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Coronavirus : Für den Abstrich ins Testzentrum

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Leere Ränge: In Frankfurt und anderen Städten der Region drohen in den Fußballstadien der ersten und zweiten Liga „Geisterspiele“ ohne Zuschauer. Bild: Wonge Bergmann

Bei 28 Hessen ist inzwischen das Coronavirus nachgewiesen worden. Die Landesregierung lehnt ein pauschales Veranstaltungsverbot dennoch weiterhin ab.

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          Die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern wegen des Coranavirus abzusagen, hat auf Hessen keine direkten Auswirkungen. „Die Entscheidungsebene ist immer die kommunale“, sagte der Landesgesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) am Montag bei einer Pressekonferenz. Im Übrigen schaue man vorrangig, ob es zu einer förmlichen Veränderung der Bewertungen der Situation seitens des Robert-Koch-Institutes komme.

          Über die Frage, ob das für Donnerstag in Frankfurt angesetzte Europa-League-Spiel gegen den FC Basel ein „Geisterspiel“ werden könne, würden derzeit Gespräche mit dem Veranstalter geführt, berichtete René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes. Einerseits gebe es zwar eine persönliche Empfehlung des Bundesministers, andererseits aber auch die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht, nach eigenem Ermessen über jeden Einzelfall zu entscheiden. Er könne nicht erkennen, dass besonders viele Zuschauer aus Italien oder Iran kämen, sagte Gottschalk. Wann die Entscheidung falle, stehe nicht fest. Die Verantwortung übernehme am Ende der „politische Vorgesetzte“. Das ist in diesem Fall der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen).

          Fest steht dagegen inzwischen, dass das für den 19.März angesetzte Rückspiel wegen der Epidemie nicht in Basel stattfinden wird. Die Kantonspolizei Basel-Stadt entschied zusammen mit dem Krisenstab, diese Partie nicht zu bewilligen. Wo und ob das Spiel ausgetragen wird, steht noch nicht fest.

          Für die von Spahn genannte Zahl von 1000 Personen als Richtwert für Absagen gebe es keine medizinische Begründung, erklärte Gottschalk. Es gehe dem Minister wohl um die grundsätzliche Unterscheidung zwischen großen und kleinen Veranstaltungen. Gottschalk machte deutlich, dass das Ansteckungsrisiko in Festzelten und engen Räume, in denen sich vielen Menschen aufhielten, generell höher sei. „Da steht die Luft, und es wird feucht.“ In großen Hallen und an der frischen Luft herrschten andere Bedingungen. Die Messe „Light and Building“ in Frankfurt sei beispielsweise vor allem wegen der Absagen von Ausstellern verschoben worden.

          Hier wird sie am dringendsten gebraucht: Gegenwärtig gibt es in den hessischen Krankenhäusern noch genügend Schutzkleidung.
          Hier wird sie am dringendsten gebraucht: Gegenwärtig gibt es in den hessischen Krankenhäusern noch genügend Schutzkleidung. : Bild: dpa

          Klose berichtete, dass es in den Krankenhäusern in Hessen gegenwärtig noch genügend Schutzkleidung gebe. Gemeinsam mit dem Bund bemühe man sich aber darum, Nachschub zu organisieren. Der Minister verkündete zudem, dass die angekündigten Testzentren von diesem Dienstag an in Hessen flächendeckend ihre Arbeit aufnehmen würden. In den Räumlichkeiten der Ärztlichen Bereitschaftsdienste finden Patienten eine Anlaufstelle, sollten sie im Falle eines Infektionsverdachts auf die neue Lungenkrankheit getestet werden müssen. Damit würden die Notaufnahmen in den Krankenhäusern entlastet, so der Minister. Durch die neuen Testzentren gibt es laut der verantwortlichen Kassenärztlichen Vereinigung erstmals die Möglichkeit, Infizierte an den Arztpraxen „vorbeizuschleusen“.

          Kein Risiko bei Besuch von Schwimmbädern

          Auch Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt, war zur Pressekonferenz geladen, um die Lage aus medizinischer Sicht einzuordnen. Schwangere und Kinder seien nach den jüngsten Erkenntnissen für das Coronavirus nicht besonders empfänglich, sagte sie. Menschen mit schweren Grunderkrankungen und Raucher mit chronischen Veränderungen der Lunge jedoch schon. Neue Daten aus Italien zeigen laut Ciesek, dass das Risiko für über Siebzigjährige deutlich ansteige. „Man kann die Oma auch anrufen, anstatt sie zu besuchen“, sagte Klose.

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