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70 Jahre FSK : Nackte Haut stört niemanden mehr

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Die Prüfer bestimmen die Altersfreigabe anhand von Kriterien wie „Sexszenen“, „Gewalt“ oder „Sprache“. Bild: Marcus Kaufhold

Seit 70 Jahren gibt es in Wiesbaden die FSK, die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Sie legt fest, ab welchem Alter Filme für Kinder und Jugendliche freigegeben werden. Die Institution muss mit dem Wandel der Zeit umgehen.

          Eigentlich beginnt die Vorstellung des Kinofilms „Zoros Solo“ in der Murnaustraße in Wiesbaden wie jede andere auch: Es wird still, das Licht wird gedimmt, der Vorspann läuft. Doch wenige Minuten zuvor ist Birgit Goehlnich aufgestanden und hat sich an die vier anderen Zuschauer gerichtet, die im 100 Plätze fassenden Kino etwas verloren auf dunkelblauen Samtstühlen sitzen: „Wir sehen jetzt den Spielfilm ,Zoros Solo’. Feiertage und eine Freigabe ab sechs sind beantragt“, sagt sie und lässt sich wieder in ihren Sitz fallen.

          Goehlnich ist ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden und Vorsitzende der Prüfungskommission der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). Sie ist unter den anwesenden Prüfern die einzige, die ihren Job nicht ehrenamtlich macht. Sie leitet die Diskussion über den Jugendentscheid. Dieser legt fest, ob der Film ohne Altersbeschränkung, ab 6, 12, 16 oder 18 Jahren freigegeben sein wird. Und diese Entscheidung ist im öffentlichen Raum bindend.

          Die FSK ist eine Einrichtung der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft. Im Sommer 1949, am 18. Juli und damit vor 70 Jahren, tagte das Gremium zum ersten Mal. Jugendschutz war damals noch nicht besonders wichtig. Es galt vor allem zu prüfen, ob Filme eine nazistische, staatsfeindliche oder militaristische Tendenz hatten. 1951 – als das Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit in Kraft trat – kam dann die Einstufung von Filmen nach Altersgruppen hinzu.

          „Das ist gelebte kleine Demokratie“

          Seit Bestehen hat die FSK nach eigenen Angaben 250.000 filmische Inhalte geprüft. Im vergangenen Jahr wurden 12.000 Freigaben für Filme, Serien, Trailer und Werbespots erteilt. Dafür braucht eine einzelne Person – selbst wenn ununterbrochen geschaut wird – etwa 331 Tage. Da das aber nicht zu schaffen ist, prüfen täglich mehrere Ausschüsse gleichzeitig. Finanziert wird das mit einen jährlichen Etat von rund drei Millionen Euro, der sich aus den Gebühren speist, die die antragstellenden Filmunternehmen für die Prüfung bezahlen.

          Mariana Pereza ist in dem fünfköpfigen Ausschuss eine von zwei Vertretern der Filmwirtschaft. Neben dem Jugendschutz-Sachverständigen schicke auch die öffentliche Hand eine Person ins Rennen. Pereza ist von der Filmwirtschaft berufen, aber das heißt nicht, dass sie deren Interessen vertritt: „Ich bin vollkommen unabhängig und habe weder privat noch beruflich etwas damit zu tun“, sagt sie.

          Einen Tag in der Woche ist sie im Kino der FSK. Wenn sie nicht im Ausschuss diskutiert, arbeitet die Vierzigjährige als Medienpädagogin und gibt unter anderem Filmseminare in Schulen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei eine der Voraussetzungen, um FSK-Prüfer zu werden. Aber man sollte noch viel mehr mitbringen: „Das ist gelebte kleine Demokratie. Die einfache Mehrheit entscheidet, und das muss man akzeptieren können“, sagt sie.

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