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Kommentar : Abhängig von der Technik

Die große Störung bei der Telekom hat vielleicht ihr Gutes, weil sie das Bewusstsein für die Verwundbarkeit der Infrastruktur schärft. Nicht nur viele Vertriebsmitarbeiter sind davon abhängig, online zu sein.

          Seit Stunden klingelt das Telefon schon nicht. Das fällt nicht weiter auf, schließlich ist das Smartphone stets zur Hand. Doch als dann der Versuch scheitert, zu Hause wie gewohnt die bevorzugten Internetseiten aufzurufen, und auch keine Mails mehr einlaufen, ist klar: Hier stimmt etwas nicht. Auch im Rhein-Main-Gebiet haben seit Sonntagnachmittag ungezählte Haushalte diese ungewohnte Erfahrung gemacht.

          Alle Kunden eint außer dem Gefühl, zeitweise von modernen Mitteln der Kommunikation abgehängt worden zu sein, dass sie Kunden der Deutschen Telekom sind. Nun sind die Klagen über den Branchenriesen mit Sitz in Bonn längst Routine. Viele Telekom-Kunden können ein mehr oder weniger garstig’ Lied von Endlosschleifen in der Hotline singen. Doch dieses Mal sollte die Luft anhalten und gut nachdenken, wer zu einer Schimpfkanonade ansetzen möchte.

          Kundenfreundliches Angebot

          Schuld am massenhaften Ausfall von Routern ist Experten zufolge nicht das Unternehmen. Vielmehr sind die Störungen nach den Erkenntnissen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik die Folge einer Attacke. Das bestätigt den Verdacht der Telekom, die Panne gehe auf das Konto von Hackern. Auch dem Kunden wird vor Augen geführt, wie abhängig er von der Technik ist und wie verwundbar moderne Infrastruktur sein kann. Dass von einem weltweiten Angriff die Rede ist, macht die Sache nicht besser.

          Geplagte Kunden können sich zumindest mit einer raschen und kundenfreundlichen Reaktion des Konzerns trösten: dem Angebot, sich per Handy unentgeltlich einen Tagespass zur Internetnutzung im Internet herunterzuladen. Dass sich dieses Angebot nur an Kunden richtete, die auch einen Mobilfunkvertrag mit der Telekom haben, wirkt vielleicht kleinmütig, mehr wäre allerdings wohl auch zu viel verlangt.

          Die große Störung hat vielleicht sogar ihr Gutes, weil sie das öffentliche Bewusstsein für die Verwundbarkeit der Infrastruktur in unserer Kommunikationsgesellschaft schärft. Das Internet wird schließlich nicht nur von Privatleuten für ihr persönliches Amüsement und zum Stillen ihres Informationsbedürfnisses genutzt, vielmehr gehört es wie das Telefon zur Arbeitswelt dazu. Nicht nur Vertriebsmitarbeiter sind davon abhängig. Jede Stunde ohne Netz bedeutet für sie und ihre Arbeitgeber eine Umsatzeinbuße oder einen Mehraufwand, den ihnen keiner erstattet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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