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Abkehr von „Turbo-Abi“ : Wiesbadener Eltern erzwingen G9

Abkehr: Drei Wiesbadener Gymnasien sagen Nein zum „Turbo-Abi“ Bild: dpa

Drei von sieben Gymnasien in der hessischen Landeshauptstadt kehren zur neunjährigen Schulzeit zurück. Wie das Angebot angenommen wird, ist aber offen.

          Drei der sieben Wiesbadener Gymnasien werden im nächsten Schuljahr zu G9 zurückkehren. Als erste habe die Oranienschule sich so entschieden, berichtete Peter Dietz, Bildungsplaner im städtischen Schuldezernat. Sobald der Magistrat den Beschluss offiziell zur Kenntnis genommen habe, werde er an das Schulamt weitergeleitet, das dann die organisatorischen Voraussetzungen für die Wiedereinführung der neunjährigen Schulzeit schaffen müsse.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Auch an der Diltheyschule und im Gymnasium auf dem Mosbacher Berg haben die Schulkonferenzen jetzt abschließend entschieden. Auf der Grundlage der Protokolle werden im Schuldezernat jetzt ebenfalls die entsprechenden Vorlagen für die Kommunalpolitiker erstellt.

          Mit einer Verzögerung von einem Jahr reagieren damit auch einige der Wiesbadener Gymnasien auf die Möglichkeit, die ihnen der Hessische Landtag im Dezember 2012 mit der Änderung des Schulgesetzes eröffnete. Wie berichtet, hatten sämtliche Schulleiter es zunächst unisono abgelehnt, auf den plötzlichen Beschluss des Landtages kurzfristig zu reagieren. Manche von ihnen machten deutlich, G8 gerade erst mit Erfolg eingeführt zu haben. Außerdem argumentierten sie mit organisatorischen Schwierigkeiten.

          Eltern schriftlich befragt

          So zählt Wiesbaden mit Darmstadt und Kassel im laufenden Schuljahr zu den wenigen hessischen Kommunen, in denen der von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) eingeleitete Kurswechsel auf die Angebote noch keinen Einfluss hatte. Den Klagen der Grünen im Stadtparlament entgegnete die CDU, dass allein die Schulen über ihr Angebot zu entscheiden hätten. Allerdings beschlossen die Stadtverordneten, die Eltern der Grundschulkinder schriftlich zu befragen.

          Von den 2211 verteilten Fragebögen wurden etwa 80 Prozent ausgefüllt zurückgegeben. In 1202 Fällen äußerten die Eltern den Wunsch, ihr Kind auf ein Gymnasium zu schicken. Von ihnen wünschten sich gut 65 Prozent eine neunjährige Schulzeit. Nur knapp neun Prozent sprachen sich für G8 aus. Die übrigen Erziehenden legten sich nicht fest.

          Die Umfrage gab jedenfalls tendenziell einer Elterninitiative recht, die monatelang für die Rückkehr zu G9 eingetreten war. Auf der Grundlage einer eigenen, allerdings nicht repräsentativen Umfrage hatte sie die Einschätzung geäußert, dass mindestens an fünf der sieben Wiesbadener Gymnasien die Rückkehr zu G9 angezeigt sei. Tatsächlich gilt vom nächsten Schuljahr für 420 von 1020 Gymnasialplätzen wieder G9.

          Nachfrage offen

          Der Druck der Eltern habe offensichtlich seine Wirkung getan, konstatiert Dietz. Ob die Nachfrage am Ende wirklich so groß ist, muss sich allerdings erst noch erweisen. Gerade wurden die Formulare verschickt, auf denen die Eltern der künftigen Fünftklässler die drei von ihnen bevorzugten Schulen angeben können. Spätestens am 5. März müssen sie zurückgeschickt werden.

          Im Mai veranstaltet das staatliche Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau Verteilkonferenzen, in denen die Plätze vergeben werden. Erfahrungsgemäß können nicht immer alle Wünsche erfüllt werden.

          Sollte sich beispielsweise ein Ansturm auf G9 entwickeln, der die Zahl der Plätze übersteigt, müssten manche Schüler mit G8 vorliebnehmen, wie Dietz erläutert. Es gebe nur einen Anspruch auf die Schulform, nicht aber auf die Dauer. Dasselbe gilt auch für den Fall, dass die Nachfrage nach G9 geringer ist als das Angebot.

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