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7548 Musiker im Waldstadion : Frankfurt schafft den Orchester-Weltrekord

  • -Aktualisiert am

Gemeinschaftserlebnis: Wo sonst der Ball rollt, erklang am frühen Samstagabend Musik von Beethoven, Dvořák und aus dem Musical „Starlight Express“. Bild: Lukas Kreibig

Tausende Musiker treten zusammen im Waldstadion auf und stellen damit einen Weltrekord auf. Ob Laie oder Profi spielte keine Rolle, jeder war willkommen.

          Es ist gegen halb zehn am Samstagabend, als Sänger Franco Leon seinen Auftritt im Waldstadion abrupt unterbricht. Auf die Bühne kommt der freundliche Herr vom Guinness-Buch der Rekorde. Er verkündet das, was alle 7.548 Musiker schon den ganzen Abend gehofft haben: den Weltrekord. Groß leuchtet die Zahl von der 550 Quadratmeter großen Videowand. 7548 - so viele Instrumentalisten haben mehr als fünf Minuten lang gemeinsam an einem Ort musiziert. Damit gelten sie fortan als größtes Orchester der Welt. Den Rekord hielt bisher Brisbane. Dort waren vor drei Jahren 7.224 Musiker aufgetreten - 324 weniger als in Frankfurt.

          Einzelmusiker, Orchester und Gruppen

          Der Weltrekord kündigt sich schon am Vormittag an: 10.000 schwarze Klappstühle reihen sich im Innenraum des Stadions aneinander; die Rasenfläche ist mit Plastikquadraten ausgelegt worden. Immer mehr Musiker nehmen mit ihren Instrumenten auf den Stühlen Platz und proben gemeinsam. Ein erstes und letztes Mal. Sie alle sind zum Weltrekordversuch „Wir füllen das Stadion“ gekommen und wollen es gemeinsam als größtes Orchester der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde schaffen. Mitmachen können Einzelmusiker, Orchester und Gruppen - Laien genauso wie Profis. Wer sich angemeldet hat, konnte mit Noten und Youtube-Videos üben, die den Dirigenten Wolf Kerschek zeigen.

          Bertold Breig, Lehrer der Frankfurter Waldorfschule, hat sich schon lange auf diesen Tag gefreut. „Ich finde es einfach toll, wenn so viele Menschen gemeinsam an einem Ort musizieren“, sagt er. Knapp 100 seiner Schüler sind mit ihren Instrumenten zum Weltrekordversuch gekommen, darauf ist er stolz.

          „Oh, wie ist das schön“

          Die Idee, das größte Orchester der Welt zusammenzutrommeln, hatte Jens Illemann. Mit dem Projekt wollte er Musiker und Orchester, die oft an einen Ort gebunden sind, zusammenbringen. Seine Intention sei es außerdem zu zeigen, dass Deutschland zu Recht als Land der Musik bezeichnet werde, sagt er. Den Rekord aus Brisbane habe er vor zwei Jahren in Hamburg schon einmal brechen wollen, doch die Stadt habe die Veranstaltung nicht gewollt. In Patrik Meyer, Geschäftsführer der Stadion Frankfurt Management GmbH, fand Illemann einen Verbündeten - und einen neuen Standort für den Weltrekordversuch: Frankfurt.

          Volles Hörnchen: Bei der Wahr ihrer Instrumente waren die Mitglieder des Weltrekord-Orchesters frei.

          Nach der einzigen Probe können sich die Musiker die Zeit bis zum Weltrekordversuch am Abend mit einem Bummel über die Musikmeile vertreiben. Dort gibt es Trommel-Kurse, Vorträge und Livemusik. Kurz bevor das Konzert am frühen Abend beginnt, wird Wolf Kerschek auf die Videowand übertragen, damit ihn ja niemand übersieht. Auf seine Aufforderung hin spielen Tausende Instrumentalisten Musik von Beethoven und Dvořák, aus dem Musical „Starlight Express“ und von John Miles. Nicht nur auf dem Spielfeld darf musiziert werden, auch die Zuschauer auf der Tribüne können mitmachen: Für sie liegen Rasseln, Trommeln und Triangeln auf den Sitzplätzen bereit.

          Nachdem der letzte Ton verklungen ist, steht zwar noch nicht fest, ob der Rekord gebrochen ist, weil die Orchestermitglieder erst gezählt werden müssen. Die Freude ist aber trotzdem schon groß. Die Musiker wollen gar nicht aufhören zu spielen und stimmen spontan „We will rock you“ an. Den Auszug aus dem Innenraum der Arena begleiten sie mit einem fünfzehnminütigem „Oh, wie ist das schön“. Stunden später, als der Rekord dann endlich amtlich ist, wird dieser Titel rasch zum Hit des Abends.

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