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Jethro Tull in Hanau : 51 oder 50 Jahre – Jubiläum ist immer!

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Drauf gepfiffen: Jethro-Tull-Chef Ian Anderson (links) bringt Gitarrist Florian Opahle (rechts) die Flötentöne bei. Bild: Pepaj, Marina

Raritäten und reichlich Hits: Jethro Tull sorgen im Amphitheater in Hanau für Nostalgie – und feiern ein Bandjubiläum der besonderen Art.

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          So ein rundes Bandjubiläum macht etwas her. Da ist es einerlei, dass es streng genommen nicht 50, sondern schon bald 52 Jahre her ist, dass sich Jethro Tull am 20. Dezember 1967 in London formierten und nach dem britischen Agrar-Pionier und Sämaschinen-Erfinder Henry Jethro William Tull (1674 bis 1741) benannten. Ian Anderson, einzig verbliebenes Originalmitglied der 2012 aufgelösten, seit 2017 aber wieder aktiven Pioniere des britischen Progressive Rock, setzt, als er sich mit den übrigen Musikern ins Rampenlicht des Hanauer Amphitheaters begibt, noch einen drauf: Zur Begrüßung merkt er richtig an, es wären ja nunmehr 51 Jahre seit Gründung vergangenen.

          Ohne viel Federlesens steigt das mit Bassist David Goodier, Keyboarder John O’Hara, Schlagzeuger Scott Hammond sowie dem deutschen Leadgitarristen Florian Opahle besetzte Neu-Ensemble mit „For A Thousand Mothers“ aus dem zweiten Studioalbum „Stand Up“ (1969) ins Konzert ein. Von einem auf den anderen Moment verwandelt sich der 71 Jahre alte Anderson in kontrastreicher Kluft, mit schwarzem Kopftuch auf dem Haupt sowie mit Querflöte und Akustikgitarre im Anschlag in sein Bühnen-Alter-Ego, einen nach wie vor gelenkigen mittelalterlichen Spielmann, der ein Bein beim akribischen Flötenspiel immer mal wieder an das andere anwinkelt. Dass Anderson in seiner Rolle auf den berüchtigten Rattenfänger von Hameln anspielt, ist offensichtlich.

          Obwohl die seit Ende Februar dieses Jahres andauernde Welttournee sich abermals „50th Anniversary Tour“ benannt worden ist, fehlt im Gegensatz zu den Terminen im vergangenen Jahr die Videoclipschau mit Rückblicken in die glorreiche Vergangenheit. Gleich geblieben ist hingegen ein striktes Verbot. Noch vor Konzertbeginn weist eine Stimme aus dem Off nachdrücklich darauf hin, dass sowohl Fotoaufnahmen als auch Videomitschnitte unerwünscht seien. Einmal ausgesprochen, halten sich auch fast alle Besucher dran – Ausnahmequerulanten bestätigen auch hier die Regel.

          Hier werden die Smartphones nicht in die Höhe gestreckt

          Nahezu chronologisch servieren Jethro Tull eine rundweg gut abgehangene Stilmixtur aus Folk, Pop, Blues, Klassik und Hardrock in souveräner Spiellaune und bei exzellent ausbalanciertem Klang, zumal der gebürtige Schotte Anderson in feinem Hochenglisch Anekdoten und Bonmots aus der ereignisreichen Historie der Band beisteuert. Als Raritätenkabinett aus den Gründerjahren der häufiger in ihrer Geschichte umbesetzten Formation erweist sich die Repertoireauswahl: „Beggar’s Farm“, „Dharma For One“ und „A Song For Jeffrey“ stammen allesamt vom Bluesrock-lastigen Debüt „This Was“ (1968). Zwischendrin erinnert sich Anderson an Auftritte im legendären Londoner Musikclub The Marquee, an den kraftvollen ersten Schlagzeuger Clive Bunker sowie an den skurrilen Bassisten Jeffrey Hammond-Hammond. An die Chronisten im Publikum richten sich die seinerzeit nur auf Singles erschienenen Titel „Love Story“ und „Sweet Dream“.

          Ersten frenetischen Jubel erntet das Instrumentalstück „Bourrée In E Minor“ von Johann Sebastian Bach – ein Publikumsfavorit, seit es 1969 aus „Stand Up“ ausgekoppelt wurde. Es folgen die Titelsongs der LP-Glanzlichter „Too Old To Rock’n’Roll: Too Young To Die!“ (1976), „Songs From The Wood“ (1977) und „Heavy Horses“ (1978). Aus dem Konzeptwerk „Thick As A Brick“ (1972) filtert die Band einen kompakten Auszug.

          Wie schon bei den Gastspielen in den vergangenen Jahren schwächelt auch im überdachten Amphitheater Andersons einst so kraftvolles Stimmtimbre gelegentlich. John O’Hara und David Goodier assistieren dem Chef gesanglich, zeigen sich in Teilen sogar für den Hauptgesang verantwortlich. Zum Ende gelangt die mit rund 80 Minuten recht kurz geratene Werkschau mit gleich zwei Welthits. Sowohl „Aqualung“ als auch die Zugabe „Locomotive Breath“ bringen die ohnehin nostalgisch stark aufgewühlte Besucherschar noch einmal ordentlich auf Trab.

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