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87 Jahre alte Frau verletzt : Gewalttätige Pflegerin unter Alkoholeinfluss

Bewohner eines Pflegeheims sind besonders auf die Unterstützung der Mitarbeiter angewiesen. Bild: dpa

Eine 87 Jahre alte Demenzkranke trägt bei der Morgentoilette im Altenheim Verletzungen davon. Unter Verdacht steht eine Zeitarbeitskraft.

          2 Min.

          In einem Wiesbadener Altenheim hat eine siebenundachtzigjährige, schwer demenzkranke Frau bei der Morgentoilette Blutergüsse auf beiden Wangen davongetragen. Ihr Enkel zeigte die Pflegerin, eine Zeitarbeitskraft, wegen Körperverletzung an. Die Beamten des Dritten Polizeireviers ermitteln.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Der Vorgang, den sie aufklären wollen, ereignete sich zwischen Weihnachten und Neujahr im Clemenshaus, einem von fünf Altenheimen der Wiesbadener Caritas. Wie Stefan Lauber, der Leiter des Hauses, berichtete, wollte die Pflegerin der Frau die Zähne putzen. Was dann geschah, ist bis heute anscheinend nicht restlos geklärt. Nur so viel: Die Hämatome im Gesicht der alten Frau resultieren daraus, dass sie sich gegen das Zähneputzen gewehrt hat. Fest steht auch, dass die Zeitarbeitskraft unter Alkoholeinfluss stand.

          Nicht genug Zeit, um sich auf die Bewohner einzulassen

          Laube sieht eine Grenze überschritten und sprach von „Gewalt in der Pflege“. Selbstverständlich habe die alte Dame das Recht gehabt, die Mundhygiene zu verweigern. Das sei gerade bei Demenzkranken nicht ungewöhnlich. Ein Pfleger habe das zu akzeptieren und müsse die „Maßnahme beenden“. Nach einer Weile könne er einen neuen Versuch starten.

          Wenn es sich bei Pflegern um Zeitarbeitskräfte handele, erschwere dies die Dinge erheblich. Sie arbeiteten nicht lange genug auf demselben Platz, um sich wirklich auf die einzelnen Heimbewohner einzulassen. Diese könnten sich an die fremden Gesichter nicht gewöhnen. Es entstehe kein individuelles Vertrauensverhältnis. Wegen des Mangels an Pflegekräften seien im Clemenshaus gegenwärtig vier bis fünf Zeitarbeitskräfte tätig, sagte Lauber. „Wir sind leider darauf angewiesen.“ In der Regel wisse man vorher nicht genau, wen die Zeitarbeitsfirma schicke. In dem aktuellen Fall handelte es sich um eine etwa 45 Jahre alte examinierte Krankenpflegerin. Laube entband sie nach eigenem Bekunden umgehend von ihren Aufgaben und verständigte ihren eigentlichen Arbeitgeber, die Firma Forum K. „Wir haben das einzige Richtige getan“, äußerte die Wiesbadener Geschäftsführerin Iris Böning-Franz. Nachdem das Clemenshaus angerufen habe, habe man die Zeitarbeiterin sofort abgeholt - und angesichts ihres Alkoholkonsums fristlos entlassen. Böning-Franz zeigte sich entsetzt. So etwas sei in ihrem Unternehmen noch nie passiert, beteuerte sie.

          Noch sei die Sache nicht ausgestanden

          Allerdings verwies sie auch darauf, dass nicht geklärt sei, was genau geschehen sei. Alte Menschen hätten oft eine sehr empfindliche „Pergament-Haut“. Von der entlassenen Zeitarbeitskraft habe die Firma Forum K. nichts mehr gehört. Man müsse künftig bei den Einstellungsgesprächen noch genauer hinschauen, meinte Franz-Böning.

          Die äußeren Verletzungen der alten Frau heilten allmählich ab, berichtete ihre Tochter Karin Graja-Jüngst. Weil Demenzkranke aber besonders empfindsam seien, könne man noch lange nicht davon sprechen, dass die Sache ausgestanden sei. Bislang sei die Familie sich nicht darüber im Klaren gewesen, wie verheerend sich der Pflegenotstand im Einzelnen auf das Leben in Seniorenheimen auswirken könne. Noch sei die Mutter im Clemenshaus. „Wir überlegen, was wir jetzt machen.“ Der Sprecher des Wiesbadener Polizeipräsidiums wollte sich zum aktuellen Stand der laufenden Ermittlungen nicht äußern. Im Laufe der Woche werden Zeugen vernommen. Auch die Beschuldigte solle zu Wort kommen. Danach geht der Fall an die Staatsanwaltschaft.

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