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Jazz im Palmengarten : Swingende Picknicks

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Ein Ort für den Jazz: Die Konzertmuschel im Palmengarten. Bild: Wonge Bergmann

Wo die gestaltete Natur auf neue Töne und komplizierte Rhythmen trifft: 60 Jahre Jazz im Palmengarten lockt zahlreiche Besucher an.

          Die Geschichte des Jazz aus der Hinterbühnenperspektive zu erzählen ist eine lohnende Angelegenheit. Dabei erfährt man, was und vor allem wer verantwortlich dafür ist, dass diejenigen, die originell ins Horn blasen können, auch anständig zu hören sind. Gewiss, der Jazz in Frankfurt hat seinen guten Ruf herausragenden Musikern wie den Brüdern Mangelsdorff mitsamt illustrem Anhang zu verdanken. Aber da gibt es noch ein paar Menschen, die mit Organisationstalent, Engagement, Sachverstand und Enthusiasmus die Bühne bereitet und Interesse für die Stars geweckt haben: Carlo Bohländer etwa, den nimmermüden Clubgründer, oder Horst Lippmann, den Impresario mit der Spürnase für angehende Genies, Ulrich Olshausen, den Rundfunkredakteur mit der unbestechlichen Urteilskraft, oder Wolfgang Böhm, den coolen DJ vom Jazzhaus.

          Werner Wunderlich gehört auch zu diesen Wegbereitern. Eigentlich Ingenieur von Beruf, hat er nach dem Krieg alles gemacht, was mit Jazz zusammenhängt, einen Club gegründet, Artikel geschrieben, bei der Deutschen Jazz Föderation und einer Schallplattenfirma gearbeitet. Er war Rundfunkredakteur, Konzertveranstalter, Kulturbotschafter und Moderator. Vor allem aber ist sein Name mit einer Frankfurter Institution verbunden, die in diesem Jahr ihren sechzigsten Geburtstag feiern kann: „Jazz im Palmengarten“, wohl tatsächlich die älteste kontinuierlich durchgeführte Reihe mit Open-Air-Jazzkonzerten weltweit.

          Konzerte seit 1872

          Wunderlich hat die Reihe nicht begründet. Die Idee kam vom damaligen Direktor des Palmengartens Fritz Encke, der die lange Tradition von Konzerten, immerhin schon seit 1872, vom Image altehrwürdiger Promenadenkonzerte befreien und mehr Musik für junge Leute präsentieren wollte. Um Rat fragte er Albert Mangelsdorff – wen sonst? – und wurde von ihm an Werner Wunderlich verwiesen, der die Idee bereitwillig aufgriff und seine vielen Kontakte nutzte, um von Anfang an ein niveauvolles Programm mit internationalen und regionalen Musikern zu organisieren. Vom 3. Juli 1959 bis zum Sommer 2002 hat Werner Wunderlich die Reihe organisiert und zu einem sommerlichen Kulturereignis für die Stadt gemacht. Seither wird die Serie von etwa sechs Konzerten von der Jazzinitiative Frankfurt betreut, die sich dem einmal erreichten Niveau verpflichtet fühlt.

          Anfangs waren es tatsächlich Freiluftkonzerte ohne nennenswerte kulinarische Zutaten. Mittlerweile nutzen nicht wenige Frankfurter das schöne Ambiente für Picknicks mit musikalischen Beilagen. Das wird wohl auch dieses Jahr wieder so sein, wenn morgen die neue Saison mit einem Nonett des jungen Saxophonisten Maximilian Shaikh-Yousef beginnt, der im vorigen Jahr das Frankfurter Jazzstipendium erhielt. Highlights aus der beginnenden Saison herauszugreifen ist nicht möglich.

          Denn zum Jubiläum gibt es eigentlich nur Höhepunkte: das Quintett des österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel, die unwiderstehlich originelle Pianistin Julia Hülsmann, dann Reto Weber, den Schweizer Perkussionisten und zeitweiligen Weggefährten Albert Mangelsdorffs, hier mit dem amerikanischen Saxophonisten Chico Freeman, außerdem den leider aus der Frankfurter Jazzszene abgewanderten Bassisten Manfred Bründl, der lange schon Professor für Jazz in Weimar ist, schließlich noch den Multiinstrumentalisten Adrian Mears, der das Didgeridoo der australischen Ureinwohner mit elektronischen Loops verbindet. Nicht zu vergessen den Höhepunkt der Höhepunkte: das Konzert des stramm auf seinen 90. Geburtstag zustrebenden Klarinettisten Rolf Kühn, der in den Orchestern von Benny Goodman und Tommy Dorsey gespielt hat und zu den ganz Großen des Jazz gehört.

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