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Oase der Menschlichkeit : Älteste Buchhandlung Frankfurts schließt nach 147 Jahren

Carolus Bücher: Die älteste Buchhandlung Frankfurts muss 147 Jahre nach der Gründung schließen. Bild: Lucas Bäuml

Frankfurt verliert die Buchhandlung Carolus. Sie hat gegen den Online-Handel verloren, da den Menschen nicht mehr bewusst ist, was Buchläden sein können.

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          Weit, sehr weit reicht die Geschichte der Buchhandlung Carolus in Frankfurt zurück. Als sie im fernen Jahr 1961 den 90. Jahrestag ihrer Gründung feierte, sprachen Vertreter der Stadt, der Kirche und der Vereinigung des katholischen Buchhandels, und diese Zeitung erinnerte daran, dass die Carolus Kunst- und Bücherstube in den Jahren des Nationalsozialismus eine Oase der Menschlichkeit gewesen sei. Nur mühsam konnte damals das Ladengeschäft, als ein wichtiger Ort des katholischen Frankfurts von den neuen Machthabern diffamiert, vor der Liquidierung bewahrt werden.

          Manfred Köhler
          Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Das ist eine der vielen Geschichten, die niemand mehr kennt in dieser schnelllebigen Stadt, und falls heute, da die Buchhandlung Carolus an der Vilbeler Straße zum letzten Mal geöffnet ist, beiläufig die Rede darauf kommen sollte, dass damit die Geschichte der ältesten Buchhandlung Frankfurts nach 147 Jahren endet, dann denkt auch niemand darüber nach, was es denn bedeutete, ein solches Geschäft durch eineinhalb Jahrhunderte zu führen, die nicht immer so gnädig waren wie etwa die Aufbaujahre nach dem Krieg, als der Hunger nach dem freien Wort größer war denn je.

          Ausgebremst von der Kirche

          Dass Carolus ein Zentrum des katholischen Frankfurts sei, lässt sich schon lange nicht mehr behaupten. Das Verhältnis zwischen der Kirche und der kirchlich ausgerichteten Buchhandlung war 2013 zerbrochen, als sich der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden entschied, den Mietvertrag für das angestammte Ladenlokal an der Neuen Kräme nicht zu verlängern, weil mit einem Geschenkartikelladen eine höhere Miete zu erzielen war. Der Versuch des Verlagshauses Herder als Carolus-Eigentümer, den Betrieb in einem kleineren Ladenlokal in einer peripheren Lage fortzuführen, war von vornherein überaus mutig.

          Blick in den Verkaufsraum der Buchhandlung Carolus im Erdgeschoss. Eine Verkäuferin schaut durch Bücher.
          Blick in den Verkaufsraum der Buchhandlung Carolus im Erdgeschoss. Eine Verkäuferin schaut durch Bücher. : Bild: Lucas Bäuml

          Es hat nicht funktioniert. Die Bücherstadt Frankfurt verliert wieder eine Buchhandlung, was ihr nicht gut ansteht, und man muss schon froh sein, dass wenigstens das Münchener Unternehmen Hugendubel noch festhält an dem Kaufhaus am Steinweg. Carolus ist ausgebremst worden von der Kirche, der anderes wichtiger ist, und von der Kundschaft, die lieber im Internet bestellt, als sich in die Innenstadt zu schleppen, und die vergessen hat, was Buchhandlungen auch sein könnten – ein Zentrum des geistigen Lebens und manchmal noch mehr als das: eine Oase der Menschlichkeit.

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