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50 Jahre Häuserkampf : Das ist unser Haus

Trendsetter: Die jungen Menschen auf dem Balkon standen am Anfang einer Bewegung. Bild: Wolfgang Haut

Mit der Besetzung der Eppsteiner Straße 47 im Frankfurter Westend begann am 19. September 1970 der Häuserkampf in Deutschland, an dem auch Joschka Fischer teilnahm. Die Ereignisse prägen Frankfurt bis heute.

          7 Min.

          Ein Hagel aus Pflastersteinen und Eisenteilen geht auf die Polizisten nieder, als sie sich der Barrikade am Kettenhofweg nähern. Die Beamten weichen vor den Geschossen zurück, kommen dann aber unter dem Schutz der Wasserwerfer zurück. Tränengaspatronen explodieren, behelmte Polizisten schwingen Knüppel, manche werfen die Steine, die eben noch auf sie selbst niedergegangen waren, auf die Demonstranten. Die suchen Deckung, fliehen in Häuser und Seitenstraßen, überall sind Schreie zu hören. Über Stunden ziehen sich die Straßenschlachten hin, breiten sich vom Westend bis zur Hauptwache und auf die Zeil aus. Als sie endlich abebben, sind Dutzende Polizisten und eine ähnliche Zahl von Demonstranten verletzt, viele davon schwer. Der 28. März 1973 geht als „Blutiger Mittwoch“ in die Geschichte des Frankfurter Häuserkampfes ein.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gut dreieinhalb Jahre zuvor hatte das, was sich zu einer bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung zwischen selbsternannten Revolutionären und mit aller Härte vorgehender Staatsmacht entwickelte, geradezu beschaulich begonnen. Am 19. September 1970 übernimmt eine Gruppe, wie sie sich selbst beschreibt, „kinderreicher Familien, ausländischer und deutscher Arbeiter und Studenten“ das Haus Eppsteiner Straße 47 im Westend. Es ist die erste Hausbesetzung in Deutschland. In einem Flugblatt schreibt die „Hausgemeinschaft Eppsteiner Straße“ lapidar: „Wir haben das Haus besetzt, weil es keine anderen Wohnungen für uns gab.“ Auf Tüchern an der Fassade wird erklärt, für den Eigentümer sei das Gebäude ein reines Spekulationsobjekt, die Wohnungen stünden leer und würden systematisch zerstört.

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