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Mit App das Jubiläum feiern : Punkte sammeln bei der Begegnung mit dem Dichter

Im Bilde: Eine App führt auf Hölderlins Spuren auch zum Sinclair-Haus. Bild: Wolfgang Eilmes

Mit dem Smartphone durch Bad Homburg zu Hölderlin: Das Jubiläumsjahr kommt wegen der Corona-Krise mit Verzögerung in Fahrt.

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          Immobilienmakler würden von einer Toplage sprechen: „Ich wohne gegen das Feld hinaus, habe Gärten vor dem Fenster und einen Hügel mit Eichenbäumen, und kaum ein paar Schritte in ein schönes Wiesthal.“ Von einem Hügel in der Nähe geht der Blick „über Frankfurt in die Ferne hinaus“. In einem Brief an seine Schwester beschrieb Friedrich Hölderlin mit diesen Worten Anfang 1799 seinen Lieblingsplatz in Homburg, das damals noch kein Bad war. Wo dieser sich befunden haben könnte, lässt sich auf einem Spaziergang durch die Stadt erkunden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Nicht nur die Stelle am Wingertsberg oberhalb des Kurparks, wo im Garten der Werner-Reimers-Stiftung auf einer Gedenktafel in einem kleinen Pavillon die Sätze verewigt sind, ist mit dem richtigen Programm auf dem Mobiltelefon zu finden. Die am Freitag vorgestellte „Hölderlin-App“ führt zu insgesamt 19 Orten, die mit den Aufenthalten des Dichters verbunden sind. Was Hölderlin und seine geliebte Susette zu sagen haben, kann man dank der Aufnahmen mit den Schauspielern Louise Oppenländer und Christian Kerkhoff sogar hören. Bis auf den Großen Feldberg, das Frankfurter Hölderlin-Denkmal und den Frankfurter Hof, an dessen Standort sich einst das Anwesen der Frankfurter Bankiersfamilie Gontard befand, liegen alle Orte in Bad Homburg.

          Um den 250. Geburtstag Hölderlins in diesem Jahr zu feiern, habe man nicht nur den wissenschaftlichen Zugang gesucht, sagte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Die „Hölderlin-App“ solle auch einem jüngeren Publikum auf spielerische Art den Dichter näherbringen. Wer die einzelnen Stationen abläuft, bekommt Punkte gutgeschrieben, ähnlich wie auf einem Stempelpass bei einer Wanderung von Almhütte zu Almhütte. „Für 700 Punkte gibt es ein Hölderlin-Andenken im Tourist Info und Service im Kurhaus“, sagte Ketty Urbani vom Stadtmarketing. Durch das Beantworten von Fragen könne man Bonuspunkte erzielen.

          Digital und analog auf den Spuren Hölderlins

          Das Prinzip hat die Stadt schon einmal angewandt, bei der Stempelpass-App „Bad HomburGo“. Die von dem Bad Homburger Unternehmen WDV Gesellschaft für Medien & Kommunikation entwickelte virtuelle Gästetour ist vor zwei Jahren vorgestellt und 2019 mit dem Hessischen Tourismuspreis ausgezeichnet worden. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber sie ist schätzungsweise mehr als 1000 Mal von jeder der Vertriebsplattformen für die beiden Betriebssysteme heruntergeladen worden. Wer sie installieren möchte, sucht am besten nach Stempelpass-App. Dann lassen sich sowohl „Bad HomburGo“ als auch die Hölderlin-App auswählen.

          Trotz der spielerischen Form müssen die vermittelten Informationen natürlich stimmen. Dafür hat die Rechtshistorikerin Barbara Dölemeyer gesorgt, Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg und Mitglied der Hölderlin-Gesellschaft. Die Bad Homburger Hölderin-Orte haben aus ihrer Sicht einen Vorteil gegenüber denjenigen in Frankfurt: „Am Schloss, entlang der Dorotheenstraße und in der Herrngasse bekommt man heute noch einen Eindruck davon, wie man sich Homburg um 1800 zur Zeit Hölderlins vorstellen kann.“ Wer es lieber traditionell mag, kann sich übrigens auch mit einer kleinen Broschüre auf Spurensuche begeben, die unter anderem bei der Tourist Info im Kurhaus erhältlich ist.

          Programme verschoben, nicht abgesagt

          Mit den Lockerungen der Corona-Regeln muss man sich nicht mehr ganz alleine mit der App auf den Weg machen. Auch Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr, die in den vergangenen Wochen abgesagt werden mussten, können nun nachgeholt werden oder wie geplant beginnen. Letzteres gilt für die Ausstellung „Wohl geh’ ich täglich andere Pfade – Friedrich Hölderlin und seine Orte“. Sie wird am heutigen Samstag in der Englischen Kirche eröffnet und widmet sich seinen Lebensstationen von Lauffen über Jena, Bordeaux, Paris, Homburg bis Tübingen. Von Mittwoch an ist die Text-Rauminstallation „O.T./Ariadnefaden“ von Corinna Krebber in der Schlosskirche zugänglich.

          In der Region sei das Programm des Hölderlin-Jahrs zum großen Teil nur verschoben, aber nicht aufgehoben, sagte auf Anfrage Kuratorin Julia Cloot, stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Anderes sei ohnehin erst später im Jahr terminiert. Die Inszenierung „Anti-Go-Nä. Hölderlin/Sophokles“ im Theater Willy Praml in der Frankfurter Naxos-Halle am 29. August könne stattfinden. Gleiches gelte für die Aufführung der Kompositionen „Hölderlin lesen I–V“ von Hans Zender in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst am 16. September.

          Schwierig werde es bei Konzerten mit Chören, sagte Cloot, weil diese noch nicht proben könnten. Vielleicht ließen sich die für den 26. April geplant gewesenen Hölderlin-Vertonungen mit dem Kammerchor der Bad Homburger Erlöserkirche am 1. November nachholen. Auf diesen Termin ist die sonst im Juni stattfindende Verleihung des Hölderlin-Preises verschoben worden. Die Corona-Krise habe bundesweit Veranstaltungen beeinflusst. „Viele feiern nächstes Jahr ,Hölderlin 250 plus eins‘.“

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