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Wohnhaussiedlung Kranichstein : Ein Stadtteil im ständigen Reparaturbetrieb

  • -Aktualisiert am

Projekt Kranichstein: graue Plattenbauten für knapp 18.000 Bewohner Bild: Helmut Fricke

Beim Bau der Wohnhaussiedlung Kranichstein haben Planer vor 50 Jahren gezeigt, wie man es nicht machen sollte. Doch hat die Stadt aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?

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          Vielleicht wird Stadtarchivar Peter Engels beim Festakt „50 Jahre Neu-Kranichstein“ am 25. Mai die Frage beantworten können, ob die 1930 gegründete „Interessengemeinschaft Arheilgen-Kranichstein“ Darmstadts erste Bürgerinitiative gewesen ist. Damals standen 78 Häuser in Alt-Kranichstein, von denen 21 der Reichsbahn gehörten, die aber alle über keinen Wasseranschluss verfügten. Weshalb sich die Bewohner organisierten, um ihrer Forderung nach einem Anschluss ans Stadtnetz Nachdruck zu verleihen. Was Wirkung zeigte. Bis Ende 1936 lief in jeder Küche Wasser aus dem Hahn. Nur mit der Abwasserentsorgung dauerte es noch einmal gut zehn Jahre.

          Die Gründung einer Interessengemeinschaft ist mit Blick auf die Geschichte Kranichsteins keine Petitesse, zumindest wenn man auf „Neu-Kranichstein“ schaut. Der Grundstein für die Hochhaussiedlung, die auf Pläne des renommierten Frankfurter Architekten und Stadtplaners Ernst May zurückgeht, wurde 1968 gelegt. Seitdem ist der immer wieder als „Satellitensiedlung“ bezeichnete Stadtteil eines geblieben: städtebauliche Reparaturwerkstatt sowie soziale und architektonische Experimentierstätte. Im Rückblick liest sich die Geschichte der Gründung von Neu-Kranichstein wie ein Anschauungsbeispiel für das, was man planerisch tunlichst vermeiden sollte.

          Protest zeigte Wirkung

          Zum Beispiel sollte man sich nicht unter zu großen Zeitdruck setzen. Da 1965 die Kosten für den Erwerb der Baugrundstücke in Höhe von 16 Millionen Euro sich nur finanzieren ließen, wenn möglichst rasch mit dem Weiterverkauf und der Bebauung begonnen werden konnte, verzichtete die Stadt auf einen Wettbewerb. Stattdessen beauftragte sie May mit der Planung. Der Frankfurter legte Ende 1965 ein Konzept vor mit Hochhausblocks für 18.000 Menschen und kompletter Versorgung mit öffentlichen Einrichtungen. Leider gingen die Verhandlungen mit den Bauträgern nicht rasch voran.

          Die Neue Heimat Südwest begann erst Mitte 1968 mit dem Bau der ersten Häuser auf der grünen Wiese. Der ersten Mieter zogen 1969 ein – und fanden als Infrastruktur nur eine kleine Holzbaracke mit Lebensmittelladen vor. Die Buslinie zur Innenstadt kam zwar ein Jahr später. Schulen, Post, Kindergärten, Grünanlagen und Geschäfte ließen aber weiter auf sich warten.

          Was zur Gründung der neuen Interessengemeinschaft Kranichstein führte. Auch deren Protest zeitigte Wirkung. Die Stadt reagierte mit einem veränderten Strukturkonzept: Die Planungen für Neu-Kranichstein wurden reduziert und zwei „Advokatenplaner“ eingestellt. Sie sollten die Bürger beraten und deren Interessen gegenüber der Stadt vertreten. Das war ein Novum in der südhessischen Kommunalverwaltung. Dass die Politik sich darauf einließ, hatte aber handfeste Gründe: Darmstadts Retortensiedlung schafft es als Beispiel für verkorksten Städtebau bis in die ZDF-Sendung

          Exempel für eine Milliardenfehlplanung

          „Aspekte“ und als Exempel für eine Milliardenfehlplanung und als „Mieterverwahranstalt“ in die Illustrierte „Stern“. 1975 war auch in dieser Zeitung von „Darmstadts unterernährter Satellitensiedlung“ die Rede.

          Der damalige Leiter des Planungsamtes Hermann Summe konstatierte 1977, weder Politik noch Verwaltung hätten die Komplexität der Aufgabe erkannt, einen neuen Stadtteil zu bauen. Auch die „Organisationskraft“ für ein solches Vorhaben sei unterschätzt worden. Die Folge waren ständige Anpassungsprozesse.

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