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Abwehr von Eintracht Frankfurt : Fortschritt und Rückschlag

Wieder an Bord: Kapitän David Abraham beweist gegen Leverkusen, wie wichtig er für das Team sein kann. Bild: nordphoto

Das Wechselspiel in der Eintracht-Abwehr geht vor dem „Schlüsselspiel“ gegen Lüttich in die nächste Runde: Touré fällt verletzt aus, Abraham meldet sich zurück.

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          Die neue Woche begann mit einer Nachricht, die nicht dazu angetan war, die Stimmung zu heben. In der Vorbereitung auf das erste Duell mit Standard Lüttich, von Trainer Adi Hütter als „Schlüsselspiel“ bezeichnet, gab die Eintracht bekannt, dass Almamy Touré bis auf weiteres ausfallen wird. Der Franzose erlitt eine Sehnenverletzung im Oberschenkel. Beim Heimsieg gegen Leverkusen (3:0), der das Vorrücken in der Tabelle auf den achten Platz möglich machte, musste er schon nach dreißig Minuten humpelnd den Platz verlassen. Hinterher hatte der Coach zunächst die leise Hoffnung geäußert, dass sich die Blessur im rechten Bein des Abwehrspielers bei näheren medizinischen Untersuchungen als nicht ganz so gravierend herausstellen könnte. Dem war aber nicht so.

          Einer Mitteilung des Klubs zufolge fällt der Rechtsverteidiger „voraussichtlich vier Wochen“ aus. Für den 23-Jährigen ist das ein empfindlicher Rückschlag. In den vergangenen Wochen hatte er sich auf dem Außenposten der Dreierkette einen Platz in der Startformation gesichert. Zum Saisonstart gegen Hoffenheim (1:0) stand Touré gar nicht im Kader, nachdem ihn Hütter während der Vorbereitung und im Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Tallinn (2:1) noch wegen Abspielfehlern nach der Balleroberung gerügt hatte. Beim 1:2 in Leipzig wurde er für die letzten fünf Minuten eingewechselt; sowohl gegen Düsseldorf (2:1) als auch in Augsburg (1:2) gehörte er dann wiederum nicht zum 20er-Aufgebot. Durch seine anschließenden Trainingsleistungen brachte sich der frühere U-21-Nationalspieler aber rasch wieder ins Gespräch. Hütter bot ihn – für den angeschlagenen Kapitän David Abraham – gegen Dortmund (2:2) auf, und Touré erfüllte die Aufgabe gegen die schnellen BVB-Angreifer um Marco Reus mit überzeugender Standhaftigkeit. Gleiches galt für seine Vorstellung beim ersten Auswärtssieg der Saison an der Alten Försterei in Berlin (2:1) und dem Remis gegen Werder Bremen (2:2), bei dem er mit seiner Flanke den zweiten Treffer durch André Silva einleitete. Ungeachtet seines Fortschritts schätzte Touré seine Situation sachlich ein und legte Wert auf die Feststellung, dass sein persönliches Verhältnis zu Abraham, von dessen Ausfall aufgrund von Rückenproblemen er profitiert hatte, frei von Störgeräuschen sei, die ihr professionelles Miteinander belasten könnten. „Es läuft alles gut. Zwischen David und mir passt kein Stück Papier“, wurde er kürzlich von der „Bild“ zitiert. „Ich profitiere von seinen Tipps, er kann mir aufgrund seiner großen Erfahrung helfen.“

          Nun haben sich die Dinge abermals verändert. Abraham kam gegen die Werkself aufs Feld, als Touré passen musste, und trug auf Anhieb mit seiner Lauf-, Kopfball- und Zweikampfstärke zum Bestand der Defensivreihe bei. Hütter war es ein Lob wert: „Er hat in der letzten Zeit ein bisschen Kritik einstecken müssen. Für mich hat er ein tolles Spiel gezeigt.“ Abraham ist inzwischen 33 Jahre alt und neben Makoto Hasebe die routinierteste Führungsfigur im Team. Er steht seit 2015 in Frankfurt unter Vertrag, als er von der TSG Hoffenheim an den Main wechselte. In den ersten drei Spielzeiten war der Argentinier an 31, 30 und 27 Bundesliga-Partien beteiligt; vergangenen Runde machten ihm dann hartnäckige Muskelblessuren zu schaffen. In der Liga sprangen so für ihn 17 Einsätze heraus, bei den insgesamt 14 internationalen Auftritten konnte er nur in acht mitwirken. Beim 0:3 gegen den FC Arsenal zum Auftakt in die aktuelle Gruppenphase der Europa League sah sein Beitrag wenig souverän aus, wobei ein verlorenes Duell mit Bukayo Saka zum 0:1 führte. Hütter sprang Abraham in den folgenden Tagen öffentlich zur Seite. „Ich werde nichts aufmachen, wo nichts ist. Er ist unser Kapitän“, betonte der Trainer, der durch die zahlreichen Zugänge in diesem Sommer über mehr Auswahl denn je verfügt und darauf achtgeben muss, wie er Konkurrenzkampf moderiert. Zwar habe Abraham nicht „immer so gut gespielt, wie wir uns das gewünscht haben“, betonte der 49-Jährige. Er fügte jedoch auch unmissverständlich an: „Ich bin der letzte, der ihn fallen lässt. David wird sich zurück kämpfen.“ Im Heimspiel gegen die Belgier, das an diesem Donnerstag vor ausverkauftem Haus stattfinden wird (21 Uhr), dürfte Abraham an der Seite von Hasebe und Martin Hinteregger beginnen, wenn in den verbleibenden Übungseinheiten nicht noch etwas Unvorhergesehenes geschieht; anderenfalls böten sich für die Defensive noch Evan Ndicka, Simon Falette und Timothy Chandler als Alternativen an. Ob im Angriff André Silva zum Kandidatenkreis zählen wird, entscheidet sich kurzfristig. Der Portugiese, der in den ersten sechs Spielen seit seinem Wechsel vom AC Mailand dreimal traf, klagte zuletzt über Schmerzen an der Achillessehne. Silva hatte sich bei Sprüngen im Training verletzt, ein Mitwirken gegen Leverkusen war so unmöglich. „Wir müssen schauen und hoffen, dass sich das möglicherweise noch ausgeht“, sagte der Österreicher, „es ist schwer, eine Prognose abzugeben.“

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