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Öffentlicher Nahverkehr : RMV-Tickets werden teurer

Preiserhöhung: Der RMV gibt Preiserhöhungen für Trassen- und Bahnhofsnutzungen an den Kunden weiter. Bild: dpa

Am 1. Januar wird das Fahren mit Bussen und Bahnen teurer. Grund dafür sei eine Erhöhung der Nutzungsgebühren für Schienennetz und Bahnhöfe durch die Deutsche Bahn. Ab 2017 drohen dem Rhein-Main-Verkehrsverbund erhebliche Mehrkosten.

          Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erhöht seine Preise um durchschnittlich 1,84 Prozent. Der Einzelfahrschein in Frankfurt wird statt 2,75 Euro dann 2,80 Euro kosten. Für eine Monatskarte verlangt der RMV künftig in Frankfurt 86,50 Euro, in Darmstadt 44 Euro und in Wiesbaden und Mainz 78,20 Euro.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren fällt die Erhöhung deutlich geringer aus. Anfang 2015 hatte der RMV seine Preise um 3,45 Prozent, 2014 um 3,9 Prozent und 2008 sogar um 5,9 Prozent angehoben. Dennoch stellt sich die Frage, warum die Verteuerung der Tickets höher ausfällt als die Inflationsrate. Diese liegt in diesem Jahr bei 0,2 Prozent und hatte 2014 die Marke von einem Prozent nicht überstiegen.

          Trassen- und Stationsentgelte der Bahn als Preistreiber

          Die Verteuerung der Fahrkarten über die Inflationsrate hinaus begründet Knut Ringat, der Geschäftsführer des RMV, damit, dass die Kosten für den Verbund stärker gestiegen sind als die allgemeinen Preise. Preistreiber seien vor allem die Trassen- und Stationsentgelte, die der RMV an die Deutsche Bahn AG für die Nutzung der Schienen und Bahnstationen durch S-Bahnen und Regionalbahnen entrichten muss.

          Die Bahn hat die Entgelte für Trassen und Stationen in den vergangenen Jahren stets deutlich erhöht. Ihre Preissteigerungen lagen nach Angaben Ringats immer sehr viel höher als die jährliche Erhöhung der Regionalisierungsmittel vom Bund, die 1,5 Prozent betrug. Mit den Regionalisierungsmitteln finanziert der RMV zusammen mit seinen Ticketeinnahmen die S-Bahn und die Regionalzüge. Der Verbund konnte die von der Deutschen Bahn AG verlangten Entgeltsteigerungen für Trassen und Stationen also nicht vollständig mit den zusätzlichen Geldern vom Bund kompensieren, sondern musste letztlich jeweils mit einer Erhöhung der Ticketpreise reagieren.

          Das Schienennetz, auf dem die Züge des Nahverkehrs fahren, wie auch die Stationen, an denen sie halten, gehören weitgehend der Bahn. Der Konzern ist quasi ein Monopolist. Die Bahn-Tochter DB-Netz erhält vom RMV beziehungsweise von der jeweiligen Eisenbahngesellschaft, die vom RMV den Transportauftrag für bestimmte Strecken erhielt, Trassengebühren, die Bahn-Tochter Station und Service Gebühren für die Stationsnutzung.

          Die Trassenpreise machen mit 22 Prozent und die Stationsgebühren mit sieben Prozent ein knappes Drittel der Gesamtkosten des regionalen Schienenverkehrs aus. Der RMV zahlte zuletzt im Jahr dafür 220 Millionen Euro an die Bahn. Der Anteil der Energie an den Gesamtkosten liegt bei 13 Prozent, der für Personal bei 22 Prozent und der für Fahrzeuge bei 27 Prozent. Dazu kommen acht Prozent Umsatzsteuer und ein Prozent für die Verwaltung des RMV. Weil die Energiekosten in der jüngsten Vergangenheit gesunken sind, konnte ein Teil des überdurchschnittlichen Anstiegs der Schienen- und Trassenpreise sowie der Personalkosten kompensiert werden.

          Ab 2017 drohen Mehrkosten von bis zu 14 Millionen Euro

          In der Vereinbarung über eine Anhebung der Regionalisierungsmittel von 7,3 auf acht Milliarden Euro, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jüngst mit den Ministerpräsidenten der Länder erzielt hat, ist auch die Rede davon, dass der Anstieg der Trassenpreise gedämpft werden solle. Eine Regelung liegt aber noch nicht vor. Derzeit arbeitet das Bundesverkehrsministerium an einer entsprechenden Verordnung, sie soll Anfang 2015 fertig sein, muss aber dann vom Bundesrat gutgeheißen werden. RMV-Chef Ringat plädiert dafür, die Anhebung der Trassen- und Stationsgebühren an die Anhebung der Regionalisierungsmittel zu koppeln.

          Derweil plant die Bahn ein neues Preissystem für ihre Trassen. Es soll 2017 oder 2018 in Kraft treten. Vorgesehen ist, die Zentrumsstrecken, also die vielbefahrenen Strecken, deutlich zu verteuern. Das würde den RMV besonders treffen, denn die Strecken im Ballungsraum Rhein-Main zählen allesamt zu den vielbefahrenen. Bis zu 14 Millionen Euro müsste der RMV wahrscheinlich zusätzlich an die Bahn zahlen. Der Nordhessische Verkehrsverbund mit seinen vielen wenig befahrenen Strecken würde dagegen einen Betrag in dieser Höhe bei den Trassen- und Stationskosten einsparen.

          „Wir zahlen gerne, aber nur, wenn wir vom Bund die dafür nötigen zusätzlichen Gelder bekommen“, sagt RMV-Chef Knut Ringat. Er bestreitet nicht den grundsätzlichen Anspruch der Bahn, für vielbefahrene Strecken mehr Geld zu verlangen. Denn je mehr Züge führen, umso mehr werde die Schieneninfrastruktur beansprucht und umso höher seien die Erhaltungskosten. Die Bahn brauche auskömmliche Entgelte. Ähnliches gelte aber auch für den RMV, er benötige auskömmliche Regionalisierungsmittel.

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