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Frankfurter Kantorei : Stets der Arbeit am Klang verpflichtet

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Das „Deutsch-Japanische Brückenschlagkonzert“ 2005 war einer der Höhepunkte für den früheren Leiter der Kantorei, Winfried Toll. Bild: hospirmz

Die vor 75 Jahren gegründete Frankfurter Kantorei ist einer der bedeutendsten Chöre der Region und ein musikalischer Botschafter der Stadt. Wegen der Corona-Krise sind die Feiern zum Jubiläum getrübt.

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          Langsam erhebt sich die zarte Melodielinie. Aus dem anfänglichen Piano entwächst ein strahlendes Forte. „Kyrie eleison, eleison, eleison“, singt der Chor. Ludwig van Beethoven, Messe in C-Dur op. 86. Gleich wird der Solo-Sopran einsetzen – doch im Haus der Chöre in der Kaiser-Sigmund-Straße in Frankfurt ist es stumm.

          „Wir haben uns unser Jubiläum alle ganz anders vorgestellt“, sagt Johannes Kaballo. Lange hat der Vorsitzende der Frankfurter Kantorei gemeinsam mit seinen Mitstreitern auf den Termin hingearbeitet. 2020 sollte das große Jahr des Chores werden. Mit einem Festakt im Kaisersaal des Römers, mit vier Konzerten und mit einer eigenen Festschrift wollte die berühmte Kantorei ihre Gründung vor 75 Jahren feiern.

          Die Festschrift erschien. Und auch während des Auftaktkonzerts in der Alten Oper am 26. Januar und der Feierstunde im Frankfurter Rathaus waren die Folgen der sich damals erst langsam anbahnenden Corona-Pandemie für Deutschland noch nicht absehbar. Bei seiner Ansprache warb der langjährige Vorsitzende daher vor allem noch für finanzielle Unterstützung. „Es ist nicht nur für die Frankfurter Kantorei als unabhängigem Konzert- und Oratorienchor ein beträchtliches Problem, geeignete und bezahlbare Konzerträume in unserer Stadt zu finden“, sagte Kaballo damals.

          Konzerte werden verschoben

          Mit Bewunderung und einer guten Portion Neid schaue er auf andere Städte, „die für die Durchführung von Konzerten in den großen Konzerthäusern den heimischen Ensembles Sonderkonditionen einräumen und damit ihre bedeutendsten Konzertsäle zugänglich machen. Und was die städtischen Subventionen angeht, so hat es mich zuletzt sehr erstaunt, zu erfahren, dass die Bundeshauptstadt Berlin, die, wie wir alle wissen, mit ihrer Armut kokettiert, vergleichbare Chöre mit einem jährlichen Förderbetrag ausstattet, der beim Zweieinhalbfachen dessen liegt, was das Kulturamt uns und den anderen Chören der Arbeitsgemeinschaft zugesteht.“

          Doch wenige Tage nach diesen Worten kam Corona. Mit all den Folgen. Und das Virus verschob die Meridiane der Aufmerksamkeit nachhaltig. Das für den 28. März geplante Konzert „Beethoven 250“ im Dominikanerkloster mit der C-Dur-Messe und dem Oratorium „Christus am Ölberge“ wurde abgesagt. „Es war bis zur letzten Probe alles vorbereitet. Wir waren fertig für die Endprobe“, erinnert sich Kaballo. Auch das für den 5. September in der Jubiläumsschrift angekündigte Projekt „Aventure 8 – The Eternal Sun“ wurde auf Eis gelegt. Einzig die in dem Heft erzählte Geschichte des kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Chores und dessen Besonderheiten erwiesen sich plötzlich als unumstößliche Grundpfeiler in einer Welt der Absagen.

          „Mit 75 Jahren seid ihr zwar noch relativ jung, aber ihr wart es, die nach dem großen Krieg die musikalische Landschaft in Frankfurt und weit darüber hinaus wesentlich mitgeprägt habt mit so charismatischen Persönlichkeiten wie Kurt Thomas, Helmuth Rilling und Wolfgang Schäfer“, schreibt Chorleiter Winfried Toll darin. Und weiter: „Mich erfüllt es mit Stolz, dass ich als vierter Dirigent die Reihe dieser so namhaften Persönlichkeiten fortsetzen darf.“ Denn tatsächlich scheint die Frankfurter Kantorei eine Formation der Beständigkeit, der Dauerhaftigkeit zu sein.

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