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Hessen-Derby im Basketball : Der Frankfurter Patient verzweifelt in der Osthalle

  • -Aktualisiert am

Auch in diesen Tagen bestens gelaunt: 46ers-Trainer Denis Wucherer (Mitte) - hier eine Aufnahme von 2015 Bild: Imago

Bestens gelaunt zeigte sich Denis Wucherer nach dem Spiel gegen die Frankfurt Skyliners. Schließlich haben die Basketballer von Wucherers Gießen 46ers den Rivalen deutlich distanziert. Frankfurts Trainer ist als Therapeut gefragt.

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          In Quantez Robertsons Blick war so etwas wie Verzweiflung zu erkennen. Gerade hatte der Gießener Cameron Wells seinen Wurf ganz locker weggeblockt. Ein paar Meter weiter johlten und brüllten die Basketballfans der Gießen 46ers und überschütteten den Frankfurter Kapitän nach seinem missglückten Wurfversuch mit einer donnernden Welle aus triumphalem Spott. Robertson blickte kurz hinauf zum Korb, der für ihn und seine Mitspieler am Samstagabend so schwer zu erreichen war, wandte sich ab und trabte zurück in die eigene Hälfte.

          38:60 hatten die Skyliners da schon hinten gelegen – Robertsons beide verpassten Punkte hätten am Schicksal der Frankfurter wohl kaum noch etwas geändert. Die restlichen acht Minuten waren für die Mannschaft von Trainer Klaus Perwas so etwas wie ein Spießrutenlaufen, denn sie hatten nicht die Spur einer Chance mehr, das Spiel vor den 3600 frenetisch jubelnden Zuschauern in der Gießener Sporthalle Ost noch zu drehen. 52:69 verloren sie schließlich einen Kampf, in dem sie von Anfang an unterlegen waren.

          Begeisterungssturm in der Osthalle

          Es ist lange her, dass sie Gießener die Skyliners in eigener Halle schlagen konnten. Das 73:65 gegen den Rivalen vom Main glückte den Mittelhessen am 7. Dezember 2002. 2012 war den 46ers noch ein Sieg in Frankfurt gelungen – das war es dann aber schon mit der Erfolgsbilanz des Basketball-Traditionsklubs gegen die bislang meist überlegenen Frankfurter. Entsprechend groß war der Begeisterungssturm, der losbrach, als die Schlusssirene den ersten Heimsieg der 46ers gegen die Skyliners seit fast 14 Jahren signalisierte. „Derbysieger!“ – verkündete der Klub wenig später auf seiner Internetseite. Keine Frage: der Erfolg über Frankfurt war hoch verdient.

          Robertson stand nach dem Spiel niedergeschlagen auf dem Parkett. „Es ist frustrierend“, sagte er, während dicke Schweißperlen wie Tränen sein Gesicht herunter rannen. „Wir sollen nicht so spielen, wie wir es zur Zeit tun. Wir spielen nicht als Team, wir haben nicht hart genug gekämpft.“ Tatsächlich hatten die Skyliners schon den Einstieg in die Partie völlig verpatzt und waren bis auf 0:12 zurück gefallen. Gießen hat von Anfang an Druck aufgebaut“, sagte Max Merz, der als zweiter Spielmacher wieder einmal einen schweren Stand hatte. Den Frankfurtern fehlt derzeit die ordnende Hand.

          „Gefühl für das Team entwickeln“

          Hinzu kommt, dass sie ihre Systeme kaum so spielen können, dass zur richtigen Zeit ein Spieler zum Wurf kommt. „So kann es auf keinen Fall weiter gehen“, sagte Merz. Nur phasenweise gelang in Gießen Akzeptables – so wie Anfang des zweiten Viertels, als sich die Skyliners auf 18:19 herangekämpft hatten. Doch nach der Pause, in die es beim 23:29 gegangen war, verloren sie wieder komplett den Anschluss. „Gießen hat so gespielt, wie wir es eigentlich wollten“, sagte Trainer Klaus Perwas, dessen Zeit als Interims-Headcoach mit dem Spiel in der Osthalle endete.

          An diesem Montagabend bittet Gordon Herbert das Team wieder zum Training. Nach sechs Bundesliga-Niederlagen nacheinander kommt viel Arbeit auf den Kanadier zu, der nach einer Rückenoperation im August eine Pause hatte einlegen müssen. Nun hat Herbert seine Reha abgeschlossen und geht wieder als Headcoach ans Werk. „Ich muss erst einmal ein Gefühl für das Team entwickeln“, sagte er am Sonntag. Sein Vertreter Perwas habe „einen exzellenten Job gemacht“, erklärte Herbert. „Ich bin sehr dankbar, dass er diese Aufgabe übernommen hat.“

          Schon am Mittwoch steht für Herbert und die Skyliners das nächste Spiel bevor. In der Champions League treffen die Hessen auf den griechischen Klub aus Thessaloniki (Ballsporthalle, 20 Uhr). Gunnar Wökbe, der Skyliners-Geschäftsführer, schaut hoffnungsvoll auf die Rückkehr Herberts. „Ich bin mir sicher, dass wir uns von Woche zu Woche steigern werden“, sagte Wöbke am Sonntag. „Spätestens Dezember oder Januar werden wir wieder eine richtig gute Leistung aufs Parkett bringen.“

          Nach den Ende seiner Reha kommt auf Herbert also die nächste Reha zu: die mit seiner Mannschaft. Es ist durchaus möglich, dass die Skyliners dann zwischenzeitlich auch noch einmal unters Messer müssen. Denn auch personelle Maßnahmen scheinen in der prekären sportlichen Lage nicht ausgeschlossen. Derartiges sei zwar aktuell „nicht angedacht“, sagte Wöbke. „Aber das schließt nicht aus, dass wir den einen oder anderen Wechsel zukünftig noch machen werden.“

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