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A 60 : Dauerstaustelle am Mainzer Ring wird geräumt

Ohne Baustelle: Nach elf Jahren ist die Autobahn 60 bei Mainz-Hechtsheim nun sechsspurig. Bild: Sick, Cornelia

Beim Ausbau des Mainzer Rings hat es in den vergangenen elf Jahren immer mal wieder gehakt. Nun ist die Großbaustelle zwischen Weisenauer Brücke und dem Kreuz Mainz-Süd geräumt. Auch beim Festakt gab es technische Schwierigkeiten.

          Beim Ausbau des Mainzer Rings hat es in den vergangenen elf Jahren immer mal wieder gehakt. Eben deshalb konnten die 2001 zwischen Weisenauer Brücke und dem Kreuz Mainz-Süd eingerichtete Großbaustelle erst gestern offiziell geräumt und die A60 für den Verkehr freigegeben werden. Dass es ganz am Ende eines eigentlich reibungslos verlaufenen Festakts dann auch wieder technische Schwierigkeiten und ungewollten Stillstand gab, könnte, so gesehen, durchaus als symbolischer Akt verstanden werden. Der zur Feier des Tages angereiste Staatssekretär aus dem Bundesverkehrsministerium, Andreas Scheuer (CSU), hatte sich mit einigen Begleitern mittels Steigern zwölf Meter in die Höhe heben lassen, um sich von oben selbst ein Bild davon zu machen, wie die für das Projekt bereitgestellten 140 Millionen Euro denn nun verbaut worden sind. Weil der voll ausgefahrene Lastenheber aus unerfindlichen Gründen allerdings seinen Dienst verweigerte, mussten die Baustellen-Inspekteure länger als erwartet oben ausharren, ehe sie mit Hilfe des eigens für solche Fälle gedachten Notknopfs wieder auf den Boden zurückgeholt werden konnten.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Die langen Wartezeiten vor den Portalen des neuen Hechtsheimer Tunnels dürften auch den Autofahrern unvergessen bleiben, die sich in den vergangenen Jahren nahezu täglich im Berufsverkehr am Stauende hinten anzustellen hatten. Weil „unter Verkehr“ gebaut worden sei, sei die Mainzer Situation nicht einfach so mit anderen Vorhaben zu vergleichen, sagte Baudirektor Bernhard Knoop vom Landesbetrieb Mobilität Worms, der die „anspruchsvolle Ingenieurleistung“ lobte.

          „4 plus 2“ gegen „6 plus 2“

          Die ursprünglich auf einem Damm und über eine Brücke geführte Autobahn 60 wurde im Zuge des sechsspurigen Ausbaus bei Hechtsheim gleich noch um zwölf Meter tiefergelegt. Also „vom ersten Stockwerk in den Keller“ verlagert, so die oft gebrauchte Sprachregelung. Dort werden die täglich bis zu 90000 Autofahrer nun durch die Nord- beziehungsweise Südröhre in Richtung Bingen respektive nach Frankfurt und Darmstadt geleitet. Herzstück der sechs Kilometer langen Ausbaustrecke ist der etwa 400 Meter lange Hechtsheimer Tunnel, der die Anwohner merklich vor Verkehrslärm schützen soll. Scheuer zufolge werden allein 1,5 Millionen Euro für die Begrünung der Röhrendecken ausgegeben, mit der man aber noch nicht ganz fertig sei.

          Grundsätzlich setzt sich das Bundesverkehrsministerium bei den möglicherweise noch folgenden Ausbauabschnitten - zunächst auf der A 60 vom Kreuz bis zum Dreieck Mainz bei Finthen sowie von dort aus auf der A643 bis zur Schiersteiner Brücke - ebenfalls für drei Fahrspuren je Richtung ein. Darüber wird auf Landesebene, aber auch in der Stadt Mainz noch gestritten, weil unter anderem die Grünen das „Modell 4 plus 2“ für ausreichend erachten, bei dem im Bedarfsfall nur ertüchtigte Seitenstreifen als zusätzliche Fahrspuren zur Verfügung stehen.

          Zwei harte Winter und schwieriger Baugrund

          Durch die breitere Ausbau-Variante wären ihrer Meinung nach in Höhe des Lennebergwaldes erhaltenswerte Naturschutzgebiete bedroht. Vor allem rund um Marienborn regt sich zudem Widerstand, weil etliche Bürger zusätzlichen Verkehrslärm befürchten. Eine neue CDU-Initiative plädiert zwar für die große „6 plus 2-Lösung“, verbindet dies jedoch mit der Forderung nach wirksamen und vom Bund zu finanzierenden Lärmschutzvorkehrungen. Dass es den meisten Bürgern nicht um die Zahl der Fahrstreifen gehe, sondern darum, neben dem ohnehin schwer zu ertragenden Fluglärm nicht weiterem Verkehrslärm ausgesetzt zu sein, sagte gestern auch Oberbürgermeister Michael Ebling, der ebenso wie Infrastrukturminister Roger Lewentz (beide SPD) davon sprach, dass das Geld am Mainzer Ring gut angelegt sei.

          Zwei harte Winter und schwieriger Baugrund waren nach Angaben des Landesbetriebs dafür verantwortlich, dass die Arbeiten deutlich länger dauerten als anfangs gedacht. Ob und wann es auf der A60 und der A643 weitergeht, konnte oder mochte gestern keiner der Verantwortlichen sagen. Im Frühjahr 2013 wird allerdings mit dem Bau der aus zwei Teilen bestehenden neuen Schiersteiner Brücke begonnen, die 2018 stehen soll. Für das mit 178 Millionen Euro veranschlagte Projekt sind dann aber hessische Straßenbauer zuständig.

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