https://www.faz.net/-gzg-aiqu3

Neue Zutrittsregeln : 2 G zwingt Handel zum Improvisieren

Zugang nur mit Nachweis: bei Hema an der Frankfurter Zeil Bild: Wonge Bergmann

Für Ungeimpfte ist es seit Montag schwieriger, Geschenke in einem Ladengeschäft einzukaufen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht zum Zuge kommen.

          2 Min.

          „Das ist in Ordnung“, sagt ein Kunde, der sich in die Schlange vor dem Karstadt-Eingang an der Zeil eingereiht hat. Andere, die warten, nicken zustimmend. Auch in anderen Frankfurter Geschäften, die nach den neuen Corona-Vorschriften im Einzelhandel jetzt nur noch Geimpfte und Genesene (2 G) hereinlassen dürfen, öffnen die Kunden ohne Murren ihren Nachweis in der Corona-App oder ihren Impfausweis aus Papier, was in der Regel schneller geht. Den Personalausweis dazu müssen allerdings die wenigsten vorzeigen. Schon etwas angespannter sind die Mitarbeiter in kleinen Läden, wenn sie zwischen Kasse und Eingangstür hin- und herspringen müssen. Etwa in der Filiale der dänischen Kette für Dekoartikel Flying Tiger an der Berger Straße, wo am Morgen ein älterer Herr einen kleinen Zettel mit QR-Code aus dem Portemonnaie kramt, allerdings mit diesem vermeintlichen Impfnachweis nicht durchkommt. An der Berger Straße haben es Nichtgeimpfte gleichwohl besser als in der Innenstadt, weil einige Geschäftsleute Kunden, die draußen bleiben müssen, einfach vor der Tür bedienen.

          Wieder Schlangen vor den Kaufhäusern

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Haushaltswarengeschäft Meder beispielsweise hat ein Weihnachtsglöckchen auf einen Tisch gestellt mit dem Hinweis „Kein 2 G? Kein Problem. Bitte klingeln“. Im Fachgeschäft „Das Papierhaus“an der Berger Straße schaut sich eine Kundin Stifte vor der Ladentür an und nimmt schließlich eine Auswahl mit. Somit knüpfen die Händler an die Zeit des Improvisierens an, als sie Kunden während des Lockdowns nur an der Ladentür bedienen oder Bestellungen aushändigen durften. Nicht nur im Weihnachtsgeschäft ist jeder Euro willkommen. Ein Déjà-vu sind auch die Schlangen vor den großen Kaufhäusern an der Zeil, wie man sie aus der Zeit kennt, als nur eine bestimmte Anzahl von Kunden in den Läden zugelassen war. Eine Frau, die sich bei Primark eingereiht hat, findet das ärgerlich: „Ich will doch nur ein paar Kleiderbügel kaufen.“ Um den Zugang besser regeln zu können, haben große Häuser wie Galeria an der Hauptwache ihre Seiteneingänge geschlossen. Stammkunden wissen, dass es über die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss, die weiterhin allen offen steht, schneller geht. An der Rolltreppe, die in die oberen 2-G-Etagen führt, gibt es kaum eine Schlange.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Schwerer Gang: Anton Schlecker (Mitte) mit seinen Kindern Meike und Lars im Jahr 2017

          Schlecker-Insolvenz : Der tiefe Fall des Anton Schlecker

          Vor zehn Jahren ging Europas größte Drogeriekette unter. Der schwäbische Patriarch verlor sein Lebenswerk. Ein Lehrstück über Beratungsresistenz, das wohl noch nicht zu Ende ist.