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6500 Zuschauer zur Eintracht : Nur ein bisschen neue Hoffnung für Großveranstalter

Abstand und frische Luft: Beim Spiel der Eintracht-Frauenmannschaft waren schon Zuschauer erlaubt. Bild: Harald Bremes/Jan Huebner

Beim Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Arminia Bielefeld dürfen erstmals wieder Fans ins Stadion: Das Gesundheitsamt hat das vorgelegte Hygienekonzept abgenickt. Ein Freibrief für die Genehmigung weiterer Großveranstaltungen ist das nicht.

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          Das Ende der Geisterspiele ist beschlossene Sache. Zumindest vorerst. 6500 Fußballfans sollen schon am Samstag, 19. September, gegen Arminia Bielefeld wieder ins Waldstadion dürfen. Und auch für das Spiel gegen die TSG Hoffenheim am 3. Oktober liegt schon eine Genehmigung vor. Darauf hat sich die Eintracht gemeinsam mit der Stadt und dem Gesundheitsamt verständigt. Auch der FSV Frankfurt darf bei seinem Heimspiel gegen Bayern Alzenau am nächsten Samstag mit 650 Zuschauern das erste Heimspiel bestreiten. Voraussetzung war ein Hygienekonzept, das unter anderem die Kontaktnachverfolgung der Zuschauer durch das Gesundheitsamt, das Einhalten von Abstandsregeln sowie die kontrollierte An- und Abreise der Fans ermöglicht.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Bilder von Fans, die einander in den Armen liegen, ob nun aus Freude oder Frust, soll es trotzdem nicht geben. Denn das Hygienekonzept lässt die Interpretation nicht gelten, dass es sich bei den Fans doch eigentlich um eine große Eintracht-Familie handele.

          Es ist die erste Veranstaltung in dieser Größenordnung, die das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt nach Ausbruch der Pandemie genehmigt. Sollte das Experiment gelingen, „wissen wir, dass eine große Anzahl ähnlicher Entscheidungen ansteht“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) – und zwar auf unterschiedlichen Gebieten des öffentlichen Lebens. So stehe beispielsweise die Frage im Raum, in welcher Form und Größe der Kirchentag 2021 in Frankfurt stattfinden könne. Gerade weil viele nun darauf blicken, was in den Stadien geschieht, ist es nach Worten Majers wichtig, dass das Fan-Experiment begleitet, der Verlauf ausgewertet und bei Bedarf nachgesteuert wird. Auch für alle künftigen Antragsteller gelte der Grundsatz: „Keine Kompromisse.“

          Erlaubnis auf Probe

          Die Tickets für die bisher genehmigten Bundesligaspiele werden online unter den Dauerkarteninhabern und Vereinsmitgliedern verlost. Eintrittskarten können übertragen werden, wobei die Kontaktdaten des neuen Besitzers bei der Eintracht zu hinterlegen sind.

          Majer ahnt, dass die Entscheidung, vorerst nur 15 Prozent der Stadion-Kapazitäten zu nutzen, Kritik der Fangruppen hervorrufen wird. Nur 6.500 Zuschauer? Wie soll da Stimmung aufkommen? „Vielleicht werden es zu einem späteren Zeitpunkt auch mehr. Wenn wir aber sehen, dass doch Probleme auftauchen, kann es auch in die komplett andere Richtung gehen“, sagt er. Spiele vor leeren Rängen seien wieder möglich, sollte sich das Hygienekonzept nicht als tragfähig erweisen.

          Geregelte Veranstaltungen besser als „verantwortungslose Party-Hotspots“

          Bedingung für die Genehmigung sei gewesen, dass die hessische Landesregierung die Entscheidung der Stadt mittrage, sagt Majer. „Von uns gibt es das klare politische Signal, dass das stattfinden kann“, versichert auch Regierungssprecher Michael Bußer. Gleichzeitig seien die Staatskanzleien der Länder aber damit beschäftigt, schnellstmöglich zu einer bundeseinheitlichen Lösung zu kommen.

          Der Beschluss des Gesundheitsamts, zum ersten Mal wieder eine Großveranstaltung zuzulassen, dürfte Signalwirkung auf die gesamte Veranstaltungsbranche haben. Aber nicht alle Formate werden den strengen Prüfkriterien  standhalten können, glaubt Majer. Solange die vorgelegten Hygienekonzepte schlüssig seien, „gehen wir den Weg aber mit“, sagt er. „Mir sind solche geregelten Veranstaltungen, bei denen auch eine Evaluierung der Umsetzung der Hygienekonzepte vorgenommen wird, allemal lieber als verantwortungslose Party-Hotspots, in denen sich keiner um Abstands- und Hygieneregeln schert.“

          Eine gesetzliche Obergrenze für die Teilnehmerzahl bei öffentlichen Veranstaltungen gibt es in Hessen nicht. Von 250 Besuchern an muss dem Gesundheitsamt ein Hygienekonzept vorgelegt und individuell über den Antrag entschieden werden. Nicht die Zahl der Menschen bestimmt somit die Obergrenze, sondern die jeweiligen Bedingungen an Ort und Stelle.

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