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Leben in Rhein-Main : Bücherbasar zum 1. Advent

Bunter Haufen: Es handelt sich lediglich um ein Symbolbild. Bild: Picture-Alliance

Nichts zu lesen? Keine Zeit zum Schmücken? Zum zweiten Mal bitten Frankfurter Kleinverlage am Sonntag zum Adventsbasar.

          Merkwürdiger Kontrast: Es wird so viel gelesen wie nie, auf Tablets, E-Readern und Smartphones, von den Nachrichten, die Buzzfeed, mit einem unterhaltsamen Dreh versehen, auf den Facebook-Feed spült, bis zur Whatsapp-Nachricht an die beste Freundin, die nach allen Konversationsregeln der jeweiligen Schulklasse formuliert ist. Die Menschen feiern Orgien des Konstruierens und Konsumierens kleiner Geschichten, als fielen sie über den Plätzchenteller her, während die einst durch die Romantik abgelöste Regelpoetik von Renaissance, Barock und Klassizismus ausgerechnet im nur scheinbar völlig ungeregelten Gebrauch von Emojis zurückkehrt: dieser muss sein, der da geht auf keinen Fall.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mittendrin im Wirrwarr: Autoren, Verlage und Buchhändler, die mehr und mehr Schwierigkeiten haben, die Bücher, die sie schreiben, verlegen und verkaufen, an den Jahr für Jahr kapriziöseren Kunden zu bringen. Der Leser will Bücher auf die gleiche Art wie alles andere, immer und überall, weshalb es nur folgerichtig ist, dass Aldi Süd von heute an erstmals ausgewählte Bestseller großer Verlagskonzerne in seinen Läden feilbietet, selbstverständlich unter Einhaltung der Buchpreisbindung.

          Einladung zur Tea Time in den Wintergarten

          Wer sich in all dem Trubel nach analoger Büchergemütlichkeit sehnt, aber es nicht geschafft hat, einen Adventskranz zu binden, wer brennende Kerzen und Kekse will, aber keine zu Hause hat, wer gerne etwas lesen würde, aber gerade nicht weiß, was, der sollte am Sonntag beim Adventsbasar der unabhängigen Verlage in Frankfurt vorbeischnüren, der in diesem Jahr zum zweiten Mal veranstaltet wird.

          Gefeiert wird an der Varrentrappstraße, wo Größenwahn-Verlag, Dryas-Verlag und Steinbach Sprechende Bücher im Hinterhaus ineinander übergehende Büros nutzen und über einen schönen Wintergarten verfügen. Dort bitten die drei regelmäßig zur „Tea Time“. Jeweils vier Juroren besprechen an einem Sonntagnachmittag Bücher der drei Gastgeber, ein Gastverlag stellt sich vor, dazu gibt es an kleinen Tischen aus hübschem Geschirr Tee, Kaffee, Sandwiches und Kuchen.

          Ähnlich wird es am Sonntag zugehen, allerdings geht es früher los, es wird zwischen Büchertischen nicht ganz so viel gesessen, zu trinken gibt es außer Tee heißen Apfelwein, und es sind mehr Verlage zugegen. Neben Dryas, Größenwahn und Steinbach sind es dieses Jahr Weissbooks, die Edition Federleicht, die Edition Frankfurter Ansichten, Mainbook, Nomen, Razamba und Uniscripta. Einritt und Getränke sind frei.

          ADVENTSBASAR DER UNABHÄNGIGEN VERLAGE am 2. Dezember, 12 bis 17 Uhr, Varrentrappstraße 53, Frankfurt

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