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Nutzung erneuerbarer Energien : Kuscheliges Zuhause dank Abwasser

Energieproduzent: Das Aktivhaus am Frankfurter Westhafen Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt hat ein Ziel: 2050 will die Stadt nur noch erneuerbaren Energien nutzen. Für Strom ist das denkbar – aber woher kommt die Wärme?

          2 Min.

          Es stinkt, hat aber Zukunftspotential: das Abwasser, das durch die Kanäle der Stadt fließt. Dank Waschmaschinen, Geschirrspüler und heißer Duschen hat das Nass in dem unterirdischen Netz eine Temperatur von mehr als zwölf Grad. Längst gibt es erste Projekte, diese Wärme zu nutzen und über eine Wärmepumpe auf die 60 Grad zu bringen, die notwendig sind, um den Frankfurtern im Winter zu einem kuscheligen Zuhause zu verhelfen. Drei Vorhaben gibt es allein in der Stadt: Die Theologische Hochschule Sankt Georgen in Oberrad, das Aktivhaus an der Speicherstraße am Westhafen und ein Wohn- und Bürohaus im Europaviertel heizen mit der Wärme aus Abwässern.

          Mechthild Harting
          (mch.), Rhein-Main-Zeitung

          Die Kanäle sind nur eine von zunächst drei wichtigen Quellen, deren Abwärme zum Heizen von Wohnungen und Büros genutzt werden könnten. Die anderen sind die vier Frankfurter Industrieparks und die etwa 40 Rechenzentren in der Stadt. Zusammen, das haben Berechnungen des Energiereferats für das neue „Abwärme-Kataster“ ergeben, könnten derzeit 16 Prozent der Frankfurter Haushalte durch die Nutzung von Abwärme versorgt werden: Das entspricht 64.000 Wohnungen oder „einmal ganz Offenbach“, wie Paul Fay vom Energiereferat sagt.

          Ungenutzt in die Luft gehen lassen

          Fay ist überzeugt, dass es zahlreiche produzierende Gewerbebetriebe gibt, wie etwa Bäckereien, die ihre Abwärme ungenutzt in die Luft gehen lassen. Doch einen ersten Fragebogen haben zu Fays Leidwesen nur wenige Unternehmen beantwortet. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass das gestern von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) erstmals vorgestellte Kataster viele Hausbesitzer, Investoren und Wohnungsbaugesellschaften neugierig machen und auch das Interesse wärmeabgebender Unternehmen für das Projekt der Stadt wecken wird. Denn das „alte Denkmuster: Der Heizkessel wird es schon richten“ habe langfristig keine Zukunft.

          Ein erstes Vorhaben könnte schon bald Realität werden. So werden im Gallusviertel mit dem sogenannten Quartier Kleyerstraße in nächster Zeit 1500 Wohnungen gebaut. Direkt vis à vis betreibt die Telehouse Deutschland das Datacenter, eines der großen Rechenzentren Frankfurts. Und das braucht nicht nur viel Strom zur Kühlung der Rechner, sondern produziert in gleichem Maße Abwärme. In diesem Fall ist sie 35 Grad warm. Die Menge reiche leicht, um die Wohnungen in dem bald entstehenden Quartier zu heizen. Aus der Umleitung der Abwärme in die neuen Häuser wird für die Betreiber des Rechenzentrums sicher kein Geschäftsmodell werden, sagt Telehouse-Chef Béla Waldhauser. Das Vorhaben sei „ökologisch sinnvoll“ und solange er nicht noch Geld drauflegen müsse, seien man dabei.

          Von der Abwärme profitieren

          Ginge es nach Fay würden auch Neubauprojekte in Sindlingen, Zeilsheim und Unterliederbach sowie zahlreiche bereits bestehende Häuser in Höchst von der Abwärme des benachbarten Industrieparks Höchst profitieren. Der sei energiepolitisch besonders interessant, weil er auch Abwärme mit Temperaturen von 100 bis 150 Grad abgebe. Das erspare sogar den Einsatz der Wärmepumpen.

          Anlass für die Stadt, ein Abwärme-Kataster zu erstellen, ist, das 2012 beschlossene Ziel, bis 2050 die Energieversorgung Frankfurts, Strom wie Wärme, ausschließlich durch erneuerbare Energien zu sichern. Die größte Schwierigkeit ist die Wärmeerzeugung ohne Öl und Gas.

          Wie Heilig erläuterte, baut die Stadt kontinuierlich das Fernwärmenetz aus. Doch im gleichen Maße werde auch Abwärme benötigt, um die Frankfurter mit Wärme zu versorgen. Fay und das vom Energiereferat beauftragt Beratungsunternehmen Ecos haben ermittelt, dass 2050 knapp 60 Prozent des Bedarfs durch Abwärme gedeckt werden könnte. Vorausgesetzt, die Haushalte brauchen, wie die Stadt errechnet hat, bis dahin tatsächlich nur noch die Hälfte der Wärme, die sie heute benötigen.

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