecher des Autoclubs ADAC Hessen-Thüringen. Fehlt die Gasse, werden auch die Rettungskräfte zusätzlich belastet, wie Günter Ohlig vom Landesverband Hessen im Deutschen Roten-Kreuz weiß: „Wenn die Sanitäter erst noch zur Unfallstelle laufen müssen, ist das natürlich eine erhebliche Stresssituation“.

          „In den Fahrschulen natürlich gelehrt“

          Warum wird die Rettungsgasse so selten richtig gebildet? Ulrich Urban, Fahrlehrer aus Offenbach, führt das Problem auf die Gedankenlosigkeit vieler Autofahrer zurück: „Das Thema wird in den Fahrschulen natürlich gelehrt. Aber das ist wie mit vielen Verkehrsregeln: Man kann schulen, so viel man will - wenn die Menschen das nicht verinnerlichen, verläuft das im Sand“. Der Frankfurter Verkehrspsychologe Peter Fiesel spricht hier sogar von einem gesamtgesellschaftlichen Problem: „Ich beobachte einen zunehmenden Egozentrismus in der Gesellschaft, während Mitgefühl und Rücksichtnahme schwinden“. Die Menschen seien immer mehr mit sich selbst beschäftigt - und im Auto zusätzlich von der restlichen Umwelt abgeschnitten.

          Damit das Thema „Rettungsgasse“ den Autofahrern bewusster wird, hat die hessische Landesregierung 2015 eine Kampagne gestartet: 50 Banner, die im Wechsel an verschiedenen Brücken entlang viel befahrener Autobahnen aufgehängt werden, sollen die Verkehrsteilnehmer ebenso sensibilisieren wie Flyer, Plakate und Aufkleber. Laut Innenministerium hat sich das Land Hessen außerdem gegenüber dem Bund für eine Vereinfachung der Regelung zur Bildung einer Rettungsgasse eingesetzt. Die bisherige Vorschrift habe in der Praxis immer wieder zu Problemen geführt, da die Rettungsgasse auf vierspurigen Autobahnen in der Mitte gebildet werden musste, hieß es.

          Seit der Änderung im Dezember gilt laut Paragraf 11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung nun unabhängig von der Fahrstreifenzahl folgende Faustregel: „Sobald sich ein Stau bildet - und auch schon bei zäh fließendem Verkehr - orientieren sich Autofahrer auf der äußersten linken Spur nach links, alle anderen nach rechts“, erklärt Matthias Mänz, Sprecher der Polizei Nordhessen. Das Problem sei, dass die Gasse oft zu spät entstehe. Dann seien die Abstände zwischen den Autos bereits zu gering.

          Der Unfall auf der A7 bei Kassel ging trotz fehlender Rettungsgasse noch einmal glimpflich aus. Auch den Autofahrern könne in diesem Fall ausnahmsweise kaum ein Vorwurf gemacht werden, betont Mänz: „Es gab an dieser Stelle auch eine Baustelle, die sehr eng war“. Grundsätzlich appelliere die Polizei aber an die Autofahrer, das Thema immer im Hinterkopf zu behalten und so früh wie möglich eine Gasse zu bilden - ansonsten drohe ein Bußgeld von mindestens 20 Euro. In der Praxis könnten solche Verstöße jedoch nicht immer geahndet werden, muss Mänz zugeben: „Den Stau abzusichern oder die Rettungskräfte an die Unfallstelle heranzuführen, hat in einer solchen Situation natürlich oberste Priorität“.

          Weitere Themen

          Kondolenzbuch für Minister Schäfer ausgelegt

          Trauerarbeit : Kondolenzbuch für Minister Schäfer ausgelegt

          Um ihre Trauer um Minister Schäfer auszudrücken, können sich die Mitarbeiter des hessischen Finanzministeriums in ein Kondolenzbuch eintragen. Auch für Trauernde von außerhalb ist eine Möglichkeit gefunden worden.

          Die wollen doch nur spielen

          „Jugend trainiert für Olympia“ : Die wollen doch nur spielen

          „Jugend trainiert für Olympia“ gilt als größter Schulsportwettbewerb der Welt. Wegen des Coronavirus fällt das Bundesfinale dieses Jahr aus. Die Teilnahme wäre für „Normalos“ ohnehin kaum realistisch.

          Topmeldungen

          Hat die Ausgangsbeschränkungen in Bayern verlängert: Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

          Kampf gegen Coronavirus : Bayern verlängert Ausgangsbeschränkungen

          Die seit dem 21. März wegen des Coronavirus geltenden Ausgangsbeschränkungen in Bayern werden bis zum Ende der Osterferien am 19. April verlängert. Ursprünglich sollten die Beschränkungen bis einschließlich 3. April gelten.

          Umzug von Harry und Meghan : Eine Krise in der Krise

          Donald Trump macht klar: Amerika zahlt nicht für die Sicherheit von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Doch nun sind viele Landsleute verärgert über den Umgang des Präsidenten mit dem royalen Paar – was mit der Corona-Pandemie zu tun hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.