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Im Porträt: Adnan Maral : Man sieht sich immer zweimal

Bekannt aus „Türkisch für Anfänger“: Adnan Maral, derzeit an Schauspiel Frankfurt tätig Bild: Wonge Bergmann

Als Metin in „Türkisch für Anfänger“ ist Adnan Maral bekannt geworden. Nun ist er zurück in seiner Heimatstadt Frankfurt und probt „Michael Kohlhaas“. Ein Gespräch über Chancen, ein positives Leben und die Frage nach dem Recht.

          Merkwürdigerweise ist Adnan Maral schon mehrmals im Fernsehen gelandet, bevor er überhaupt daran gedacht hatte, im Fernsehen aufzutreten. 1978 drehte die „Hessenschau“ des Hessischen Rundfunks in der Günderrodeschule im Frankfurter Gallusviertel. Man sieht den kleinen Adnan in einem Pulk von Grundschülern kurz durchs Bild laufen. Fünf Jahre später sitzt in einem weiteren Fernsehbeitrag ein Teenager mit Lockenmähne und düsterem Blick neben dem Vater auf dem elterlichen Sofa. Bockig, unzufrieden, ortlos sieht er aus.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Ich habe mich total unwohl gefühlt, ich wusste nicht, was machen, das war genau die Zeit“, erinnert Adnan Maral sich. 14 Jahre alt war er damals und in den Filmaufnahmen ging es gar nicht um ihn - es ging um „Tümals Weg“. So hieß der Dokumentarfilm, den die beiden Frankfurter Filmemacher Mischka Popp und Tom Bergmann 1983 gedreht haben. Tümal ist Adnan Marals ältester Bruder. Der machte damals Abitur, und in Deutschland wurde, mit Arbeitsplatzabbau und einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit, von der Regierung Kohl die „Rückkehrprämie“ ausgerufen. 10.500 Deutsche Mark für jeden Türken, der in die Türkei zurückkehrt - mit der Auflage, niemals wieder einzureisen.

          Was labern die hier?

          Die Eltern Maral sind, trotz vieler Schwierigkeiten, bis heute geblieben. Und Tümal, der umtriebige große Bruder, der Schulsprecher war und mit Adnan über Philosophie und Adorno diskutierte, schleppte damals seinen pubertierenden jüngsten Bruder in den Theaterworkshop am Gymnasium Bockenheim-Süd, heute Max-Beckmann-Schule. „Ich so mit Bomberjacke und Locken und dachte so: Was labern die hier? ,Bist du der Bruder vom Tümal?‘, haben sie gefragt. Aber sie haben mich so gelassen in meiner Art, wie ich war. Dafür bin ich bis heute noch dankbar. Die wirkten ja wie Freaks auf mich, mit meiner Bomberjacke“, sagt Maral und lacht.

          Zwei Jahre später spielte er in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt: Im damals von Alexander Brill neugegründeten Schülerclub gab er seinen Einstand in Wolf Biermanns „Dra-Dra“, 1985 folgte Heiner Müllers „Schlacht“. „Es war eine tolle, wunderbare und prägende Zeit“, erinnert sich Maral. Dann zog er weiter, erst auf die große Bühne, wo er unter anderem in Robert Wilsons legendärem „Lear“ mit Marianne Hoppe mitwirken durfte, dann an die Offenbacher Hochschule für Gestaltung, zum Filmstudium, dann kamen etliche magere Jahre, mit kleinen Rollen, bis er fest am Deutschen Theater und dann an der Schaubühne in Berlin landete. Und seit er, zehn Jahre ist das her, die Rolle des Vaters Metin in der Fernsehserie „Türkisch für Anfänger“ übernahm, ist er das, was man so landläufig einen „Star“ nennt. Mittlerweile gibt es auch über ihn einen Dokumentarfilm: „Adnan für Fortgeschrittene“ in der Reihe „Lebenslinien“ des Bayerischen Fernsehens.

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