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Abwasser von K+S : Eine Leitung bis in die Nordsee

  • Aktualisiert am

Macht sich Gedanken über den Umweltschutz: K+S. Bild: dpa

Der Düngemittelhersteller K+S will die Menge des salzhaltigen Abwassers halbieren. Ein teures Unterfangen für den Konzern.

          In Philippsthal an der Werra hat die K+S AG am Donnerstag ihr neues Großprojekt zum Gewässerschutz begonnen. Der Salz- und Düngemittelkonzern will 360 Millionen Euro im Werra-Revier investieren, um die Menge an salzhaltigem Abwasser aus seinen dortigen Werken bis 2015 zu halbieren. „Laufende Verbesserungen der Produktion und Entlastung der Umwelt gehören seit Jahrzehnten zu unserem betrieblichen Alltag“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Norbert Steiner. K+S schaffe mit der Investition die Grundlage für ein langfristiges Konzept der nachhaltigen lokalen Entsorgung. K+S bereitet auch die Unterlagen vor, den Bau einer Leitung für salzhaltige Abwässer zu beantragen, um die Abwässer in die Oberweser oder in die Nordsee einzuleiten. Hiergegen regt sich aber regional politischer Widerstand. Gegen die Leitung sind sowohl der Landkreis Kassel an der Oberweser als auch das Land Niedersachsen als Nordseeanrainer.

          Deshalb, sagte Steiner in Philippstal vor Vertretern der Belegschaft und der Politik, „lassen wir uns auch nicht vorwerfen, wir hätten kein Konzept und wir würden unternehmerischen Entscheidungen für die Zukunft unserer Betriebe und die Menschen in der Region ausweichen“. Das Gegenteil sei der Fall. Es gebe keine Versäumnisse. „Wir haben geliefert“, sagte Steiner. Unverzichtbar für die Fortsetzung einer nachhaltigen Kaliproduktion seien die erforderlichen Genehmigungen für eine geordnete Entsorgung der unvermeidlichen Produktionsrückstände. Es gehe zunächst um die weitere Nutzung des Untergrundes, in den salzhaltige Abwässer versenkt werden, dann um die im nächsten Jahr auslaufende Einleitgenehmigung von Abwässern in die Werra sowie später um die Erweiterung der Halden, auf denen Rückstände der Salzgewinnung gelagert werden, um sie nicht in die Werra einzuleiten. Jeder, der sich mit der Materie befasst habe, wisse um diese Notwendigkeit. Es brauche „Brücken“ bis zum Jahr 2020, um die Salzeinleitung weiter zu mindern.

          Investition der K+S diene dem Umweltschutz

          „Vor diesem Hintergrund“, wurde Steiner ungewöhnlich deutlich, seien die jüngsten öffentlichen Erörterungen, die auch von der hessischen Landesregierung über die angeblich fehlende Genehmigungsbasis für die weitere Versenkung von Abwässern angestellt worden seien, eine „reine Phantomdiskussion“. Wer die weitere Versenkung zeitlich stark einschränken oder ohne „wenn“ und „aber“ für unzulässig erklären wolle, sollte sich die vorhandenen Vereinbarungen und die Ergebnisse des runden Tisches, der sich mit der Salzbelastung der Werra befasst, „noch einmal genau ansehen“. Wer so rede, gefährde die Brücke, die es erst ermöglichen werde, zu einer wirklich nachhaltigen lokalen oder überregionalen Lösung zu kommen, um die Einleitung von Salz in die Werra zu mindern. Steiner sagte, er erwarte und vertraue darauf, dass sich die Landesregierungen von Hessen und Thüringen ihrer gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Verantwortung bewusst seien „und der Genehmigungsbehörde die Ermessensspielräume lassen, um zu einer angemessenen Entscheidung zu kommen“.

          Der Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, Mark Weinmeister (CDU), richtete den Appell an Unternehmen und Belegschaft, die Strategie für eine nachhaltige Kalifertigung an der Werra zu entwickeln. Das Land Hessen habe Interesse an einer Fortsetzung der Kaliförderung im Werrarevier. Weinmeister sprach von einem „guten Tag“ für Hessen. Er anerkannte, dass die Investition der K+S dem Umweltschutz diene.

          Bis Ende 2015 wird das Salzabwasseraufkommen des Werkes Werra einschließlich des Haldenwassers aus Neuhof-Ellers bei Fulda um die Hälfte auf durchschnittlich sieben Millionen Kubikmeter im Jahr reduziert. Alle Standorte des Verbundwerkes Werra - Hattorf und Wintershall in Hessen sowie Unterbreizbach in Thüringen - werden in die Verfahrensoptimierungen und Anlagenerweiterungen einbezogen. Im Einzelnen werden am Standort Hattorf eine neue zusätzliche Anlage für abwasserfreie Kaliproduktion nach dem Elektrostatischen Aufbereitungsverfahren sowie eine Tiefkühlung für Salzlösung errichtet, um zusätzliche Rohstoffe zu gewinnen und die Reststoffmenge zu reduzieren. Die bestehende Kaliaufbereitung werde um eine neue Anlage erweitert und die bestehende Dickstoffanlage in ihrer Kapazität vergrößert sowie am Standort Heringen die Magnesiumchlorid-Anlage ausgebaut, eine neue Eindampfanlage errichtet und die Kieseritflotation optimiert. Hinzu kommen der Neubau von Speicherbecken und die Erhöhung der Rückförderkapazität für Salzwasser aus dem Plattendolomit.

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