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E-Bike-Rallye : 500 Kilometer über Schotter, Fels und Fech Fech

Marokko hat bei den Studenten der Frankfurter Hochschule einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bild: REPIT-Rallye-Team, Frankfurt University of Applied Sciences

Ein Team der Frankfurt University of Applied Sciences hat an der „E-Bike Desert Challenge“ in Marokko teilgenommen. Um sportliche Höchstleistungen ging es den Studenten dabei nicht.

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          Ein paar Schrammen und Platzwunden, ein Magen-Darm-Infekt und ein abgebrochener Zahn: Schlimmeres ist nicht passiert auf dem 500-Kilometer-Ritt durch die marokkanische Wüste. Zumal der Zahn nicht etwa einem Studentenmund entfiel, sondern dem Kettenblatt eines Fahrrads. Ärgerlich war der Schaden schon: Er brachte dem Team der Frankfurt University of Applied Sciences eine Zeitstrafe von sechs Stunden ein. Aber Klaus Nowak ist trotzdem zufrieden mit dem Verlauf der „E-Bike Desert Challenge“, an die er sich zusammen mit zwei Mitstudenten herangewagt hatte.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Mensch und Material heil nach Hause bringen, das war unser Ziel“, sagt Wirtschaftsstudent Nowak nach der Rückkehr aus Nordafrika. „Und das hat sogar besser geklappt als im vergangenen Jahr.“ Damals hatten Nowak und fünf Kommilitonen in Algerien an der Tuareg-Autorallye teilgenommen; weil ein Wagen ausfiel, hatte das Team die Wettfahrt vorzeitig beendet. Diesmal erwies sich das einzige ernste Materialproblem als lösbar: Ein geschickter Mechaniker schweißte einen Ersatzzahn an das Kettenblatt, und die Wüstentour konnte weitergehen.

          Interdisziplinäres Studium Generale

          Mit Schwierigkeiten und Überraschungen aller Art zurechtkommen, technisches Wissen in freier Natur anwenden, vor allem aber selbständig ein Abenteuer organisieren – das können die Frankfurter Hochschüler im Rallyeteam lernen, das zum Angebot des Interdisziplinären Studium Generale gehört und von einem eigens dafür gegründeten Verein unterstützt wird. Rund 20 Studenten haben sich an der Vorbereitung des E-Bike-Trips beteiligt, fünf brachen schließlich im Januar nach Marokko auf: drei Fahrer und zwei Helfer. Zwei E-Mountainbikes im Gesamtwert von 11.000 Euro stellte die deutsche Firma Haibike leihweise zur Verfügung.

          Sportliche Höchstleistungen zu vollbringen, das lag nicht in der Absicht der Truppe. Nowak selbst ist früher Freestyle-BMX gefahren, aber weder er noch seine Mitstreiter hatten Erfahrung mit Mountainbike-Rennen. „Wir waren alle körperlich und fahrtechnisch nicht auf dem höchsten Stand“, gibt der Dreiunddreißigjährige zu, „ohne Motor hätten wir die Strecken nicht bewältigen können“. Viel trainiert haben die Studenten vor der Abreise auch nicht. Sechs, sieben Fahrten auf den Großen Feldberg, vor allem, um sich mit den E-Bikes vertraut zu machen – das musste reichen.

          Trotz des Elektroantriebs sind die Anforderungen, die ein solches Wüstenrennen stellt, nicht zu unterschätzen. Sie ergeben sich weniger aus den Temperaturen, die im Winter kaum über 20Grad steigen, als aus dem Gelände. Nowak und sein Team bekamen es mit allen Arten von Untergrund zu tun: Schotterstraßen, Felspisten mit faustgroßen Steinen und Sand in etlichen Variationen bis hin zum gefürchteten, pulverartigen Fech Fech, der den Rädern kaum noch Halt bietet. In Oasen kurvten die E-Biker über Trampelpfade, in trockenen Flussbetten sahen sie sich manchmal zwischen meterhohen Steilwänden gefangen. Öfter mussten sie schieben, und bisweilen endete eine unvorsichtige Bergabfahrt mit einem Sturz.

          Markiert war der Kurs mit Tagesetappen von 40 bis 130 Kilometern Länge nicht, orientieren konnten sich die Teams nur per GPS. Trotzdem gelangten die Studenten nach sieben Tagen laut Nowak ohne größere Verhauer ins Ziel; in der Gesamtwertung der rund 25 Rallye-Teilnehmer belegten sie einen Platz im Mittelfeld. Nicht nur den Frankfurtern war am Ende das Gemeinschaftserlebnis wichtiger als die Rangliste: Anders als während der stärker kommerzialisierten Tuareg-Autorallye war die Kameradschaft unter den E-Bikern nach Nowaks Beobachtung immer sehr ausgeprägt. In der Wüste hat Unterstützung unter Sportsfreunden freilich auch ihren Preis – den Nowak und seine Kollegen willig zahlten. „Wir hatten eine harte Währung, die dort schwer zu bekommen war: Dosenbier.“

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