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Abschied vom „Turbo-Abi“ : Ein neues Schulgesetz soll es richten

  • Aktualisiert am

Hans-Jürgen Irmer, schulpolitischer Sprecher der CDU Bild: dpa

Neuer hessischer Landtag, neue Regierung, aber ein altes Thema: Der Streit um die verkürzte Gymnasialzeit G8 ist noch nicht ausgestanden. Ein neues Schulgesetz soll es richten.

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          Das neue schwarz-grüne Bündnis in Hessen will zuallererst das Schulgesetz ändern. Damit solle auch fünften und sechsten Gymnasialklassen ermöglicht werden, zum Abitur nach neun Jahren (G9) zurückzukehren, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner in Wiesbaden. Im Landtag forderten die SPD und die Fraktion der Linkspartei, die umstrittene verkürzte Gymnasialzeit G8 komplett abzuschaffen. Das lehnen CDU und Grüne ab. Eltern sollten Wahlfreiheit haben bei der Schullaufbahn ihrer Kinder. Wagner kündigte den Gesetzentwurf für März an.

          Zum kommenden Schuljahr wollen nach Angaben von Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) weitere 22 Gymnasien zu G9 zurückkehren. Fünf Gymnasien werden an dem Schulversuch teilnehmen, G8 und G9 anbzubieten. Voraussichtlich werden nur 31 Gymnasien bei G8 bleiben. Von den Kooperativen Gesamtschulen peilten weitere elf die Rückkehr zu G9 an.

          Wahlfreiheit der einzelnen Schulen

          Im Landtag plädierte Lorz dafür, die Schulstrukturdebatte zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. „Das Mittel dafür ist die Wahlfreiheit der einzelnen Schulen.“ Eltern sollen befragt werden, ob sie eine Umstellung wollen, kündigte Wagner an. Die Koalition werde aufpassen, dass in allen Schulbezirken beide Schulformen angeboten würden.

          G8 sei gescheitert, sagte der SPD-Abgeordnete Christoph Degen. „Seien sie mutig, beenden sie dieses Experiment jetzt und endgültig!“, forderte er. Zuvor hatte seine Fraktion abermals eine Enquetekommission zur künftigen Schulpolitik gefordert und dem von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) angekündigten Bildungsgipfel nur wenig abgewinnen können. Barbara Cárdenas von der Links-Fraktion machte sich die Forderung einer Eltern-Initiative zu eigen, auch den künftigen siebten Klassen noch eine Umstellung auf G9 zu ermöglichen.

          „Vertrauensschutz über Rückkehrwunsch“

          Die FPD lehne die Änderung ab, sagte der Abgeordnete Wolfgang Greilich. Der Vertrauensschutz für die einmal eingerichteten Klassen stehe rechtlich über dem Rückkehrwunsch der Eltern. Notwendige Veränderungen am Schulsystem seien kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Führungskraft, sagte Hans-Jürgen Irmer (CDU).

          Die Landesschülervertretung wiederum trat für ein Modell ein, das dem der SPD nahekommt: eine sechsjährige Mittelstufe und eine Oberstufe, die in zwei bis vier Jahren absolviert werden kann.

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