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26. Night of the Proms : Beim Singen Spaghetti mampfen

  • -Aktualisiert am

Music was my first love: Alan Parsons (Mitte) produzierte einst den Dauerbrenner „Music“. Bild: Francois Klein

Wo Johann Sebastian Bach auf Justin Timberlake trifft: Zum 26. Mal fand die Night of the Proms in der ausverkauften Frankfurter Festhalle statt. Die abwechslungsreiche Show bot auch skurrile Momente.

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          Die Festhalle ist auch bei der 26. Ausgabe der Traditionsveranstaltung für alle Altersgruppen ausverkauft: Fünf mehr oder minder berühmte Gastkünstler treten mehr als drei Stunden lang mit dem Antwerp Philharmonic Orchestra samt Chor Fine Fleur, der eigens für die Proms zusammengestellten Rockband Backbone sowie dem Gesangsharmonietrio Pretty Vanillas unter Leitung von Chefdirigentin Alexandra Arrieche auf. Ein Riesentross, der zur Adventszeit durch Deutschland zieht, um allerorten die Gemüter fröhlich zu stimmen.

          Aber es geht nichts über Mr. Night Of The Proms John Miles, der seit 1986 Musical Director der Show ist. Der Brite an Mikrofon, E-Gitarre und Klavier feierte jüngst seinen 70. Geburtstag. In diesem Jahr brilliert er ebenso bei Rag’n’Bone Mans „Human“ wie Queens „Bohemian Rhapsody“. Liefert zudem mit der frankokanadischen Sopranistin Natalie Choquette eine charmante Version des Duetts „Don’t Give Up“, im Original von Kate Bush und Peter Gabriel.

          Eine Allianz und Evergreens

          Längst als offizielle Night-of-the-Prom-Hymne gilt ohnehin Miles’ Charthit „Music“ von 1975. Seinerzeit opulent produziert von keinem Geringeren als Alan Parsons, der wenig später weltweit erfolgreich sein Project startete und nach 2009 nun schon zum zweiten Mal an der E-trifft-U-Musik-Allianz teilnimmt. Flankiert wird er von den Sidekicks P. J. Olsson und Todd Cooper. Parsons singt sich durch die Klassiker „Don’t Answer Me“ und „Eye In The Sky“, vergisst auch nicht den Pop-Evergreen „Games People Play“. Mit „One Note Symphony“, wo die Beatles auf Led Zeppelin treffen, überzeugt er jedoch am meisten.

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          Gewissermaßen als Running Gag fährt Choquette, die sich kürzlich ein Bein gebrochen hat, immer wieder mit dem Rollstuhl auf die Bühne. Nicht nur, dass sie mit „Figaro“ aus Gioachino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ und „Nessun Dorma“ aus Giacomo Puccinis „Turandot“ den von Jahr zu Jahr sich minimierenden Klassik-Anteil leicht anhebt. Mit bizarren Kostümierungen sowie der einzigartigen Darbietung, während des Gesangsvortrags Spaghetti zu mampfen und mit Rotwein zu gurgeln, empfiehlt sich die jugendliche Sechzigjährige auch als Nina Hagen der Opernbühne. Zumal sie auch noch mit der russischen Volksweise „Kalinka“ und Johann Sebastian Bachs „Ave Maria“ tief in die Gefühlskiste greift.

          Erstmals auf Trab bringt die Besucherschar Al McKays Earth, Wind & Fire Experience. Prinzipiell nicht mehr als eine Tribute-Band des Funk-Soul-Disco-Jazz-Originals, bediente McKay immerhin von 1973 bis 1980 dort die E-Gitarre. An den knackigen Versionen von „September“, „Boogie Wonderland“ und „Let’s Groove Tonight“ gibt es indes nichts auszusetzen.

          Deutscher Beitrag mit Temperament

          Ebenfalls als Tradition der Night of the Proms gilt seit längerem, einen deutschen Beitrag im Programm aufzunehmen. Die Pop-Sängerin Leslie Clio aus Hamburg übertrifft zumindest in Sachen Temperament den Kollegen aus dem Vorjahr, Tim Bendzko.

          In der zweiten Hälfte darf Clio bei den Hooters gar den Gesangspart von Cindy Laupers „Time After Time“ übernehmen. Mit rhythmisch-hymnischem Folkpop im Ohrwurm-Modus liegen die Hooters-Chefs Eric Bazilian und Rob Hyman definitiv nicht falsch: „All You Zombies“, „One Of Us“, „Johnny B.“ und „500 Miles“ sorgen für Begeisterungsstürme.

          Bravourös zwischen Breakdance und klassischem Ballett oszilliert das Tanzensemble Let’s Go Urban von Sihame El Kaouabiki aus Flandern. Maurice Ravels „Bolero“, Pjotr Iljitsch Tschaikowski „Schwanensee“, der Chorsatz „O Fortuna“ aus Carl Orffs „Carmina Burana“ sowie ein Mash-up aus Werken von Johann Sebastian Bach im Kontext mit Charthits von Justin Timberlake decken die Klassik indes nur notdürftig ab. Beim dynamischen Gruppenbild mit Gesang zum Finale gilt es eine Wachablösung zumindest beim Song zu verzeichnen: Anstatt „Hey Jude“ krähen zum kollektiven Winkewinke alle nun den Beatles-Evergreen „All You Need Is Love“.

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